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Afrika

Burkina Faso: Hoffen auf Sicherheit nach dem Terror

Nach den Terroranschlägen diskutiert Burkina Faso über den Zustand des Sicherheitsapparats. Experten halten weitere Anschläge für wahrscheinlich.

Burkina Faso steht

nach dem Terroranschlag

am vergangenen Freitag noch immer unter Schock. Die Zahl der Todesopfer ist auf 29 gestiegen. Mehr als 50 Menschen sind bei dem Angriff auf ein Hotel und ein beliebtes Restaurant in der Hauptstadt Ouagadougou teils schwer verletzt worden. Die Angst steckt den Menschen noch immer in den Knochen.

"Die Regierung muss in der Lage sein, solche Angriffe im Vorfeld zu vereiteln", sagt Arbeitsminister Clement Sawadogo, der sich zur Zeit des Anschlags zu einem Treffen in dem Hotel befand. Er war mit mehreren Leuten in einem Saal von den Terroristen bis in die frühen Morgenstunden festgehalten worden. "Unser Land darf nicht von solchen Aktionen überrascht werden - ob an den Grenzen, in den Hotels oder auf öffentlichen Plätzen. Die Sicherheitsvorkehrungen müssen verschärft werden. Die Regierung wird in den kommenden Tagen daran arbeiten und geeignete Maßnahmen erörtern", verspricht der Minister im DW-Interview.

Strenge Sicherheitskontrollen

In Ouagadougou galt bereits vor den Anschlägen eine Ausgangssperre; jetzt, nach dem blutigen Anschlag der Dschihadistengruppe "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" (AQIM), gibt es noch stärkere Sicherheitskontrollen und Razzien in der Stadt. "Normalerweise ist das Leben in Ouagadougu voller Musik und Ausgehfreude, aber jetzt bleiben die Menschen zu Hause. Es herrscht eine gedrückte Stimmung", berichtet Ralf Wittek, Projektleiter der Hanns-Seidel-Stiftung in der Hauptstadt von Burkina Faso. "Das Vertrauen in die Sicherheitskräfte ist aber vorhanden."

Burkina Faso - Anschlag auf Splendid Hotel in Ouagadougou

Mehr als 50 Menschen wurden bei der Geiselnahme in dem Hotel getötet

2014 war in Burkina Faso Langzeitpräsident

Blaise Compaoré

nach 27 Jahren an der Macht gestürzt worden. Vorausgegangen waren Massenproteste gegen seine Ankündigung, sich durch eine Verfassungsänderung eine erneute Kandidatur zu ermöglichen. Als die Übergangsregierung die Präsidialgarde RSP auflösen wollte,

versuchte sie, zu putschen.

"Der Putsch war eher ein Reflex der alten Präsidentengarde und ist als Ausrutscher zu bezeichnen", so Wittek.

Die Sicherheitskräfte der jetzigen Regierung des im November gewählten Präsidenten Roch Kaboré verhalten sich laut Wittek loyal. Der Terrorüberfall in Ouagadougou war der erste derartige Angriff in Burkina Faso. Bisher war das Land von islamistischer Gewalt wie im Nachbarland Mali verschont geblieben.

Burkina Faso Präsidentschaftswahlen Roch Marc Christian Kabore

Roch Kaboré ist erst seit wenigen Wochen Präsident

Neue Terroranschläge möglich

Der Anschlag in Burkina Faso sei der Beginn einer neuen Herangehensweise terroristischer Organisationen in der ganzen Region, glaubt Wittek. Die Terroristen spürten den Druck der Interventionen durch ausländische Streitkräfte der Vereinten Nationen sowie Frankreich in Ländern wie Mali und Nigeria. "Daher wollen sie jetzt an der schwächsten Stelle - in Burkina Faso - eine Brücke schlagen und terroristische Unruhen weiter in die Sahelzone treiben und damit die Region destabilisieren." Das biete sich laut Wittek an, denn Burkina Faso sei ein Land im Umbruch und will seine neu gewählte Regierung noch festigen. Mit weiteren Anschlägen sei zu rechnen.

Junge Menschen ohne Perspektive

"Viele Menschen der Region haben jedes Vertrauen in ihr Leben und in die Staaten, in denen sie leben, verloren", sagt Wittek. Ihre Perspektivlosigkeit sei Motivation für das Anwachsen des Terrors. Der Mangel an Erziehung, Gesundheitsvorsorge, Infrastruktur - das alles spitze die Lage zu. "Die jungen Menschen werden dadurch zu Freiwild für extreme Organisationen."

Mitarbeit: Richard Tiéné

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