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G20-Gipfel in Hamburg

Bundesweite Razzien wegen G20-Krawallen

Fünf Monate nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg hat die Polizei Wohnungen der linken Szene in acht Bundesländern durchsucht. Dabei sollten weitere Beweise gegen Verdächtige gesammelt werden.

G20 Ausschreitungen Schwarzer Block (picture-alliance/Zuma/O. Messinger)

Randalierer lieferten sich im Sommer Straßenschlachten mit der Polizei

Die Razzien der Sonderkommission "Schwarzer Block" hatten am frühen Morgen begonnen. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde eine zweistellige Anzahl von Wohnungen in acht Bundesländern durchsucht  - in Hamburg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

Einzelheiten zu den Einsätzen wollten Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Soko-Chef Jan Hieber am Mittag auf einer Pressekonferenz erläutern.

"Roter Aufbau" im Fokus

Nach Informationen des NDR durchsuchte die Polizei 24 Objekte, darunter Privatwohnungen und linke Stadtteilzentren, unter anderem in Göttingen und Stuttgart. In Nordrhein-Westfalen waren nach dpa-Informationen mehrere Objekte in Köln, Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis betroffen. Nicht durchsucht wurde das bundesweit bekannte linksautonome Kulturzentrum Rote Flora, das vor allem seit den schweren Krawallen am 7. Juli im Schanzenviertel in die Kritik geraten war.

Stattdessen konzentrierte sich die Polizei laut NDR auch auf die linksextreme Gruppierung "Roter Aufbau". Sie hatte während des G20-Gipfels unverholen mit Gewalt gedroht. "Mit uns gibt es Molotowcocktails statt Sektempfang", hatte der "Rote Aufbau" bei einer Kundgebung und in sozialen Netzwerken verkündet.

Die Durchsuchungen erfolgten den Angaben zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Ausschreitungen während eines Polizei-Einsatzes im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld am Rande des G20-Gipfels. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen 21 Männer und Frauen wegen schweren Landfriedensbruchs.

G20 Gipfel in Hamburg | Protest & Ausschreitungen (Getty Images/L. Neal)

Zahlreiche Autos waren im Zuge der Ausschreitungen angezündet worden

Von der Razzia erhoffe man sich Beweise für die Ermittlungen zu diesen Vorfällen, wie es weiter hieß. Bundespolizisten gingen damals gegen etwa 200 Demonstranten vor, weil sie mit Steinen und Flaschen beworfen worden seien. Medien hatten nach Auswertung eines Einsatzvideos dagegen berichtet, die Beamten seien lediglich mit drei Bengalos beworfen worden.

Wichtige Rolle von Hamburgs Linksextremisten?

Die Sonderkommission geht nach NDR-Informationen davon aus, dass Hamburger Linksextremisten eine Rolle bei der Anbahnung der schweren Krawalle vom 6 bis 8. Juli spielten. Es habe eine monatelange Vorbereitung gegeben. "Wir sprechen hier nicht von einer feststrukturierten und auf Dauer vielleicht in jedem Fall angelegten Struktur, das wäre aus meiner Sicht übertrieben. Aber es ist ein Netzwerk, was auf Zeit geknüpft wird", sagte Hieber dem Sender.

Dazu zähle nach NDR-Informationen, dass für den am frühen Morgen des 7. Juli durch die Elbchaussee marodierend gezogene schwarze Block wohl auf geheime Depots mit Vermummungsmaterial, schwarzer Kleidung und Pyrotechnik zurückgreifen konnte. Bei dem Zug durch die vornehme Straße an der Elbe brannten zahlreiche Autos. Soko-Leiter Hieber sagte dem NDR, dass den Erkenntnissen der Polizei zufolge militante Proteste von erfahrenen Leute angeführt würden, die sich mit der Situation vor Ort auseinandersetzten. Das bedeute auch, "dass die Hamburger Szene speziell Verantwortung getragen hat für Logistik in allen Bereichen, das schließt durchaus auch die militanten ein".

Gericht verhängt bislang höchste Strafe gegen G20-Randalierer

Mit drei Jahren und drei Monaten Gefängnis für einen 30-Jährigen hat Hamburgs Justiz ihr bislang härtestes Urteil gegen einen G20-Randalierer verhängt. Der Angeklagte habe in der Nacht zum 8. Juli in der Sternschanze Polizisten mit Steinen beworfen und Geschäfte ausgeräumt, begründete der Richter am Amtsgericht Hamburg am Dienstag seine Entscheidung. Angesichts der "einschlägigen Vorstrafen" sei das Verhalten des Beschuldigten dem Gericht unerklärlich und die Höhe der Strafe notwendig. Der 30-Jährige war bereits vorbestraft, weil er während einer Demonstration in Hamburg Steine auf Polizisten geworfen hatte. Die Vorwürfe zur G20-Randale räumte er vor Gericht ein, bestritt aber eine politische Motivation. 

rk/sti (afp, dpa, ndr)

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