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Wirtschaft

Commerzbank sieht sich in der Spur

Deutschlands zweitgrößtes privates Geldhaus Commerzbank hat die Krise hinter sich gelassen und den Gewinn deutlich gesteigert. Bei der Deutschen Bank hingegen schaut jetzt auch eine Ratingagentur genauer hin.

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Trendwende? Die Bilanz der Commerzbank

Die Commerzbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr vervierfacht: Sie verdiente unter dem Strich 1,06 Milliarden Euro, im Vergleich zu 266 Millionen Euro im Jahr 2014, wie die zweitgrößte Bank Deutschlands am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Die Aktionäre sollen erstmals seit 2008 eine Dividende erhalten, und zwar in Höhe von 20 Cent je Anteilschein. Das Jahr 2015 habe gezeigt, dass die Strategie der Bank richtig sei und die Umsetzung erfolgreich verlaufe, erklärte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Es ist seine letzte Jahresbilanz als Chef des Geldinstituts; Blessing hatte eine Vertragsverlängerung abgelehnt und gibt den Posten Ende Oktober ab.

Blessing war im Mai 2009 an die Spitze des Vorstands gerückt, nachdem die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Commerzbank im Herbst 2008 schwer getroffen hatte. Um durch die Finanzkrise zu kommen, erhielt die Bank damals mehr als 18 Milliarden Euro vom Staat und begann ein striktes Sparprogramm. Tausende Mitarbeiter wurden entlassen. Die Bank erklärte, sie werde ihre Strategie - ein kundenorientiertes Geschäftsmodell - 2016 "konsequent umsetzen". Sie strebe an, ihren Marktanteil weiter zu steigern und die Kosten stabil zu halten. "Aus heutiger Sicht" rechne sie mit einem leicht über dem Vorjahr liegenden Ergebnis. 2016 werde aufgrund des geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds ein "herausforderndes Jahr".

Die deutliche Steigerung des Nettogewinns und die Aussicht auf eine Dividende bei der Commerzbank hat für etwas Beruhigung unter den Anlegern gesorgt. Die Aktien des Geldhauses schossen am Freitag in der Spitze um fast 15 Prozent auf 7,34 Euro in die Höhe und verbuchten damit den größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Jahren. Seit Wochenbeginn waren die Titel im Sog eines insgesamt sehr schwachen Finanzsektors bis Donnerstag um mehr als zwölf Prozent abgerutscht.

Deutsche Bank unter der Lupe

Die Ratingagentur Standard & Poors nimmt die Zahlungsfähigkeit der Deutschen Bank bei ihren nachrangigen Anleihen unter die Lupe. Das Institut habe seine vorhandenen Reserven für die Bedienung dieser Papiere zu Wochenbeginn zwar detailliert aufgeschlüsselt und eigentlich sollten die Mittel 2016 und 2017 reichen, teilte S&P in der Nacht zum Freitag mit. Aber der dafür ausschlaggebende Einzelabschluss nach dem deutschen Bilanzierungsstandard HGB sei sehr eng gefasst. Außerdem gebe es eine große Unsicherheit, inwiefern die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten, der Konzernumbau und das volatile Marktumfeld die Gewinnaussichten von Deutschlands größtem Geldhaus belasteten, erklärten die Experten. Die pünktliche Begleichung der Schulden scheint noch gegeben. Das Geldhaus wollte sich zur Ratingentscheidung nicht äußern. Andere S&P-Ratings der Deutschen Bank sind von der jüngsten Entscheidung unberührt.

Bundesbank-Vorstand gibt sich "entspannt"

Die Deutsche Bundesbank sieht trotz der jüngsten Marktturbulenzen offenbar keinen Anlass zur Sorge um die Stabilität der deutschen Geldhäuser. Das für die Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Andreas Dombret sagte der "Bild"-Zeitung vom Freitag, die Kapitalsituation der deutschen Banken "hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert". Die aktuelle Lage sei "nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar". Dombret fügte hinzu: "Deshalb bin ich heute deutlich entspannter."

Die Aktien der Deutschen Bank und anderer Institute standen in den letzten Tagen im Zentrum heftiger Kursschwankungen an den Börsen. Besonders eklatant fiel das beim deutschen Marktführer aus, die zuletzt mit Milliardenverlusten von sich reden machte. Das Institut hat binnen drei Wochen rund 30 Prozent seines Börsenwertes verloren. Auch aus der Wirtschaft waren zuletzt besorgte Stimmen wegen der Schwäche des deutschen Bankensektors laut geworden. Dagegen hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den jüngsten Kursrutsch bei Bankenaktien für übertrieben, wie er in Brüssel sagte.

hb/ul (afp,dpa,rtr)

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