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Afrika

Burundi: Flucht aus Todesangst

Gegner von Präsident Nkurunziza leben in Burundi gefährlich. Mehr als 250.000 Burundier sind bereits vor der Gewalt aus ihrer Heimat geflohen. Die Machthaber streiten jede Verantwortung ab. Die DW sprach mit Opfern.

Die 25-jährige Yasine hatte in Belgien, fern ihrer Heimat Burundi, gegen die dritte Amtszeit von Präsident Pierre Nkurunziza demonstriert. Den burundischen Sicherheitskräften war das nicht entgangen: Zurück in Burundi wurde Yasine massiv bedroht. Sicherheitskräfte hätten sie bei ihrer Familie gesucht, erzählt die Studentin im Gespräch mit der DW. "Meine Eltern wurden bedroht und festgehalten. Am selben Tag wurden unsere Hausangestellten umgebracht."

An dem Morgen, als Yasine aus ihrem Stadtteil fliehen konnte, lagen Leichen auf den Straßen des Viertels. "Ich habe Leute gesehen, die gezielt erschossen wurden. Das waren geplante Morde", sagt Yasine. Sie konnte nach Belgien fliehen, aber die Angst lässt Yasine nicht los. "Mich haben sie in Burundi nicht gekriegt, aber sie werden sich wieder an meine Eltern wenden."

Ständige Angst vor Ermordung

Auch Eglée musste Burundi verlassen. Sie war in Burundis Hauptstadt Bujumbura auf die Straße gegangen, nachdem bekannt wurde, dass sich Nkurunziza entgegen der Verfassung ein weiteres Mal zur Wahl stellen wollte. Auch für sie hatte ihr Protest fatale Folgen: "Ich wurde bedroht", erzählt Eglée. "Sie haben mich bis zu meinem Arbeitsplatz verfolgt, weil sie mich umbringen wollten." Ihre Kinder konnten nicht mehr zur Schule gehen, weil das zu gefährlich gewesen wäre. Eglée sorgte sich um ihre Familie, um ihren Mann. "Mit dieser ständigen Angst vor dem Tod ist die Situation unerträglich geworden", sagt sie. Schließlich habe sie beschlossen, ihre Heimat zu verlassen. "Wir mussten woanders hingehen, um in Frieden leben zu können."

Proteste gegen Burundis Präsident Pierre Nkurunziza in Brüssel Foto: picture-alliance/dpa/O. Hoslet

Proteste gegen Nkurunziza in Belgien

Zum zweiten Mal lebt sie nun als Flüchtling in Deutschland. Das erste Mal musste sie 1995 fliehen. Erst 2005 konnte sie zurückkehren, als der Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit schätzungsweise 300.000 Toten zu Ende ging. Jetzt warnen die UN-Experten vor einem neuen Völkermord.

Der junge Regierungsgegner Isidore lebt inzwischen in Burundis Nachbarland Tansania. Sein Haus wurde mit einer Rakete angegriffen. Isidore überlebte nur, weil er nachts in einer Diskothek arbeitete. Seine Eltern und seine fünf Schwestern starben bei dem Angriff. Nachbarn riefen ihn an, um ihm zu sagen, dass seine gesamte Familie gerade umgebracht worden sei. "Als ich zuhause ankam, war das der Horror: Ich habe die Leichen meiner Eltern und meiner Schwestern gefunden."

UN-Bericht belegt systematische Hinrichtungen

Die Augenzeugenberichte bestätigen, was die Vereinten Nationen bei ihren Recherchen herausgefunden haben. Am kommenden Dienstag (27.09.2016) stellen UN-Experten den ausführlichen Bericht zur Menschenrechtslage in Burundi im UN-Menschenrechtsrat vor.

Burundische Flüchtlinge in Tansania Foto: DW

Zu Tausenden flohen die Burundier ins benachbarte Tansania

Die wichtigsten Ergebnisse der 14-monatigen Untersuchung haben die UN bereits bekanntgegeben: So stellten die Experten 564 Hinrichtungen seit April 2015 fest. Damals gab Präsident Pierre Nkurunziza bekannt, dass er für eine dritte Amtszeit kandidieren werde´, und löste damit eine breite Protestwelle aus. Seitdem nimmt die Gewalt in dem kleinen zentralafrikanischen Land kein Ende.

"Die weitverbreiteten und systematischen Gewaltmuster deuten klar darauf hin, dass sie das Resultat bewusster Entscheidungen sind", heißt es in dem UN-Bericht. "Es liegt in der Macht der Regierung, sie zu stoppen."

Zénon Nimubona, Chef der Oppositionspartei PARENA, fordert die Regierung auf, zu den Vorwürfen des Berichts detailliert Stellung zu nehmen: "Die Regierung sieht sich als Garant für die Wahrung der Menschenrechte. Sie streitet aber alles, was gegen sie vorgebracht wird, sofort ab. Das überrascht ein bisschen." Denn gleichzeitig könne die Regierung keine Gegenbeweise zu den Vorwürfen liefern.

Vereidigung von Burundis Präsident Nkurunziza Foto: REUTERS/Evrard Ngendakumana

Präsident Nkurunziza bei seiner Vereidigung zur dritten Amtszeit

40 Seiten Widerspruch

Burundis Menschenrechtsminister, Martin Nivyabandi, sieht das ganz anders: Der Bericht sei politisch motiviert und kein objektiver Sachbericht, schimpft er. Burundi sei zwar kein Paradies ohne Menschenrechtsverletzungen, gibt er zu, aber die Täter hätten nichts mit der Regierung zu tun. Im Gegenteil: "Die Regierung verurteilt mit aller Kraft die Verantwortlichen für die Morde, deren Opfer in den Flüssen gefunden werden." Die Untersuchungen liefen und die Schuldigen würden hart bestraft, versichert der Minister im DW-Interview.

Die burundische Regierung unter Pierre Nkurunziza reichte einen 40-seitigen Widerspruch gegen den UN-Bericht ein. Regierungssprecher Willy Nyamitwe schimpfte auf Twitter, der Bericht sei einseitig und die UN-Experten hätten sich nicht genug Zeit genommen, um die Lage vor Ort zu verstehen.

Mitarbeit: Kossivi Tiassou, Jean-Claude Abalo, Antediteste Niragira, Karina Kochan

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