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Bücher

Clemens Meyer gewinnt Leipziger Buchpreis

In Leipzig ist der "Preis der Leipziger Buchmesse" verliehen worden. Er stellt in der Kategorie Belletristik die deutsche Gegenwartsliteratur in den Mittelpunkt. Die Jury fällte ein kaum überraschendes Urteil.

Clemens Meyer auf der Leipziger Messe (Archiv-Foto)

Clemens Meyer auf der Leipziger Messe (Archiv-Foto)

Der Applaus wollte nicht enden, als Clemens Meyer als Gewinner des "Preises der Leipziger Buchmesse" in der Kategorie "Belletristik" verkündet wurde. Der 30-jährige Leipziger schien nicht wirklich überrascht, aber auf jeden Fall von Freude überwältigt, als er sich bedankte: "Ach Mensch, was soll ich jetzt sagen. Es ist eine große Freude. Ich habe mir eine Menge Worte zurechtgelegt, auch eine Menge Unsinn, den ich hier machen wollte und den ich erzählen wollte. Ich hab heute genug Unsinn gemacht, ich schreib weiter Bücher. Schönen Dank."

Besucher stürmen durch Kassenbereich. Foto: Arno Burgi dpa/lsn +++(c) dpa - Report+++

Auch dieses Jahr herrscht wieder großer Andrang auf dem Leipziger Messegelände

Was das für "Unsinn" war, hat er zwar nicht gesagt, aber im deutschen Literaturbetrieb ist Meyer seit seinem ersten Roman "Als wir träumten" (2006) ohnehin eine etwas exotische Erscheinung. Seit diesem Buch, in dem er Geschichten vom Rand der Gesellschaft erzählt, von Losern und Drogenkids in den verwahrlosten Hochhausvierteln Leipzigs, gilt er als eine Art Chronist der ostdeutschen Bronx. Er selbst lebt in Leipzig und hat, bevor er hier am Literaturinstitut studierte, als Bauarbeiter, Möbelträger und Wachmann gearbeitet. Er kennt also das Milieu sehr genau, über das er schreibt.

"Sprachliche Eleganz"

Über seine neue Erzählungssammlung "Die Nacht, die Lichter", für die er jetzt ausgezeichnet wurde, sagte Jurymitglied Ina Hartwig in ihrer Laudatio: "Ausgezeichnet wird in der Kategorie Belletristik ein Buch, das in bewundernswerter Knappheit und sprachlicher Eleganz menschliche Hoffnungen auslotet und das vor dem Hintergrund ihrer radikalen Unerfüllbarkeit."

Der "Preis der Leipziger Buchmesse", der dieses Jahr zum vierten Mal verliehen wurde, mag zwar nicht so viel "Glamour" haben wie der im Herbst verliehene "Deutsche Buchpreis", ist aber eine wichtige Auszeichnung für die Frühjahrsproduktion der Verlage. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass er in jedem Fall verkaufsfördernd wirkt. Und es werden eben nicht nur belletristische Bücher prämiert, sondern auch Sachbücher und Übersetzungen. Letztere eine überaus wichtige Kategorie, denn erst die Leistung der Übersetzer macht das deutsche Publikum mit internationaler Literatur vertraut. Gewonnen hat in diesem Jahr Fritz Vogelgsang für seine Übertragung eines altkatalanischen Ritterromans. Der Preis bestes Sachbuch ging an Irina Liebmann für die Biografie über ihren Vater Rudolf Herrnstadt, den bekanntesten Pressemann der frühen DDR, eine Art "Citizan Kane" des Sozialismus.

Und noch etwas ist spezifisch für den Leipziger Preis, wie der Juryvorsitzende Ulrich Greiner sagt: "Also es hat sich herausgestellt in der Praxis der letzten Jahre, dass sich unter den nominierten die mittlere Generation versammelt."

Große Themenvielfalt in der Literatur

So gibt der Preis auch Auskunft über den Entwicklungsstand der deutschen Gegenwartsliteratur. Und so kann man sagen, dass Multikulturalität ein Merkmal der deutschen Literatur geworden ist. Allein zwei von fünf Nominierten haben von ihrer Herkunft her noch einen anderen kulturellen Hintergrund als den deutschen: Sherko Fatah, in Berlin geboren, ist irakischer Abstammung, was sich in seiner Literatur ebenso niederschlägt wie Feridun Zaimoglus türkischen Wurzeln in dessen Romanen.

Charakteristisch für die jüngere deutsche Gegenwartsliteratur ist heute auch das breite Themenspektrum. Ob Gewalt im Irak, Mobbing am Arbeitsplatz, die Unfähigkeit der Politik angesichts terroristischer Bedrohung - kaum ein Thema der Gegenwart, das nicht Eingang in einen Roman findet. Abkehr von der Nabelschau und dem Narzissmus, den man der deutschen Literatur gelegentlich vorwarf - eine Tendenz, die der Literaturkritiker Ulrich Greiner grundsätzlich begrüßt. Umgekehrt dürfe daraus aber nicht die Forderung abgeleitet werden, Literatur müsse politisch aktuell sein: "Das ist mir zum ersten Mal in der Dramatik nach der Wiedervereinigung begegnet, als die gerade passiert war und man hinterher fragte, wo bleibt eigentlich der Roman über die Wiedervereinigung. Ich finde, das ist eine falsche Erwartung an Literatur."

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