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Kultur

Das Ende des UFO-Booms

UFO-Forscher aus Europa diskutieren derzeit in der Champagne ihre Arbeiten - mit unterschiedlichem Elan. Während Osteuropäer begeistert über Kornkreise rätseln, hat die deutsche UFO-Bewegung an Schwung verloren.

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Kein UFO, sondern ein Raketenstart

Das Treffen im französischen Chalons ist angeblich der erste europäische Kongress für Hobby-UFO-Forscher und Wissenschaftler überhaupt. Sein Programm lässt kaum einen Ufologen-Wunsch offen: Ein Spanier referiert über "Die Politik des Verteidigungsministeriums in Spanien in Bezug auf UFOs" und ein Pilot aus Frankreich erzählt von besonderen "Erfahrungen und Gegebenheiten". Auch der "Mythos Naziflugscheiben" um die angeblichen Wunderwaffen der deutschen Nationalsozialisten kommt nicht zu kurz. "Höhepunkt wird der Vortrag von Budd Hopkins", sagt Jürgen Bayer vom grenzwissenschaftlichen Online-Magazin "Paranews", dem deutschen Partner des Kongresses. Thema des amerikanischen Bestsellerautors und UFO-Veterans Hopkins: "Probleme der Alien-Entführung."

UFO-Forscher Werner Walter

Ufologe Werner Walter in seiner UFO-Meldestelle in Mannheim.

Aber nicht bei jedem UFO müssen gleich Außerirdische die Hand im Spiel haben. "UFO steht für 'Unbekanntes Fliegendes Objekt', nicht für fliegende Untertasse. Alle uns unbekannten, fliegenden Phänomene am Himmel sind UFOs", sagt UFO-Forscher Werner Walter, Gründer des "Centralen Erforschungsnetzes außergewöhnlicher Himmelsphänomene" (CENAP) in Mannheim.

Vom Gläubigen zum Skeptiker

CENAP wird auf der zum Ufologen-Kongress gehörenden Messe ebenfalls vertreten sein. CENAP-Gründer Werner Walter hat allerdings "überhaupt keine Lust" auf das Treffen in Frankreich. Das sei "was für UFO-Interessierte, aber nichts für richtige UFO-Forscher".

Nachdem Werner Walter dreißig Jahre lang den Ursachen für UFOs nachgegangen ist und "immer viel zu schnell" rationale Erklärungen gefunden hat, ist er Skeptiker geworden. Im Ufologen-Jargon ist das die Bezeichnung für jene UFO-Forscher, die - statt Aliens - Wetterleuchten, Meteoriten oder Leuchtraketen als Ursache für UFOS vermuten und das meist auch bestätigen können. In der deutschen Ufologen-Szene der Gläubigen gelten Walter und die CENAP-Mitarbeiter als Spielverderber.

Ufo in Australien

Das in Australien gesichtete 'UFO' oben rechts ist ein vorbeifliegender Vogel.

Denn die UFO-Szene ist dreigeteilt: Neben den Skeptikern gibt es die Gläubigen und die Wissenschaftler. In Deutschland befassen sich statt Wissenschaftlern oder gar Forschungsinstituten vor allem Ehrenamtliche mit der UFO-Forschung. "Die Skeptiker und die Gläubigen trennt ein tiefer Abgrund", sagt Peter Hattwig von der Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung (DEGUFO). Seit er 1993 vier so genannte Dreieck-UFOs über Braunschweig gesehen hat, ist er Gläubiger. Auch wenn es "Leute gibt, die uns für Spinner halten".

UFO-Boom flaut ab

Doch in einem sind Werner Walter von CENAP und DEGUFO-Mitglied Peter Hattwig sich einig: "Der große UFO-Boom in Deutschland ist vorbei." Bei der bundesweiten UFO-Hotline von CENAP, bei der Menschen ungewöhnliche Phänomene am Himmel melden können, klingelt das Telefon viel seltener als früher. In Buchhandlungen findet man "UFO-Bücher nur noch in der Esoterik-Ramsch-Ecke", sagt Werner Walter. Vor zehn Jahren habe es oft eine ganze Ufologie-Abteilung gegeben.

UFO in Kiel

Diese UFO-Formation über Kiel enttarnte Werner Walter als Reflektion von Straßenlampen auf dem Foto.

Der Skeptiker Werner Walter gibt sich "ein wenig Mitschuld" daran, dass von der UFO-Begeisterung der 1970er-und 1980er-Jahren nicht viel übrig ist. "Ich habe wohl zu viele Phänomene aufklärt." Mit den vielen übertriebenen Sensationsmeldungen über die Sichtung von Alien sei zudem eine große Erwartungshaltung aufgebaut worden. "Viele Menschen haben geglaubt, dass im Jahr 2000 ein Außerirdischer samt Raumschiff im Museum stehen wird." Peter Hettwig sieht andere Gründe für das Abflauen des Booms: "In der Ufologie ist eben alles gesagt oder geschrieben worden." Außerdem sei kaum ein anderes Land so UFO-skeptisch wie Deutschland.

Zu viel UFO-Kommerz

Alain Blanchard,

Alain Blanchard ist Veranstalter des Ufologen-Treffens in der Champagne und Hobby-UFO-Forscher.

Mexiko, Italien, Frankreich und natürlich die USA seien UFO-freundlicher eingestellt, sagt auch Jürgen Bayer vom Internet-Magazin "Paranews". Einige osteuropäische Länder erleben erst jetzt ihren UFO-Boom. "Polen rätselt gerade über Kornkreise. Die Briten haben darüber von 20 Jahren geredet, die Deutschen vor zehn Jahren", sagt Werner Walter. Die Kommerzialisierung erreiche nun Osteuropa.

Sowieso gehe es in der UFO-Szene "fast nur um Kommerz", bedauert Walter. Der Blick auf die Sponsorenliste des Kongresses in Chalons verwundert in der Tat. Mit Peugeot und France Telekom unterstützen zwei sonst sehr bodenständige Großunternehmen den Ufologen-Kongress. "Woher das plötzliche Interesse?", fragt Werner Walter. "Ich glaube kaum, dass Peugeot bald ein neues UFO-Modell herausbringt, oder?"

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