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Afrika

Chinas Medienoffensive in Afrika

China betreibt in Afrika eine offensive Medienpolitik. Neben einem Radiosender, einer Nachrichtenagentur und einem TV-Kanal gibt Peking jetzt auch eine eigene Zeitung heraus - die aber nur Positives berichtet.

45 Milliarden Dollar - so viel investierte China in Afrika allein im ersten Halbjahr 2012. Damit hat sich der chinesisch-afrikanische Handel in den letzten drei Jahren verdreifacht. Nun versucht das Land, sich auch in der afrikanischen Medienlandschaft einen Namen zu machen. Die Chinesen investieren in moderne Technologien, vergeben Stipendien für China-Aufenthalte an afrikanische Journalisten und platzieren eigene Medien auf dem Kontinent. Für Buchautorin und BBC-Afrikaexpertin Mary Harper ist Chinas wachsendes Medienengagement eine logische Entwicklung: "China hat in den letzten Jahren Afrikas enorme Ressourcenvielfalt entdeckt und ist sein größter Handelspartner geworden. Der Westen wurde abgelöst." Und das strebe China jetzt auch im afrikanischen Medienbereich an.

Breite Offensive

Anfang 2012 hat China den englischsprachigen Fernsehkanal "CCTV Africa" in Betrieb genommen. Neben Magazinen, Talkshows und Dokumentationen produziert man dort für Handybenutzer ein Internet TV Magazin. Und bald sollen einhundert neue chinesische Afrika-Korrespondenten eingestellt werden. Außerdem bietet die Nachrichtenagentur Xinhua zusammen mit einem kenianischen Mobilfunkunternehmen den ersten mobilen Nachrichtendienst für Subsahara-Afrika an. Warum das starke Engagement? "Weil China sich aus rein wirtschaftlichem Kalkül in Afrika engagiert, erntet das Land negative Schlagzeilen aus dem Westen. China will aber den Afrikanern seine Version der Geschichte erzählen", so Harper.

"Wir berichten nicht über Negatives"

Screenshot der Internetseite CCTV Afrika vom 03.01.2013. Link: http://cctv.cntv.cn/lm/africalive/01/index.shtml

Internetseite von CCTV Afrika

Auch im Printbereich möchte China den Westen herausfordern. Seit Dezember 2012 wird in Kenias Hauptstadt Nairobi die Wochenzeitung "China Daily - Africa Weekly" herausgegeben. Nairobi ist der mediale Knotenpunkt Ostafrikas, dort haben inzwischen die chinesischen Sender ihre Büros. Darunter der staatliche Auslandsrundfunk China Radio International, der Sendungen in mehr als 50 Fremdsprachen ausstrahlt. Seit sieben Jahren sind Chinas Sender nun in Kenia, so ein kenianischer Journalist, der dort arbeitet. Er möchte anonym bleiben, weil Interviews mit westlichen Medien nicht gerne gesehen werden.

"Wir schreiben auf Englisch und übersetzen es dann in Suaheli. Aber wir senden nicht live aus Nairobi, sondern schicken alles zu unserer Zentrale nach Peking. Von dort werden dann unsere Geschichten gesendet." Außerdem müssten alle Mitarbeiter regelmäßig nach Peking reisen und Schulungen besuchen, um die Arbeitsweise der Chinesen kennenzulernen, berichtet der Journalist gegenüber der Deutschen Welle.

Dass die Sendungen von Peking zensiert würden, sei für ihn nicht immer leicht. "Wir berichten nicht über negative Dinge. Aber als Journalist muss man auch über Dinge berichten, die nicht so gut laufen und die Realität zeigen, wie sie wirklich ist." Die positiven Seiten Afrikas würden bewusst in den Vordergrund gestellt, um sich bei den afrikanischen Hörern und Zuschauern beliebt zu machen, erklärt er weiter.

Scherenschnitt von Kameralmännern (Foto: Fotolia)

Aufnahme in Kenia, Sendung aus Peking

Medienexpertin Mary Harper sieht das nicht so kritisch. Eine negative Berichterstattung hätten die westlichen Medien lang genug geführt. Deswegen fände sie es gut, dass die chinesische Konkurrenz frischen Wind in den afrikanischen Medienmarkt bringe. "Ich glaube, in Zukunft werden noch mehr internationale Medien nach Afrika gehen. Es ist nicht schlecht, wenn die afrikanische Medienlandschaft noch vielfältiger wird. Aber keiner sollte sie dominieren."

Allerdings hat die verstärkte Präsenz Chinas auch Schattenseiten. In Äthiopien halfen die Chinesen beispielsweise bei der Finanzierung eines Überwachungssystems. Seitdem werden oppositionelle Medien regelmäßig abgeschaltet und regimekritische Journalisten landen häufiger im Gefängnis. Eine Vorgehensweise, die in Peking zum Alltag gehört.

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