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Wirtschaft

Computermesse CeBIT versucht den Spagat

Die CeBIT gilt als Leitmesse in der IT-Branche. Doch andere Messestandorte und der rasante Fortschritt der Technik machen den Veranstaltern das Leben schwer - im Jahr 2006 noch mehr als sonst.

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Magnet für Aussteller und Besucher: Messegelände Hannover

Die Macher der CeBIT haben dieses Jahr einen besonderen Grund zum Feiern: Ihre Messe wird 20 Jahre alt. 1986 fand sie erstmals losgelöst von der Industrie-Messe in Hannover statt, in die sie zuvor integriert war. In diesen zwei Jahrzehnten entwickelte sich die CeBIT schnell zur Leitmesse für Hersteller von Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK).

Zum Feiern dürfte den CeBIT-Aktiven jedoch trotz ihrer Führungsposition und des runden Geburtstags nicht wirklich zumute sein. Denn die Schlagzeilen vor der Eröffnung am 9. März wollen keinen rechten Optimismus am Messestandort Hannover verbreiten. "Die CeBIT verliert Stars und Sternchen" titelte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", als Absagen von E-Plus und Sony bekannt geworden waren. Und das "Handelsblatt" berichtete unter dem Titel "IT-Messe CeBIT spaltet die Branche" darüber, dass immer mehr Firmen die Rolle der CeBIT als globale Leitmesse der Informations- und Telekommunikationsbranche in Frage stellten.

Konkurrenz

Besonderen Druck verspürt die Deutsche Messe AG, die die CeBIT veranstaltet, vor allem von anderen Messeanbietern. In den USA führt Apple beispielsweise Neuheiten ausschließlich auf der Hausmesse MacWorld vor. Der Netzwerkhersteller Cisco und der Softwarekonzern Oracle stellen ebenfalls auf eigenen Foren neue Technologien vor. Sie alle bleiben der CeBIT fern.

Im Inland baut die Berliner IFA von 2006 an ihre Internationale Funkausstellung zur jährlich stattfindenden Produktschau aus. Vor allem Neuheiten in der Unterhaltungselektronik werden dort gezeigt. Grund für die Umstellung vom vorherigen Zweijahresrhythmus auf den jährlichen Messetermin ist nach Angaben der Veranstalter die dynamische Entwicklung in dieser Branche.

Konvergenz

CeBIT Computermesse in Hannover Flaggen

Fahnen mit dem CeBIT-Logo wehen vor einem Eingang zum Messegelaende in Hannover (Archiv-Bilder)

Weil das Zusammenwachsen von Computertechnik und Unterhaltungselektronik so greifbar ist wie noch nie zuvor, sucht die CeBIT dieses Jahr ganz besonders nach der richtigen Marschrichtung. Einerseits bezeichnet sie sich als Messe für Anwender aus Industrie und Handel sowie für die ITK-Elite. Andererseits wendet sie sich an technik-begeisterte Nutzer und bietet diesen 2006 erstmals mit der "digital living" eine Sonderschau für Unterhaltungsprodukte wie TV-Geräte, Spiele-Konsolen, Foto- und Filmkameras, Hifi-Anlagen fürs Auto und MP3-Player. Das aber bietet auch die IFA.

Das Konzept der "digital living" wurde kurzfristig entwickelt, nachdem die Messe Berlin ihre Entscheidung für einen alljährlichen IFA-Termin bekannt gegeben hatte. So schnell, wie die "digital living" an den Start geschickt wird, könnte sie auch wieder als missglückter Versuchsballon vom deutschen Messehimmel verschwinden. Dies legt zumindest ein anderer Test dieser Art nahe: Vor einigen Jahren hatte die Deutsche Messe AG die "CeBIT Home" an den Start geschickt; sie wurde wegen schwachen Besucherinteresses schnell wieder eingestellt.

Trotz der wachsenden Konkurrenz scheint die CeBIT ihre Stellung als Forum der ITK-Elite verteidigen zu können. Das zeigt zumindest die Reaktion von Ausstellern wie Microsoft. "Die Messe ist für uns sehr, sehr wichtig", sagt Frank Mihm-Gebauer, CeBIT-Beauftragter bei Microsoft in Deutschland. Ein Fernbleiben kann er sich nur schwer vorstellen. "Vielleicht wenn nur 50.000 Besucher auf die Messe kämen und nur 500 an unseren Stand", sagt er. Damit ist freilich nicht zu rechnen. Die Organisatoren erwarten einen Anstieg auf 6300 Aussteller und eine vermietete Fläche von mehr als 300.000 Quadratmetern, was in etwa der Fläche des Vorjahrs entspricht – und in der Branche unerreicht bleibt. Es könnte für die CeBIT-Macher also doch noch ein runder Geburtstag zum Feiern werden.

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