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Asien

"China auf koreanischer Halbinsel gescheitert"

Gegen den Widerstand Chinas haben die USA mit der Stationierung ihres Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea begonnen. Dafür sei Chinas gescheiterte Außenpolitik mitverantwortlich, sagt Wang Jiangyu gegenüber der DW.

Deutsche Welle: Die USA und Südkorea wollen mit dem Abwehrsystem ihre gemeinsame Abwehr der nordkoreanischen Raketenbedrohung stärken. Aber auch Chinas sieht seine Sicherheitsinteressen durch die Stationierung berührt. Was bedeutet die Stationierung für die Sicherheitslage in Ostasien?

Zhang Jiangyu: Der Beginn der Stationierung des Raketenabwehrschirms zeigt, dass in Asien eine feindselige Konfrontation zwischen China auf der einen und Südkorea und den USA auf der anderen Seite aufgetreten ist - wie im Kalten Krieg. Das THAAD-Abwehrsystem stellt faktisch eine Gefahr für die Sicherheit Chinas dar. Es sendet die Botschaft aus, dass Südkorea ist sicherheitspolitisch Verbündeter der USA ohne Rücksicht auf Chinas Interessen ist.

Den Standort für das Raketenabwehrsystem hat der südkoreanisch-japanische Konzern Lotte zur Verfügung gestellt. Nach Medienberichten wurden in China mehr als zehn Lotte-Supermärkte geschlossen, mit unterschiedlichsten Begründungen. Rächt sich China jetzt an Südkorea?

 China Boykott wegen THAAD-Raketensystem: China geht massiv gegen südkoreanischen Lotte-Konzern (picture alliance/dpa/Imaginechina/X. Congjun)

Nach Medienberichten seien zehn Lotte-Supermärkte in China geschlossen worden

Nach dem Baubeginn von THAAD hat China keinerlei Verhandlungsspielraum mehr mit Südkorea. Für Vergeltung hätte China eine Vielzahl an Instrumenten, wie zum Beispiel Rückbeorderung seines Botschafters oder die Stationierung von Raketen im Grenzgebiet zum THAAD-Standort. Das wäre dann eine militärische Konfrontation.

Oder China könnte Nordkorea militärisch aufrüsten. Dazu wären nicht mal die Trägerraketen notwendig, um Südkorea zu gefährden. Einfache Raketenwerfer oder Artillerie würden reichen. Nun kommt es auf die Absichten Pekings an.

China betrachtet Nordkorea nach den Raketen- und Atomtests auch mit großem Misstrauen...

Wir beobachten nun einige vielleicht doch nicht so böse gemeinte Sanktionsmaßnahmen gegen Nordkorea. Das zeigt, dass die Führung in Peking im Moment nicht fest entschieden hat, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Das Verhältnis zwischen China und Nordkorea ist geheimnisvoll, vielleicht das geheimnisvollste der Welt.

Infografik Chronologie des nordkroeanischen Atom- und Raketenprogramms Deutsch

Ist China ratlos?

Ja. Das sehen wir an der Eskalation in dieser Woche. Das THAAD-System wird in Südkorea errichtet. Und das Nordkorea hat weitere Raketentests durchgeführt. Die chinesische Außenpolitik in Bezug auf die koreanische Halbinsel hat total versagt, politisch und moralisch.

Warum gerade jetzt?

Die USA wollen möglicherweise die Regierungskrise in Südkorea nutzen und die Stationierung unwiderruflich machen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die Sicherheitslage in Ostasien dramatisch verschlechtert.

China könnte die Position einer aufsteigenden regionalen Macht nutzen, die Probleme auf der Halbinsel gründlich aufzuarbeiten und zu beseitigen. Als engster Verbündeter steht China weder hundertprozentig hinter den internationalen Maßnahmen gegen Nordkorea, noch sucht China aktiv nach konstruktiven Wegen, um auf Nordkorea einzuwirken. Es wirkt ideenlos.

Das beunruhigt Südkorea. Seoul sieht in China keinen zuverlässigen Partner. Deswegen setzt es alles auf die USA, was nun zur Stationierung der Raketenabwehr führt. Das ist schlecht für China, aber selbstverschuldet.

Kann China wirklich auf Nordkorea einwirken?

Da sprechen wir von zwei getrennten Dingen: den Fähigkeiten und dem politischen Willen. Wirtschaftlich ist Nordkorea komplett von China abhängig. Natürlich ist China in der Lage, vieles in Pjöngjang zu bewirken, hat aber keine langfristige Strategie. Auf der einen Seite wird die Regierung in Pjöngjang künstlich am Leben erhalten, auf der anderen Seite werden sämtliche Provokationen Nordkoreas von Peking geduldet.

Wang Jiangyu ist Juniorprofessor an der National University of Singapore (NSU). Er ist stellvertretender Direktor vom Institut der Rechtswissenschaften an der NUS.

Das Interview führt Yang Ying.

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