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Kultur

Chinesischer Verlag zensiert Clinton-Biografie

Über Hillary Clinton haben die Chinesen nur die halbe Wahrheit erfahren: Der Verlag, der die chinesischen Rechte an der Biografie hält, hat einige kritische Abschnitte aus dem Leben der Ex-First-Lady gestrichen.

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Hillary Clintons Werk können Chinesen nur gefiltert lesen

Für 20.000 US-Dollar hat der Yilin-Verlag in China die Exklusiv-Rechte an der chinesischen Übersetzung der Biografie von Hillary Clinton gekauft. Nun ist die US-amerikanische Politikerin und Ex-First-Lady "schockiert": Der chinesische Verlag soll insgesamt zehn china-kritische Abschnitte aus dem Buch gestrichen haben. Das offenbart der Inhaber der US-Rechte, der Verlag Simon & Schuster.

Neugierig auf Monica

"Living History" heißt Hillary Clintons Buch

Buchcover Hillary Clinton Gelebte Geschichte

Das Cover von Hillary Clintons Buch "Gelebte Geschichte"

, das Anfang Juni 2003 in den amerikanischen Buchläden zum Bestseller wurde. Gleich am ersten Tag wurden in der Buchhandlung Barnes & Noble in Manhattan 40.000 Exemplare verkauft. "Gelebte Geschichte" hielt sich lange Zeit auf dem ersten Platz der Bestseller-Charts in den USA.

In dem Buch äußert Hillary Clinton Mitleid mit der weltbekannten Praktikantin Monica Lewinski, die nach eigenen Angaben eine Affäre mit Ex-Präsident Bill Clinton hatte. Hillary fühlte sich von ihrem Mann betrogen; die beiden hatten getrennte Betten.Solche privaten Details sollten auch die Chinesen erfahren, die schadenfroh auf die Veröffentlichung der Biografie warten. Der Yilin-Verlag griff zu.

Menschenrechts-Kritik dezent gestrichen

20.000 Dollar zahlte der in der südchinesischen Stadt Nanjing beheimatete Verlag – einen für chinesische Verhältnisse außergewöhnlichen Betrag. Nun ist das Buch nach der Übersetzung für 29,80 Yuan (umgerechnet 3,20 Euro) zu haben. Allerdings mit einigen Abschnitten weniger als die Originalversion. Der Rechte-Inhaber Simon & Schuster in New York veröffentlicht im Internet die Stellen, die angeblich zensiert wurden.

Darunter ist unter anderem ein Abschnitt, in dem Frau Clinton die Menschenrechtsverletzungen in China kritisiert. "Es herrschte eine weit verbreitete Kritik – die ich teile - an der Menschenrechtssituation in China und an der barbarischen Art, wie die schwangeren Frauen zum Abtreiben gezwungen wurden, um die ‚Ein-Kind-Politik‘ durchzusetzen." – dieser Abschnitt, normalerweise auf Seite 299, fiel heraus.

Sympathie ist nicht gewollt

Ein weiteres Beispiel ist die Passage über den chinesischen Dissidenten Wu Hongda, der in den USA Zuflucht gefunden hatte. 1995 schrieb die Frau von Wu Hongda an Hillary Clinton, kurz vor dem Welt-Frauen-Kongress in Peking. Genau um diese Zeit wurde der Menschenrechtler Wu bei der Einreise von der chinesischen Polizei verhaftet.

Welche Gedanken der damaligen First Lady durch den Kopf gingen, eigentlich geschildert auf Seite 300, bleibt den Chinesen ebenfalls vorenthalten. Dort heißt es: "Der Brief von Wus Frau hatte mich zum Nachdenken gebracht. Sie sorgte sich natürlich um ihren Mann und war der Ansicht, dass die Entschlossenheit der US-Regierung, Wus Freilassung zu fordern, durch meine Teilnahme an dem Kongress von der Pekinger Regierung in Frage gestellt werde."

Die Zensur dieser Inhalte hat die Senatorin "schockiert". In einem Interview mit der New York Times sagte die US-Politikerin: "Sie haben mein Buch zensiert, genauso, wie sie mich zu zensieren versuchten."

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