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Afrika

Cullen: "Die AU-Truppe kann kaum ordentlich operieren"

Die Afrikanische Union hat sich auf die Einrichtung einer 7500 Mann starken regionalen Eingreiftruppe im Kampf gegen Boko Haram verständigt. Sicherheitsexperte Cullen zweifelt an deren Schlagkraft.

Soldaten der AU-Mission AMISOM in Somalia

Welches Mandat für die AU-Truppe gegen Boko Haram? Hier Soldaten von AMISOM in Somalia.

DW: Herr Cullen, die Afrikanische Union (AU) hat sich darauf verständigt, 7500 Soldaten für den Kampf gegen Boko Haram zu entsenden. Halten Sie die Zahl an Soldaten für ausreichend, die Krise zu bewältigen?

Jesper Cullen: Nein, das finde ich definitiv nicht. Vergleichen Sie zum Beispiel die Truppenstärke mit AMISOM, der AU-Truppe in Somalia, dort haben sie über 22.000 Soldaten. Dann ist die Frage offen, wo die AU-Truppen schließlich eingesetzt werden soll. Ob die nigerianische Regierung eine Operation auf nigerianischem Boden erlauben wird. Selbst wenn klar ist, dass die 7500 Soldaten in Nord-Nigeria eingesetzt werden, sieht es noch immer nicht so aus, als könnten sie der Stärke Boko Harams wirklich etwas entgegensetzen.

Die nigerianische Regierung besteht darauf, sie könne die Terrorgruppe besiegen, und ist nach wie vor zurückhaltend mit der Einladung ausländischer Truppen. Können die AU-Soldaten unter diesen Bedingungen überhaupt einen Fuß auf nigerianischen Boden setzen?

Die nigerianische Regierung hat im vergangen Jahr immer wieder ihre Bereitschaft erklärt, im Kampf gegen Boko Haram mit anderen Ländern der Region zu kooperieren. Doch immer, wenn es konkret werden sollte, hat Nigeria die Zusammenarbeit abgebrochen. Zum Beispiel Kamerun: Das Land geht selbst gegen Angriffe von Boko Haram im Norden Kameruns vor, doch sobald die Kämpfer wieder auf nigerianischen Boden zurückweichen, kann das kamerunische Militär auch nicht mehr viel tun. Angesichts dessen ist das eine berechtigte Sorge, ob die AU-Truppen denn eigentlich operieren können.

Welches Mandat soll die AU-Truppe haben?

Das ist noch völlig unklar. Die Afrikanische Union hat bisher nicht sehr viele Informationen über die Truppe preisgegeben. Aber wenn Sie sich zum Vergleich andere AU-Missionen anschauen: In Somalia hat AMISOM ein robustes Mandat, um gegen die Al-Shabaab-Miliz vorgehen zu können. Die Truppen in der Zentralafrikanischen Republik - dies ist inzwischen eine UN-Mission - haben mehr die Aufgaben die Zivilbevölkerung zu schützen, als tatsächlich zu kämpfen.

Die Afrikanische Union scheint sich derzeit in sehr viele Konflikte in Afrika zu involvieren.

Tatsächlich ist die AU ist in einigen Ländern aktiv. Diese 7500 Soldaten werden nicht sehr ins Gewicht fallen. Sie dürfen nicht vergessen, dass einige Länder ihre Unterstützung für diese multinationale AU-Truppe zugesagt haben. Einige tun das bereits, Kamerun und Tschad haben einige tausend Soldaten bereits in den Norden Kameruns entsendet. Bisher ist nicht klar, ob sie Teil des multinationalen Militäreinsatzes der AU sein werden oder die Truppe zusätzlich unterstützen. Die Afrikanische Union hat derzeit einige Probleme zu lösen und ist gleichzeitig mit mangelnder Ausstattung und der zögerlichen Haltung von Truppenstellerstaaten konfrontiert.

Boko Haram agiert unter anderem mit einer Art Guerilla-Taktik. Welche Strategie sollte die AU-Mission im Kampf gegen die Islamisten von Boko Haram anwenden?

Die Situation wird sich nicht einfach über Nacht ändern. Vor allen Dingen muss Nigeria innenpolitisch viele Dinge ändern, wenn sich die Situation dauerhaft verbessern soll. Sowohl Regierung als auch das Militär müssen längst überfällige Reformen einleiten. Sie müssen die Korruption ansprechen, müssen Training und militärische Ausstattung verbessern.

Auch die sozio-ökonomischen Ursachen müssen endlich angesprochen werden, die schließlich viele Nigerianer auch dazu veranlassen, sich den Islamisten anzuschließen.

Präsident Goodluck Jonathan hat seine Wahlkampftour durch die nördlichen Bundesstaaten Nigerias abgesagt. Welchen Einfluss hat die momentane Sicherheitslage auf die Wahlen am 14. Februar?

Es ist nahezu sicher, dass die nordöstlichen Bundesstaaten Nigerias keine Wahlen abhalten werden können; speziell in Borno und in teilen auch in Yobe und Adamawa. Das würde die Wahlen diskreditieren. Es gibt bereits den Vorwurf seitens der Opposition, dass die Regierung die Angriffe gar nicht unterbinden will, da in dieser Region ein starkes Abschneiden der Opposition recht wahrscheinlich ist.

Die größere Sorge der nächsten Wochen wird also weniger die Angst vor dem Terror sein, als viel eher der Vorwurf, die Regierung sei an einem Stimmverlust der Opposition schuld. Dies könnte zu Unruhen in der Bevölkerung führen.

Jesper Cullen ist Sicherheitsexperte. Für die internationale Beraterfima Risk Advisory arbeitet er von London aus zu den Staaten Sub-Sahara-Afrikas.

Das Interview führte Abu-Bakarr Jalloh.

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