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Kultur

Cocooning in Mainhattan

Die Techno-Ikone der ersten Stunde eröffnet in Frankfurt seinen luxuriösen Cocoon-Club. Obwohl die Feuilletons den Techno tot glauben, soll in einem Ufo eine neue Generation der Clubkultur wachsen.

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Sven Väth mag Biomorphes: In seinem Club wird man das sehen

Eben noch beging man in Berlin die Love Week, nachdem es zur Love Parade nicht kam. Auf Ibiza tanzen Europas Partytouristen durch die Nacht. Und am Wochenende warten in Frankfurt am Main alle auf den Höhepunkt der diesjährigen Techno-Saison. Allerdings dürfen sich nur geladene Gäste auf Sven Väths neuem Club freuen, denn vorerst müssen alle anderen draußen bleiben.

Cocoon Club in Frankfurt Architektur

Im Zentrum des Cocoon-Club: 600 Quadratmeter Tanzfläche

In der Fachwelt spricht man seit Monaten von der großen neuen Pilgerstätte. Die Feuilletons schreiben vom "Walhalla des Wahnsinns" ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung") oder vom "Mausoleum de luxe" ("Süddeutsche Zeitung"). Sven Väth nennt sein Großprojekt Cocoon-Club und errichtet damit seinem mobilen Partykonzept einen festen Tempel.

Gegen alle Befürchtungen

Cocoon Club in Frankfurt

Der Blick aus dem VIP-Bereich auf die Väthsche Kunstwelt

Während die Musikindustrie klagt und die kreativen Impulse aus ganz anderen Richtungen der Unterhaltungsmusik, etwa dem Rock, kommen, baut man in Frankfurt also auf ein altbewährtes Rezept. Großraumdiskos funktionieren immer; zumal an den Reisezielen, die von Europas eifrigen Technojüngern besucht werden. Diese sind durchaus bereit, zur Befriedigung ihres Partybedürfnisses hohe Eintrittspreise in Kauf zu nehmen. Da sind 20 Euro, die der Cocoon-Club an Wochenenden kosten soll, vergleichsweise noch ein Schnäppchen.

"Das ist der erste Riesenclub in diesem Jahrtausend und zu solchen antizyklischen Entscheidungen gehört viel Mut", sagt Hans Nieswandt, ehemaliger Redakteur des Kölner Magazins für populäre Kultur "Spex" und House-DJ, im Gespräch mit DW-WORLD. Antizyklisch ist es, weil viele längst den Niedergang der elektronischen Musik bedauert, andere ihn gefeiert haben. "Ich sehe das als Chance. Vielleicht kommt bei so einem Club eine jüngere Generation nach und entdeckt die elektronische Musik."

Disco-Kind aus Offenbach

Cocoon Club in Frankfurt

15.000 Seidenfäden werden mit großflächigen Projektionen bestrahlt

Der Herr des Hauses ist einer der Stars der Technogeneration. Anfang 2004 noch wurde Väth vom Fachmagazin "Groove" zum beliebtesten deutschen DJ gewählt. 1964 in Offenbach bei Frankfurt am Main geboren, stand er in jungen Jahren bereits in der Diskothek seiner Eltern am Plattenteller. Kaum volljährig legte er im damaligen Szeneclub Dorian Gray auf. Musikalisch bewegte er sich bald von Disco hin zu elektronischeren Klängen und führte mit seinem 1988 gegründeten Club Omen den so genannten Acid in Deutschland ein.

Sven Väths Cocoon-Club

Schuhregal im BedRestaurant Silk

Der Pionier in Sachen Musik setzt jetzt auf das Gesamtkunstwerk. Dies umfasst neben einer 600 Quadratmeter großen Tanzfläche eine biomorphe Membranwand mit eingelassenen VIP-Lounges, zwei Restaurants mit - wie könnte es anders sein - paneuropäischer und panasiatischer Küche, für die der Drei-Sterne-Koch Mario Lohninger eigens aus New York abgeworben wurde. Zum Dinieren deponiert man seine Schuhe in einem durchgestylten Schuhregal. Eine 1-Million-Euro-Anlage macht die "synästhetische Reizkopplung" perfekt. "Das kann man durchaus als Kitsch bezeichnen, im positiven Sinne. Toll die Idee, dass man ganz aus dem Alltag heraus kommt", so Nieswandt, der selbst im Cocoon-Club auflegen wird.

Klasse statt Underground

Club

Liegeflächen mit Aussicht

Es sei logisch, dass Väth den Club in Frankfurt eröffnet. "Frankfurt ist die Diskostadt in Deutschland", meint Nieswandt. Das habe vor allem mit der Präsenz der amerikanischen Besatzer zu tun. Außerdem sei Frankfurt nach wie vor internationale Drehscheibe. "In Frankfurt ist alles weniger politisch als in Berlin. Hier legt man nicht so viel wert auf Underground, auf ein abgeranztes Umfeld."

Dass jetzt alle nach Frankfurt schauen, findet Hans Nieswandt verständlich und er ist überzeugt, dass der Club mit "qualitativ hochwertiger Musik" zumindest am Anfang sehr erfolgreich sein wird. "Ich hoffe, es wird nicht so upperclass-mäßig, aber das würde zu Hessen nicht passen. Interessieren tut mich außerdem, wie es in drei Jahren aussieht", fragt er sich. Wenn dann das Medieninteresse etwas abgeflaut ist, wird sich zeigen, ob man von Moskau, Barcelona oder London mal eben nach Frankfurt jettet, von Stuttgart oder Düsseldorf mit dem Zug in die Mainmetropole fährt, um eine wilde Nacht im Cocoon-Club zu erleben.

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