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Wissen & Umwelt

Das bessere Moskitonetz

Mit Insektizid imprägnierte Bettnetze gelten als einzig wirksamer Schutz gegen Malaria. Das Problem: Beim Waschen geht das Gift verloren. Nicht so beim Life-Net, beim dem das Insektizid in der Kunststoff-Faser steckt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben Jahr für Jahr etwa eine Million Menschen an Malaria, neunzig Prozent davon in Afrika. Experten sind sich einig: Mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze bieten den wirksamsten Schutz gegen die Ausbreitung der Krankheit.

Aber es reicht nicht, wenn abgenutzte oder schmutzige Moskitonetze irgendwo im Haus in einer Ecke liegen - sie müssen täglich genutzt werden. Deshalb sollen sie lange halten und müssen auch hin und wieder mal gewaschen werden - ohne dass das Insektizid verschwindet.

Besonders wichtig ist die konsequente Nutzung von Bettnetzen bei Kleinkindern. Denn sie sterben am häufigsten an Malaria. Jedes zweite Todesopfer ist jünger als fünf Jahre. Diese Kinder gehen meist schon früh ins Bett - vor Beginn der Dämmerung, also bevor die Malaria-Mücken aktiv werden.

Ein Kind schläft unter dem Life-Net, einem mit Insektizid imprägnierten Moskitonetz (Foto: Bayer CropScience)

Besonders Kinder sind durch Malaria gefährdet. Schlafen ohne Bettnetz kann tödlich enden

"Deshalb ist das auch heute noch immer die wichtigste Komponente zum Schutz vor Mückenstichen", betont der Arzt Jürgen May, Professor am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Denn die Anopheles-Mücken, die Malaria übertragen, sind vor allem nachts aktiv.

Keine Nacht ohne Bettnetz

Wichtig dabei: Bettnetze müssen, wie das Zähneputzen, Teil der täglichen Routine werden. Verzichtet man für eine Zeit darauf, haben die Insekten freie Bahn. "Man kann mit Bettnetzen tatsächlich viel erreichen", so May, "aber die Menschen müssen diese Bettnetze auch wirklich richtig anwenden, sie regelmäßig mit Insektenschutzmitteln imprägnieren und die Netze dürfen auch nach langer Benutzung keine Löcher haben."

Genau darin liegt die Schwäche vieler herkömmlicher Moskitonetze: Wenn sie lange im Gebrauch sind, werden sie irgendwann schmutzig und unansehnlich. Netze aus weichen Fasern lassen sich zwar gut waschen, aber dafür reißen sie auch recht schnell. Netze aus sehr steifen Fasern sind dagegen viel haltbarer, aber nur schwer zu reinigen. Und vor allem: Bisher muss das Insektengift immer wieder auf die Netze aufgesprüht werden, damit sie ihre Wirksamkeit behalten. Vor allem nach dem Waschen war die Imprägnierung weg.

Also musste ein besseres Moskitonetz erfunden werden. "Die Herausforderung war, beides zu erreichen um sicherzustellen, dass die Menschen die Netze auch nutzen", sagt Frederic Baur. Als Agrarwissenschaftler bei Bayer CropScience in Lyon beschäftigt er sich mit der Bekämpfung von Krankheiten, die durch Insekten übertragen werden. "Wir wollten deshalb ein Netz entwickeln, das die Weichheit mit der Haltbarkeit kombiniert. Vor allem sollte aber das Insektizid bereits in der Netzfaser eingebunden sein."

Insektizid steckt bereits im Kunststoff

Dabei kam eine hochfeste und trotzdem weiche Faser aus Polypropylen heraus. Das besondere daran: Ähnlich wie bei handelsüblicher Sport-Funktionskleidung, bei der Nano-Silberionen in die Textilfasern eingebettet sind, um Schweißgeruch zu verhindern, wird bei der neuen Moskitonetz-Faser das Insektizid bereits vor dem Spinnen dem Kunststoff beigemischt.

Eine Frau hängt das gewaschene Life-Net auf eine Leine (Foto: Bayer CropScience)

Menschen lieben frisch gemachte Betten - Aber dann bitte auch mit sauber gewaschenen Moskitonetzen

Das ist allerdings keine ganz einfache Angelegenheit, denn Insektizide reagieren empfindlich auf Hitze. Um Polypropylen zu einer Faser zu spinnen, muss es indes erst erwärmt werden. Aber die Mühe hat sich gelohnt: Die neue Faser entfaltet ihre insektizide Wirkung jetzt über eine lange Zeit.

"Die Netzfaser gibt das Insektizid sehr langsam ab", so der Agrarwissenschaftler. "Wenn man es von der Oberfläche abwäscht, oder es durch Abnutzungsprozesse von der Oberfläche verschwindet, kommt weiterer Wirkstoff von innen nach." Diese Tiefen-Imprägnierung hält sehr lange an. Man kann das Netz über 30 Mal waschen, ohne dabei die Wirkung des Insektizids zu verlieren. "Das wurde auch durch die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt," freut sich Baur. 

Sicher für Babys

Und anders als nachträglich aufgesprühte Insektizide ist der Wirkstoff in der Faser auch für Menschen viel sicherer. Gerade bei Kindern kann es vorkommen, dass sie auch einmal das Netz anfassen oder sogar daran nuckeln. Das schadet ihnen bei dem neuen Netz jedoch nicht, denn die Faser gibt den Wirkstoff immer nur kontrolliert ab.

"Wir haben umfangreiche Risikostudien durchgeführt" betont Baur. "Die Wirkstoffmengen sind so gering, dass sie kaum Einfluss auf die Gesundheit von Menschen oder Säugetieren haben. Aber sie sind trotzdem sehr wirksam gegen Moskitos."

Das dauerhaft-imprägnierte Moskitonetz nennt sich Life-Net. Bayer hat sich zum Ziel gesetzt, Millionen davon herzustellen. Der Bedarf ist allemal hoch: Zwischen 300 und 500 Millionen Menschen leiden nach verschiedenen Schätzungen weltweit unter der Infektionskrankheit Malaria.

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