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Nahost

"Das Ausland muss Stellung beziehen"

Israel reagiert deutlich auf die Leugnug des Holocausts durch die iranische Regierung. Doch auch das Ausland müsse reagieren, fordert der israelische Historiker Moshe Zimmermann im Interview.

Moshe Zimmermann (Foto: DW)

Forscht auch zum Fußball im Nationalsozialismus: Moshe Zimmermann

DW-WORLD.DE: Herr Zimmermann, wie reagiert die israelische Bevölkerung auf die Äußerungen Mahmud Ahmadinedschads?

Moshe Zimmermann: Selbstverständlich muss man bestürzt sein. Die Shoa zu leugnen ist keine Lappalie und die Juden, aber auch Nichtjuden, die die Geschichte kennen, können dem gegenübernicht gleichgültig sein. Aber man muss hinzufügen, dass es so aussieht, als sei Ahmadinedschad eigentlich der Geheimagent der israelischen Rechten. In Israel erzieht man die Menschen dazu, zu begreifen, dass die Welt eine Welt von Feinden ist. Solche antisemitischen Ausbrüche wie die von Ahmadinedschad sind eine Bestätigung, nicht nur dafür, dass es Shoa-Leugner gibt, sondern auch dafür, dass Israel immer gefährdet ist, von dieses Leugnern attackiert zu werden. Deshalb erhält diese Rede große Aufmerksamkeit in Israel.

Die Äußerungen Ahmadinedschads und Chameneis sind eine Provokation. Sollte man sie einfach ignorieren?

Man kann sie nicht ignorieren, man muss reagieren. Sonst heißt es, man gebe zu, dass es die Shoa nicht gegeben hat. Aber es ist als Provokation gemeint, und es ist durchdacht. Auf diese Art und Weise schiebt man die Schuld auf die Israelis: sie erfänden eine Geschichte, die es nie gegeben habe, und deswegen seien die Araber Opfer eines Mythos; und die Bösen sind nicht die Nazis von damals sondern die Israelis von heute. Und das kommt gut an, sowohl bei den Iranern als auch bei den Arabern in der Region.

Sie sagen: Man muss reagieren. Wie muss man denn reagieren?

Israels Reaktion ist eigentlich belanglos: Israel reagiert automatisch und sagt, was zu sagen ist, nämlich: Es gab eine Shoa und die ist nicht die Erklärung dafür, dass sich Israel mit den Palästinensern auf diese Art und Weise wie heute auseinandersetzt. Die Hauptsache ist, dass im Ausland reagiert wird, dass man Ahmadinedschad auf diese Art und Weise ausgrenzt, dass man zeigt, dass man für solche Haltung kein Verständnis hat. Nicht nur in Israel und unter Juden, sondern in der ganzen Welt, in Europa und Amerika.

Wird das ihrer Meinung nach genug getan?

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (Foto: AP)

Beim jährlichen "Anti-Israel-Tag" leugnet Irans Präsident erneut den Holocaust

Man kann es sehr schwer einschätzen, ob man viel oder wenig oder mehr oder weniger reagiern muss. Auf jeden Fall darf es nicht so bleiben, sonst verstehen es Ahmadineschad und die, die ihn hören, so, als sei die Welt mit dieser Idee einverstanden. Man darf nicht zulassen, dass Europäer und Amerikaner den Eindruck hinterlassen, dass man gleichgültig ist gegenüber solcher Entmythologisierungsversuche wie von Ahmadinedschad - in dem Sinne, dass er die Schoa zum Mythos macht und diesen angeblichen Mythos ausschlachten und schlachten will.

Moshe Zimmermann ist Professor für Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem. Das Interview führte Anne Allmeling. Redaktion: Sarah Mersch

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