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Digitales Leben

Das Jahr 2014 im Netz

Ice Buckets und Selfies. Big Data, Kampagnen und ein wichtiges Buch. Auf Youtube wird fröhlich getanzt, andere Clips zeigen Massenmorde islamischer Gotteskrieger. Das Netz zeigt auch 2014 seine volle Bandbreite.

Twitter #bringbackourgirls Kampagne Michelle Obama

US-First Lady Michelle Obama bei der wichtigsten Netzkampagne des Jahres

Youtube

Pharrell Williams löst mit seinem Video zum Gute-Laune-Song "Happy" einen Hype aus, der zu Beginn des Jahres die Videoplattform Youtube überflutet. Er wird weltweit kopiert und parodiert. Auf dem ganzen Erdball tanzen Gruppen von glücklichen Menschen durch ihre Heimatstädte, von Paris bis Dubai, von New York bis Köln, von Bogotà bis Budapest. Es sind professionelle Tänzer, Kellnerinnen, Scheichs oder einfach nur ganz normale Leute. Zählt man alle Klicks der unzähligen Versionen zusammen, sind die Happy-Videos aus der ganzen Welt etwa eine halbe Milliarde mal angeklickt worden.

Screenshot Happy Iran Youtube

"Happy" im Iran

Die Top 3: Oft belächelt, dennoch fast 95 Millionen mal angesehen: Das Schwarzweiß-Video "Der Kuss", in dem sich wildfremde Menschen küssen. Platz 2 geht an einen Werbespot der Firma Nike, in dem die größten Fußballstars der Welt auftreten. Interessanterweise spielt kein echter Weltmeister mit, trotzdem haben fast 100 Millionen Menschen den Clip gesehen. Die unangefochtene Nummer 1 der Youtube-Jahrescharts aber ist ein Clip, in dem ein als Riesenspinne verkleideter Hund arglose Passanten erschreckt. 114 Millionen Klicks für den "Mutant Giant Spider Dog".

Terror im Netz

Als die ersten Gewaltvideos der Terrorgruppe IS im Social Web weitergereicht werden, setzen die Plattformen alles daran, diese Videos aus dem Netz zu werfen. Es gelingt ihnen leider nur teilweise. Wer richtig sucht, wird immer noch den Clip finden, in dem der US-Journalist James Foley enthauptet wird. Die Terrororganisation weiß sehr gut mit den Möglichkeiten des Internets umzugehen und schafft es, ihre Propaganda immer wieder wirksam in Szene zu setzen. Tausendfach auf Facebook oder Twitter geteilt, erreichen brutale Mord-Videos oder andere Propaganda-Clips immer wieder die Öffentlichkeit.

Dresden Pegida Demonstration Islamkritik Deutschland 8.12.

Widerstand gegen braunes Gedankengut, im Netz wie auf der Straße

In Deutschland wehrt sich die Netzgemeinde gegen die Propaganda rechtsgerichteter Gruppierungen, die immer selbstbewusster auftreten. Anhänger der "Pegida" (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) äußern sich offen über den Islam, zu Flüchtlingen und Zuwanderung. Allerdings auf eine Weise, die viele an die Hetzkampagnen der Nazis gegen die Juden im Dritten Reich erinnert. Kreative User bieten Paroli und stellen Videos ins Netz, die das braune Gedankengut durch den Kakao ziehen.

Größte virale Aktion

Die noch wenig erforschte und unheilbare Nervenkrankheit ALS bekommt durch eine Spendenkampagne erstmals weltweite Aufmerksamkeit. Einer der Betroffenen kippt sich im Netz einen Eimer Eiswasser über den Kopf und fordert andere Bekannte auf, es ihm gleich zu tun oder 100 Dollar an die ALS-Stiftung zu zahlen.

ALS Ice Bucket Challenge (Facebook-Gründer Mark Zuckerberg)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg macht sich nass

Die Leute begießen sich mit Eis und spenden trotzdem. Die Aktion reicht bis in die allerhöchsten Prominentenkreise, sogar bis ins Weiße Haus. In Deutschland engagieren sich vor allem Fußballstars, aber auch einige Politiker machen mit. Insgesamt kommen der ALS Association 41 Millionen Dollar zu – im Jahr zuvor hat die Stiftung gerade mal 2,1 Millionen Dollar eingenommen.

Hashtags des Jahres

Twitter: Klein, aber aussagekräftig sind die kleinen 140-Zeichen-Meldungen. So spiegelt kaum ein Medium das allgemeine Interesse am Weltgeschehen so wider wie die Microblogging-Plattform. Unter #Worldcup und #GermanyWins wird mit 672 Millionen Tweets die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien gefeiert. Deutsche Twitter-Nutzer sind auch sehr an den Geschehnissen um den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern, Uli Hoeneß, interessiert. Sein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und die Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis sorgen unter dem Hashtag #Hoeness für jede Menge Gesprächsstoff – oft auch mit viel Häme.

Ebensoviel Häme erntet die Deutsche Bahn – vor allem beim großen Streik der Gewerkschaft GDL Zugausfälle, Verspätungen – das geht nicht spurlos an hunderttausenden pendelnden Twitterern vorbei. #Bahnstreik war eins der beliebtesten Nachrichtenthemen unter Deutschlands Usern.

Twitter #bringbackourgirls Kampagne Malala

Auch Friedensnobelpreisträgerin Malala macht mit

Die größte Hashtag-Aktion ist #bringbackourgirls: 200 Mädchen sind in Nigeria von der islamischen Miliz Boko Haram entführt worden. Zahlreiche Prominente aus der ganzen Welt twittern Fotos von sich mit Plakaten, auf denen die Entführer aufgefordert werden, die Mädchen zurück zu bringen. Bis heute ist deren Schicksal ungewiss.

Unter #RIPRobinWilliams trauern Millionen Fans auf der ganzen Welt um den Schauspieler Robin Williams, der sich am 11. August in Kalifornien das Leben nimmt.

Twitter-Rekord beim #Oscar: US-Moderatorin Ellen DeGeneres versammelt während der Oscar-Verleihung ein paar Schauspieler um sich und knipst ein Selfie. Die Schauspieler sind: Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Julia Roberts, Kevin Spacey, Brad Pitt, Jared Leto und Bradley Cooper. Das "Oscar-Selfie" wird der Schnappschuss des Jahres und legt für ein paar Minuten Twitter lahm – weil er 3,4 Millionen mal retweetet wird. Weltrekord.

Selfie von Ellen DeGeneres

Promi-Overkill im berühmtesten Selfie des Jahres

Die großen Player bleiben an der Macht

Das Buch des Jahres kommt vom US-Schriftsteller Dave Eggers. In seinem Roman "The Circle" schildert er, wie ein großes Internetunternehmen nach und nach die Weltherrschaft übernimmt. Seine Waffen sind die Daten der Menschen, die sie ihm freiwillig zur Verfügung stellen. Der Roman ist näher an der Wirklichkeit als viele es glauben wollen.

Und tatsächlich begleiten uns die Themen Datenschutz und Überwachung auch 2014 durch die Netzwelt. Und da geht es gar nicht mal so oft um den NSA-Skandal, sondern eher um unser eigenes Verhalten im Netz. Und da ist Erstaunliches zu beobachten: Das Interesse am Datenschutz ist zwar auch bei den "normalen" Netzusern angekommen, die Leute aber machen weiter wie bisher. Mit der Haltung: Es ist sowieso schon zu spät, die wissen doch schon alles über mich, außerdem habe ich nichts zu verbergen.

Symbolbild Facebook kauft WhatsApp

Facebook kauft WhatsApp - so what?

Trotzdem flammen immer wieder Versuche auf, den großen Netzgiganten Konkurrenz entgegenzustellen - verschlüsselte Messengerdienste wie "Threema" drängen als Alternative zu WhatsApp auf den Markt. Die durchaus brauchbare Suchmaschine "qwant" versucht Google vom Thron zu stoßen. Das Netzwerk "Ello", in das sich Facebook-Verweigerer zurückziehen sollen, wird kurz gehypt - und floppt. Doch keine dieser Plattformen kann den Großen das Wasser reichen.

Themen wie "Big Data" und "Überwachung" beherrschen die Bloggerkonferenz re:publica. Mit inzwischen mehr als 5000 Teilnehmern ist sie zu einer wichtigen Gesellschaftskonferenz geworden, deren Anspruch es ist, die Digitalisierung unseres Alltags zu erklären und das Internet als unseren natürlichen Lebensraum zu betrachen - mit allen Chancen und Gefahren. Wie in der realen Welt.

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