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Politik

Bush bittet um Geduld bei Irak-Einsatz

Angesichts wachsender Kritik und schlechter Umfragewerte hat US-Präsident Bush seinen Kurs in der Irak-Politik verteidigt. Einen konkreten Zeitplan für den Abzug der US-Soldaten aus dem Irak lehnte er ab.

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George W. Bush: Der Sieg ist unser

Bush sprach am Mittwoch (30.11.2005) vor Rekruten der Marine-Akademie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland. Seine Botschaft richtete sich nicht nur an die Militärangehörigen, sondern an die gesamte amerikanische Nation, in der die Beunruhigung über die Kriegsdauer im Irak wächst. Bush weigerte sich jedoch erneut, eine Frist zu nennen, in der die knapp 160.000 US-Truppen den Irak verlassen könnten. Sie käme einer Kapitulation vor den Terroristen gleich. "Amerika wird nicht vor Autobombern und Attentätern fliehen, so lange ich oberster Befehlshaber bin", versprach er. Bush richtete seine Landsleute auf eine längere Dauer des Krieges ein und bat sie angesichts von Fortschritten um Geduld und Vertrauen.

Schüler der Marineakademie warten auf George W. Bush

Die Rekruten der Marineakademie mussten lange auf den Präsidenten warten und schliefen ein.

Die Erfolgsstrategie liege in der verbesserten Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte. "Mit der wachsenden Erfahrung der irakischen Streit- und Polizeikräfte und den Fortschritten bei der Demokratisierung des Landes werden wir unsere eigene Truppenstärke vor Ort reduzieren können, ohne den Terroristen in die Hände zu spielen. Aber diese Entscheidung wird von den Bedingungen im Irak bestimmt und hängt von der Entscheidung unserer Generäle ab, nicht von künstlichen Zeitrastern irgendwelcher Politiker in Washington", betonte der US-Präsident.

Amerikaner sollen Strategiepapier lesen

Parallel zur Bushrede veröffentlichte sein nationaler Sicherheitsrat ein 38-Seiten starkes Dokument mit dem Titel "Unsere Strategie für einen Sieg im Irak". Bush empfahl seinen Landsleuten dieses Papier zur Lektüre. Darin wir ein politischer, militärischer und wirtschaftlicher Weg zum Erfolg skizziert. Militärisch müssten die Terroristen besiegt und die Anhänger von Saddam und Gegner des neuen Iraks "neutralisiert" werden. Die internationale Staatengemeinschaft müsse für eine stärkere wirtschaftliche Aufbauhilfe im Irak gewonnen werden, heißt es in dem Dokument.

Irak irakische Soldaten küssen die Nationalflagge Übergabe einer Militärbase

Vereidigung irakischer Soldaten

Zentrales Element sei jedoch das verbesserte Training des Irakischen Militärs, das nach anfänglichen Fehlschlägen inzwischen gute Fortschritte mache, so Bush in seiner Rede: "Während wir die Terroristen bekämpfen, bilden wir fähige und schlagkräftige irakische Sicherheitskräfte aus, damit sie den Kampf übernehmen und langfristig die Verantwortung für die Sicherheit im Lande übernehmen können – ohne größere Unterstützung aus dem Ausland."

Kommt Zeit, kommt der Erfolg

Anders als noch vor einem Jahr, als nur wenige Einheiten der neuen irakischen Armee einsatzfähig gewesen seien, seien inzwischen mehr als 40 Bataillone mit jeweils 350 bis 800 Soldaten weitgehend eigenständig im Kampf gegen die Terroristen aktiv, sagte Bush. Der Erfolg im Irak werde mit der Zeit kommen. Bush versprach erneut, dass es unter seiner Führung keinen vorzeitigen Rückzug geben werde.

Die USA waren im März 2003 im Irak einmarschiert. Im April darauf war das alte Regime Saddam Husseins zusammengebrochen. Seitdem haben bei der anhaltenden Gewalt im Irak mehr als 2100 US-Soldaten ihr Leben verloren. Im Vorfeld der für Dezember 2005 geplanten Wahlen hat die US-Armee die Zahl ihrer Soldaten im Irak auf gegenwärtig 158.000 erhöht. In jüngsten Umfragen hatten sich jedoch nur noch 35 Prozent der US-Bürger zufrieden über den Verlauf des Kriegs geäußert.

Vorwurf der Propaganda

Das US-Militär platziert nach Informationen der "Los Angeles Times" angeblich heimlich schön gefärbte Berichte über die Lage im Irak in dortigen Zeitungen. Wie das Blatt am Mittwoch meldete, werden die Beiträge von einer speziellen Gruppe von US-Soldaten selbst verfasst und die irakischen Medien zum Teil für die Veröffentlichung bezahlt. Häufig wüssten die Zeitungen aber nicht, wie die Artikel zu Stande kamen.

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