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Wirtschaft

Castor-Behälter haben Konjunktur

Bei der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) ist viel zu tun. Nach der Energiewende hat sich der Bedarf an Castoren für die Zwischenlagerung von Brennelementen fast verdoppelt. GNS - ein "Hidden Champion".

Behälterfertigung in Mülheim (Foto: GNS)

Castorbehälter der Firma GNS

Seit dem deutschen Beschluss, aus der Kernenergie auszusteigen, gibt es für die GNS, die Gesellschaft für Nuklear-Service mit Sitz in Essen, reichlich zu tun. Zwei Atomkraftwerke sind bereits abgeschaltet worden und deren Brennstäbe müssen in Castoren zwischengelagert werden. In ein paar Jahren folgen die nächsten Atomkraftwerke. Solange aber noch keine Entscheidung über ein Endlager gefallen ist, benötigen die Betreiber der Kernkraftwerke Castor-Behälter für die Zwischenlagerung der abgebrannten Brennelemente.

"In der Vergangenheit waren das circa 40 bis 50 Castoren pro Jahr, ausgelegt auf den Betrieb von 17 Reaktorblöcken", sagt Hannes Wimmer, Vorsitzender der GNS-Geschäftsführung. Inzwischen sind es 80 pro Jahr.

In Deutschland sind Castoren Symbole für den jahrelangen Kampf zwischen Staat und Anti-Atomkraft-Bewegung. Immer wieder versuchten Demonstranten, Castortransporte zu vereiteln, indem sie Bahngleise blockierten oder sich an die Schienen ketteten.

GNS ist ein gemeinsames Tochterunternehmen der vier Energieversorger, die in Deutschland Kernkraftwerke betreiben, und ist für die Entsorgung zuständig. Dazu gehört die Her- und Bereitstellung der Castor-Behälter, die in Mülheim an der Ruhr endmontiert werden.

Castorbehälter der Firma GNS (Foto: GNS)

Die Nachfrage nach Castoren wächst

Endmontage in der Manufaktur

An Laufschienen unter der Decke einer über 200 Meter langen Halle transportiert ein Kran die fast 100 Tonnen schweren Rohlinge zu ihrer Position in einer Montagegrube. Der lackierte Gussstahlbehälter misst fünf Meter in der Höhe und fast zweieinhalb Meter in der Breite. Mit der Assemblierung, also dem Zusammenbau, sind in Mülheim 30 Mitarbeiter beschäftigt, wie Michael Köbl beim Rundgang durch die weitläufige Halle erläutert.

Dazu gehört auch der Einbau der drei Deckelsysteme aus Edelstahl, die jeweils mehrere Tonnen pro Stück wiegen. "Die eigentliche Assemblierung dauert drei Monate", beschreibt Michael Köbl den Arbeitsablauf. Aufgrund der hohen sicherheitstechnischen Anforderungen lassen sich Castoren nicht wie am Fließband produzieren. Bis zur endgültigen Fertigstellung vergehen nach den Worten von Hannes Wimmer bis zu 30 Monate. "Da steckt sehr viel Fertigungsarbeit drin. Und Qualitätssicherung. 50 Prozent ist Fertigung, 50 Prozent der Zeit geht drauf für die Qualitätssicherung."

Stückpreis: zwei Millionen Euro

Als Zwischenlagerbehälter müssen die Castoren wenigstens 40 Jahre dichthalten. Die Kosten für einen dieser strahlungssicheren Behälter belaufen sich auf etwas mehr als zwei Millionen Euro. Aufgrund der noch immer nicht gelösten Frage nach einem Endlager denkt man bei der Auslegung dieser Castoren inzwischen auch über diese bislang magische Grenze von 40 Jahren hinaus. Bei der Endmontage in Mülheim kommt es entscheidend darauf an, dass jeder Handgriff präzise sitzt. Von den Ausmaßen der Halle und der Bauteile, merkt Michael Köbl an, dürfe man sich nicht irritieren lassen. "Denn eigentlich ist das hier eine Manufaktur. Hier wird komplett von Hand gearbeitet."

Castorbehälter der Firma GNS (Foto: GNS)

Beladene Behälter im Zwischenlager Gorleben

Zum Beispiel beim Einsetzen von 48 Schrauben in den Primärdeckel. Eine Schraube mit einem Durchmesser von mehreren Zentimetern, die an eine überdimensionale Metallhantel für Bodybuilder erinnert. Diese Schrauben in die Bohrungen einzufügen und festzudrehen, das lässt sich mit reiner Muskelkraft kaum bewältigen, sagt Monteur Bernhard Drönner. Auf der Montageplattform greift er darum zu einem pneumatischen Drehmomentschlüssel. Ein Gerät, wie es auch die Monteure in der Formel 1 bei einem Reifenwechsel für die Rennwagen benutzen, nur um einiges leistungsfähiger - und zwar für Drehmomente bis zu 2600 Newtonmeter.

Internationaler Markt im Visier

Nur einer von vielen Arbeitsschritten, bevor der in Mülheim montierte Castor zur Auslieferung für die Aufnahme von Brennelementen an den Reaktorstandorten bereit ist. Sowohl für Brennelemente aus Siedewasser- als auch aus Druckwasserreaktoren. In den ersten passen 52, in den zweiten 19 Brennelemente. Der Grund, so Michael Köbl, ergebe sich aus den unterschiedlichen Größen. Verpackt aber werden sie nach dem gleichen Muster. "Um die Brennelemente aufzunehmen, kommt dann hier noch der sogenannte Tragkorb rein. Das ist so was Ähnliches wie eine runde Bierkiste, die dann die Brennelemente aufnimmt, dass die stabil gelagert sind und nicht aneinanderstoßen."

Castorbehälter der Firma GNS (Foto: GNS)

Die Castoren müssen mindestens 40 Jahre dichthalten

Insgesamt beschäftigt die GNS 670 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. In den kommenden 15 Jahren wird die GSN pro Jahr 80 Castor-Behälter ausliefern - zwar geht in neun Jahren das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz, die Brennstäbe können dann noch weitere fünf Jahre im Abklingbecken verbringen. Aber auch danach rechnet sich Geschäftsführer Wimmer weiter einträgliche Chancen für den Absatz von wenigstens 25 Castoren pro Jahr aus. Und zwar auf dem internationalen Markt. Denn "in anderen Ländern laufen ja derzeit Neubauvorhaben oder auch Laufzeitverlängerungen, so dass wir für unsere Produkte in Japan, in Korea, in anderen europäischen Ländern und auch in den USA sehr wohl Chancen sehen, diese zu verkaufen". Schon heute versorgt die GNS Kernkraftwerks-Betreiber in Tschechien sowie mit Einzelverträgen auch in Litauen, Bulgarien und der Schweiz.

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