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Musik

Chupastylee mit Botschaft

Sie nennen sich Chupacabras und machen mit tanzbaren Rhythmen und intelligenten Texten Furore. Von HipHop über Salsa bis Jazz und Rock: Es gibt keine Zutat, die sie noch nicht in ihr musikalisches Gebräu gemixt hätten.

Seit zehn Jahren macht die multikulturelle Band deutsche Bühnen unsicher. Und immer wieder werden die Akteure gefragt: Wie nennt man eure Musik eigentlich? Und weil sie es leid sind, dann mühselig eine Vielzahl unterschiedlichster Richtungen aufzuzählen, haben sie einfach einen Namen dafür erfunden. "Chupastylee" nenne sich das Ganze, klärt der mexikanische Sänger und Gitarrist Josué Avalos auf: "Und wir versuchen jetzt, das zu etablieren. Derzeit sagen die Leute noch:  Chupastylee -was soll das sein? Wir hoffen aber, dass das in ein paar Jahren eine Marke ist."

Blutsauger und Frankensteins Monster

Ein neues musikalisches Phänomen also, und davon leitet sich auch der ungewöhnliche Name der Band ab. Chupacabras heißt wörtlich übersetzt: "Ziegenaussauger". Dahinter verbirgt sich ein stacheliges Fabelwesen mit Vampirzähnen, das in den 1990er Jahren in Lateinamerika für Schlagzeilen sorgte. "Viele meinten, das wäre eine Riesenfledermaus, andere glaubten an Außerirdische oder sagten, das sei ein Projekt der  US-Amerikaner, das außer Kontrolle geraten sei – alle möglichen Verschwörungstheorien", lacht Josué Avalos. Und doch ließen die Leute von Chile bis Mexiko Vorsicht walten: "In meinem Dorf haben sie tatsächlich Kreuze an die Türe gehängt, damit die Chupacabras nicht reinkommen", ergänzt er.

Mit einem Augenzwinkern haben sich die Musiker nach dem ominösen Blutsauger benannt. "Wir  haben uns den Namen ausgesucht, weil man bis jetzt nicht genau weiß, was das für ein Phänomen war", so Avalos. "Bei unserer Musik weiß das auch keiner, da passt das doch."

Die Band Chupacabras vor einem Bus Quelle: Los Chupacabras

Die Erfinder des Chupasytylee

Und um noch einen draufzusetzen, vergleichen die Chupacabras sich auf ihrer Homepage sogar mit Frankensteins Monster: "Wir sind zusammengenäht aus den Resten der sterbenden Kulturen, doch unter unserem Narbengewebe pulsiert die heiße Energie des Lebens", heißt es da. Und die - das wissen zumindest Insider mittlerweile - schlägt im Rhythmus des Chupastylee.

Multikulti mit Rap

Der Mythos vom Chupacabras verbreitete sich in ganz Lateinamerika; einen ähnlich durchschlagenden Erfolg erhoffen sich die Musiker mit dem sagenumwobenen Namen hierzulande. Angefangen hat alles vor zehn Jahren, als der Peruaner Richard Guerra Medina und der Spanier Miguel Igler sich in einer Kölner Schule kennenlernten. Während der täglichen gemeinsamen Fahrten in der Straßenbahn wurde die Idee zu gemeinsamen Rap Sessions geboren.

Schon bald trafen die beiden auf den Mexikaner Josué Avalos, der bereits seit einigen Monaten versuchte, als Sänger und Gitarrist in der Domstadt Fuß zu fassen. Mittlerweile sind die Chupacabras sieben Mann und eine Frau stark - ein multikultureller Haufen aus Latinos und deutschen Musikern, die landauf, landab für Partystimmung sorgen. "Wir machen das, worauf wir Lust haben", betont Josué Avalos. "Bei uns gibt es keine Grenzen."

Und so hat sich die Musik der Band in den letzten Jahren ziemlich verändert. Jeder neue Musiker, der zu den Chupacabras stieß, brachte seine eigenen Vorstellungen von Jazz bis Latino-Folklore mit,  und jetzt gibt es dank der Chilenin Pia Miranda auch eine weibliche Note. "Das einzige Element, was bei uns von Anfang an da war und immer noch weiter präsent ist, ist der Rap, der Sprechgesang", resümiert Josué Avalos.

Die Band Chupacabras. Quelle: Los Chupacabras

Die Chupacabras lieben es unkonventionell

Party und Sprachbarrieren

"Partyfeiern und Spaß an der Musik haben" lautet das Credo der Chupacabras, aber sie haben auch eine Botschaft. "Wir drei Sänger kommen aus dem Ausland, und daher  ist die ganze Thematik rund um Migration wichtig für uns", so Avalos. Immer wieder legen sie mit Liedern wie "Fábulas del Primer al Tercer Mundo"  (Geschichten von der Ersten und Dritten Welt) den Finger in die Wunde. "Vielen Leuten ist nicht präsent, dass es nicht möglich ist, so einen Wohlstand wie hier zu haben, ohne dass andere dafür leiden. Und ich sage es immer wieder: Damit wir hier so billige T-Shirts oder Schuhe haben können, müssen in anderen Ländern Leute für einen Hungerlohn schuften."

Die Muttersprache der drei Chupacabras-Liedtexter ist Spanisch, und obwohl sie schon lange in Köln leben, fließen die Worte dort flüssiger als im Deutschen. Deswegen kommt es zwischen den Musikern und dem Publikum manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten. “Das ist ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt“, meint Avalos. "Wenn man auf Spanisch singt, kann man vergessen, dass eine Halle mit 1000 Leuten die Lieder mitsingt.  Und  dann hat man auch ab und zu das Phänomen, dass man was Unangenehmes anprangert, aber die Leute trotzdem voll am Feiern sind, weil sie den Sinn nicht verstehen."

Deswegen bauen die Musiker immer mal wieder ein deutsches Lied in ihr Repertoire ein.  Zur Zeit basteln sie nach dern Scheiben "Fieras" und "Leyendas Urbanas" fleißig an einem dritten Album und bereiten sich auf ein großes Fest zum zehnjährigen Jubiläum vor. Mit bewährtem globalen Sound made in Cologne. Und dann werden sich wohl –da machen die Chupacabras ihrem Namen alle Ehre - auch blutrünstige Kreaturen der Nacht in ihren Liedern einfinden.

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