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Afrika

Christliches Ramadan-Geschenk in Nigeria

Muslimische Journalisten in Nigeria haben erstmals einen Pastor für interreligiösen Dialog ausgezeichnet. Er hatte Muslime aus Gefängnissen freigekauft, damit sie Ramadan zuhause verbringen können.

Zu Beginn des Ramadan 2013 haben christliche Pastoren unter Führung von Yohanna Buro muslimische Gefangene aus dem Zentralgefängnis des nigerianischen Bundesstaats Kaduna freigekauft, damit sie den heiligen Monat bei ihren Familien verbringen können. Foto: DW

Nigeria - Christlich-muslimischer Dialog Ramadan

Die nigerianische Großstadt Kaduna, rund zwei Autostunden nördlich der Hauptstadt Abuja gelegen, galt vor zehn Jahren als Synonym für die Gewalt zwischen Christen und Muslimen. Damals starben Tausende, weil beide Religionsgemeinschaften um Einfluss und Macht in dem gleichnamigen Bundesstaat kämpften. Seitdem hat sich viel verändert. Die meisten Christen sind in christliche Stadtteile gezogen, die Muslime in muslimische. Die Menschen üben sich in Zurückhaltung. Selbst die Versuche der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram, mit Anschlägen auf Kirchen die Bevölkerung aufeinander zu hetzen, sind in Kaduna gescheitert. Viele christlich-muslimische Initiativen stehen für den Wunsch nach Frieden.

Dass aber eine christliche Kirche im Alleingang – und dazu noch zu dem bedeutenden Ramadan-Fest – ein solches Zeichen setzt wie Pastor Yohanna Buro, sorgte für Überraschung unter den muslimischen Bewohnern der Stadt. Gemeinsam mit Mitarbeitern seiner evangelikalen Freikirche hatte der Pastor 30 muslimische Männer und Frauen aus Gefängnissen in der nordnigerianischen Stadt Kaduna befreit, damit sie in diesem heiligen Monat der Muslime zu Hause mit ihren Familien fasten können. Die Gefangenen hatten zum Teil viele Jahre in Haft verbracht, weil sie Geldstrafen oder Kautionen nicht bezahlen konnten. Diese Gelder haben nun die christlichen Helfer bezahlt und auch die Reise nach Hause.

"Fasten dient dem Frieden"

Pastor Yohanna Buro vor Mikrophonen Foto: DW

Ein Held für Kaduna: Pastor Yohanna Buro

"Das Fasten im Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam. Deshalb ist es uns Christen eine Freude, allen Muslimen zu helfen, die in diesem Fastenmonat in Not sind", sagte Pastor Buro im Gespräch mit der Deutschen Welle. Buro und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass Beten und Fasten dem Frieden dienen. "Es geht darum, dass wir unsere religiösen Pflichten verrichten, so wie sie vorgeschrieben sind, sei es nun im Koran oder in der Bibel."

Sheikh Salihu Mai Barota, einer der Führer der Muslime in Kaduna, kam, um mit den freigelassenen Muslimen zu reden. "Das, was Pastor Yohanna Buro gemacht hat, sollte uns allen ein Vorbild sein, vor allem den Religionsführern, den Regierenden und denen, die im Radio predigen und von friedlichem Zusammenleben reden", sagt Sheikh Salihu. Es hätten sich alle gewundert, dass es ausgerechnet ein christlicher Priester ist, der Muslime freikauft.

Die Muslimische Medien-Organisation in Kaduna rief am Sonntag (21.7.2013) Vertreter aller wichtigen muslimischen Organisationen zusammen, um Pastor Buro für sein Engagement mit einem Preis auszuzeichnen. Der oberste islamische Richter des Bundesstaats übergab die Auszeichnung persönlich.

Schlechte Bedingungen in Gefängnissen

Aber nicht nur im interreligiösen Dialog hat Yohanna Buro ein Zeichen gesetzt. Die Freikauf-Aktion wirft auch ein Schlaglicht auf die schlimmen Zustände in nigerianischen Gefängnissen. Maryam Abubakar, die Vorsitzende der Frauenorganisation für Frieden und Verständigung zwischen Muslimen und Christen, wünscht sich viele Nachahmer der Aktion: "Es macht mich sehr traurig zu sehen, unter welchen Umständen die Gefangenen hier leben müssen. Daher rufe ich alle auf - Christen und Muslime -, den Gefangenen zu helfen, soweit es ihnen möglich ist."

So berichtete einer der muslimischen Gefangenen nach seiner Freilassung, dass er eine Geldstraße von umgerechnet 50 Euro im Gefängnis absitzen sollte. "Ich habe eine Ziege überfahren und die Strafe war auf einen Monat festgesetzt. Aber einmal drinnen, musste ich dann 240 Tage bleiben und sie sind hier überhaupt nicht menschlich in ihrer Art, wie sie uns behandeln." Ein anderer sagte der Deutschen Welle nach der Freilassung: "Ich wünsche keinem hier zu sein, auch meinen Feinden nicht."

Selbst die Gefängniswärter in Kaduna scheinen das ähnlich zu sehen. Sie appellierten anlässlich der Aktion von Pastor Yohanna Buri an Wohlhabende, die Regierung und Nichtregierungsorganisationen, das Leiden der Gefängnisinsassen in Nigeria zu lindern - mit Kleidung, Lebensmitteln oder Seife.

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