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Aktuell Deutschland

Commerzbank bekommt neuen Chef

Der bisherige Privatkundenvorstand Martin Zielke wird Nachfolger von Martin Blessing bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus. Damit setzt die Bank ein Zeichen, dass sie an ihrem bisherigen Kurs festhält.

Die Commerzbank setzt mit ihrer Entscheidung über die Konzernspitze auf Bewährtes. Zielke steht als künftiger Chef von Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut vor allem für Kontinuität. Der 53-Jährige stammt aus der Kleinstadt Hofgeismar nördlich von Kassel. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein gesamtes Berufsleben verbringt der Diplom-Kaufmann in der deutschen Bankenbranche: Nach der Ausbildung bei der Deutschen Bank und dem BWL-Studium in Göttingen arbeitet er für die Dresdner Bank, die Deutsche Bank 24 und die Deutsche Hyp. 2002 wechselt er zur Commerzbank.

Durchschlagende nationale Werbekampagne

Zielke hat den Rückhalt in der Belegschaft und wird für seine Maßnahmen intern gefeiert. Er lancierte die aufsehenerregende Werbekampagne mit den joggenden Mitarbeitern, die den Kulturwandel in der Bank verdeutlichen sollte. Der Konkurrenz von Sparkassen und Volksbanken dagegen ist Zielke ein Dorn im Auge. Sie werfen der Commerzbank vor, mit dem kostenlosen Girokonto und einer Wechselprämie für Neukunden die Preise zu verderben. Und das in einer Zeit, in der Kreditinstitute wegen der niedrigen Zinsen immer weniger verdienen. Die Aufregung stört Zielke nicht. Er betont, dass sich die Angebote lohnen. So gelang es ihm, das operative Ergebnis seiner Sparte in den vergangenen drei Jahren auf 751 Millionen Euro 2015 zu verdreifachen.

Der Aufsichtsrat setzt mit der Ernennung Zielkes ein Zeichen, dass die Bank an ihrem zuletzt erfolgreichen Kurs festhalten will. Dass das Institut nach Jahren der Krise inzwischen wieder im Aufwärtstrend ist, wird gerade auch Zielke zugeschrieben, der das lange enttäuschende Privatkundengeschäft wieder auf Vordermann gebracht hat.

Commerzbank wieder auf Erfolgskurs

Zielke will die Arbeit von Martin Blessing weiterführen. Der hatte im vergangenen Jahr angekündigt, seinen in diesem Herbst auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Blessing schaffte es, das kränkelnde Geldhaus wieder in die Spur zu bringen. Erstmals seit fünf Jahren wurde wieder ein Milliardenüberschuss erzielt. Sogar eine Dividende will die Nummer zwei hinter der Deutschen Bank für das abgelaufene Jahr zahlen. Also ein stabiles Fundament für den 53-jährigen Zielke, den eingeschlagene Erfolgsweg fortzusetzen.

Noch immer existieren Staatsanteile

Allerdings ist der Bund mit einem Anteil von gut 15 Prozent immer noch größter Aktionär des Instituts. Hinter der Bank liegen schwere Zeiten. In der Finanzkrise 2008 musste sie mit mehr als 18 Milliarden Euro vom Steuerzahler vor dem Aus gerettet werden. Das lag vor allem auch an den Altlasten der kurz vor dem Einbruch der Märkte übernommenen Dresdner Bank. Im Frühjahr 2011 schien das Schlimmste vorüber, als die Commerzbank den Löwenteil der Staatshilfe zurückzahlte. Doch Euro-Schuldenkrise und Griechenland-Drama warfen den Dax-Konzern wieder zurück. Zudem setzten die immer strengeren Vorgaben der Aufseher dem Institut zu.

Es bleibt für den neuen Chef noch eine ganze Menge zu tun. So gelten etwa die Kosten im Vergleich zum Ertrag weiterhin als zu hoch. Auch bei der Rendite wird die Commerzbank ihren Ansprüchen noch nicht gerecht. Und dann ist da auch noch der Aktienkurs. Wenn der Bund ohne Verlust aus seinem Engagement bei der Commerzbank herauskommen will, muss das Papier noch kräftig zulegen.

Zurückhaltender Manager

Martin Zielke ist kein Freund lauter Töne. "Unter dem Radarschirm fliegen war schon immer sein Prinzip"" sagt eine Person, die ihn länger kennt. Zielke wirkt stets etwas ungelenk, Brille und Anzug sehen nicht nach der neuesten Mode aus. Die große Bühne meidet er in aller Regel. Wenn er Botschaften unters Volk bringen will, tut er das gerne im kleinen Kreis bei einem Mittagessen - oder überlässt es gleich ganz seinen Untergebenen. An seiner Ausstrahlung müsse er als Vorstandschef sicher noch arbeiten, sagen Commerzbank-Mitarbeiter. Aber das sei bei Blessing anfangs auch nicht anders gewesen.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass viele Institute seit der Finanzkrise nicht mehr auf charismatische Anführer setzen. "Zum jetzigen Zeitpunkt hat man vielleicht lieber einen spröden Zahlenmenschen", sagt ein Commerzbank-Kenner. Die Deutsche Bank hat mit John Cryan bereits im vergangenen Jahr einen nüchternen Aufräumer installiert. Und auch der neue Allianz -Chef Oliver Bäte tritt nicht auf wie ein großer Leitwolf, sondern eher wie ein akribischer Arbeiter.

cgn/rb (dpa, rtr)