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"Colonia Dignidad"

"Colonia Dignidad": Drei deutsche Anführer verurteilt

Vor zehn Jahren begannen die Prozesse, jetzt hat in letzter Instanz Chiles Oberster Gerichtshof die Urteile gegen drei Mitglieder der berüchtigten deutschen Sektensiedlung noch einmal verschärft.

Weil sie sich der Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht hätten, erhöhte das Gericht das Strafmaß auf nun fünf Jahre und einen Tag Haft. Zuvor hatte ein Berufungsgericht die drei Deutschen namens Kurt Schnellenkamp, Gerhard Mücke und Karl van den Berg zu je einem Jahr verurteilt.

Ebenso streng verfuhr das Oberste Gericht bei zwei ehemaligen chilenischen Geheimagenten, Fernando Gómez und Pedro Espinoza. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. Rechtsmittel sind nicht möglich, das Urteil ist damit rechtskräftig. Die verurteilten Schnellenkamp und Mücke sitzen bereits wegen Beihilfe zur Vergewaltigung Minderjähriger und sexuellem Missbrauch im Gefängnis der zentralchilenischen Stadt Cauquenes. Van den Berg soll dort ebenfalls seine Haftstrafe antreten. Die beiden ehemaligen Agenten sind ebenfalls bereits in Haft.

Mord, Folter und Missbrauch unter Pinochet

Der Gründer und Anführer der Sekte, Paul Schäfer, war 1961 mit Anhängern seiner "Privaten Socialen Mission" aus Siegburg bei Bonn nach Südamerika ausgewandert. In der heute "Villa Baviera" genannten Anlage kam es damals zu systematischem Kindesmissbrauch. Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte bereits 1966 von "KZ-ähnlichen" Methoden erfahren, wie aus einer Regierungsantwort hervorgeht. Während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet in den 1970er bis 1990er Jahren diente die hermetisch abgeschlossene, 15 000 Hektar große sektenartige Landwirtschaftssiedlung zudem als Folterlager. Es kam zu Ermordungen von Regimegegnern.

Vor zehn Jahren hatte in Chile der Prozess gegen 18 Personen begonnen, sie alle waren der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt worden. Nach Angaben des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile in Berlin waren darunter auch 14 Mitglieder der Sekte "Colonia Dignidad". Sektenführer Schäfer selbst wurde bereits 2006 zu 20 Jahren Haft verurteilt, er starb 2010.  Sechs weitere Angeklagte starben im Laufe der Verhandlungen, drei entzogen sich dem Prozess durch Flucht nach Deutschland, darunter auch Sektenarzt Hartmut Hopp. Er war in Chile bereits wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Derzeit prüft das Landgericht Krefeld, ob das Urteil in Deutschland vollstreckt werden kann.

myk/sc (dpa, epd)