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Asien

Bundeswehrmitarbeiter in Angst

Der tödliche Angriff auf eine Journalistin und Ex-Mitarbeiterin der Bundeswehr in Afghanistan wirft erneut ein Schlaglicht auf die angespannte Situation dieser Gruppe angesichts des Truppenabzugs.

Die frühere Mitarbeiterin des Medienzentrums Bajan-i-Schamal in Masar-i Scharif hatte vor über einem Monat Todesdrohungen erhalten und diese bei ihrem früheren Arbeitgeber gemeldet. Sie hatte daraufhin Asyl in Deutschland im Rahmen des Aufnahmeprogramms für ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr in Afghanistan beantragt. Dies berichtet ihr früherer Kollege Wahed Ansari bei dem Medienzentrum gegenüber der DW. Am Tag ihrer Ermordung hätte sie einen Termin bei der Bundeswehr wegen der Todesdrohungen und ihres Antrags gehabt.

Das Motiv des flüchtigen Attentäters ist unbekannt, im Freundes- und Bekanntenkreis von Tokhi vermutet man die Taliban als Urheber. Auch der Leiter des Medienzentrums, Hafis Madschidi, sieht es so. "Tokhi wurde höchstwahrscheinlich getötet, weil sie mit dem Bajan-Medienzentrum zusammengearbeitet hat, das von den Nato-Truppen unterstützt wird", sagte Madschidi der Nachrichtenagentur dpa. Die meisten Mitarbeiter seien bereits bedroht worden. "Wir informieren die deutschen Truppen jedes Mal. Sie sind sehr besorgt um das Leben der Journalisten."

Ex-Kollegen geschockt

Afghanistan Selbstmordanschlag Autobombe 16.09.2014 (Foto: Reuters)

Auch ISAF-Soldaten sind weiterhin Ziele der Taliban

"Wir waren alle schockiert, als wir von dem Überfall hörten. Ich hab die letzte Nacht nicht geschlafen, aus Angst ebenfalls überfallen zu werden", sagte Wahed der DW. Überfälle auf ausländische Mitarbeiter der ISAF gehen zumeist auf das Konto der Taliban, sie werden aber auch Opfer von Raubüberfällen wegen der weitverbreiteten – falschen – Vorstellung, sie verfügten über viel Bargeld.

Das Programm Deutschlands für die insgesamt 1500 afghanischen Zivilmitarbeiter, die für die Bundeswehr in Afghanistan arbeiten bzw. gearbeitet haben (im Artikelbild ein Übersetzer mit Zertifikat), sieht vor, dass diejenigen von ihnen Asyl beantragen können, die wegen Bedrohung durch die Extremisten in Lebensgefahr sind. Die Betroffenen stellen den Antrag direkt bei ihren Arbeitgebern in Afghanistan, bearbeitet wird er in Deutschland. Eine Entscheidung, ob dem Antrag stattgegeben wird oder nicht, beruht auf der Einschätzung, wie ernsthaft die Bedrohung für den Betreffenden ist.

Tödliche Wartezeiten

Bundeswehr Abzug Nordafghanistan (Foto: DW)

Unsichere Zukunft nach dem Bundeswehr-Abzug

Diese Wartezeit kann für die Betroffenen tödlich sein, wie Wahed Ansari sagt. "Die Extremisten halten sich nicht mehr mit Warnungen auf. Sie greifen direkt an." Wahed eigener Asylantrag wurde nach seinen Worten abgelehnt, weil er nicht "unmittelbar bedroht" sei. Er kann das nicht nachvollziehen. "Wir können uns nicht frei bewegen", wobei er mit "wir" die Mitarbeiter von ISAF und Bundeswehr meint. "Wir können Freunde und Familien nicht besuchen, weil wir befürchten, dass sie ebenfalls ins Visier der Extremisten geraten. Aus demselben Grund halten unsere Freunde sich von uns fern. Was ist das, wenn keine 'direkte Bedrohung'“, fragt Wahed. Er fordert die Bundesregierung auf, solchen Personen schneller Hilfe zu gewähren.

Auch, wenn abgelehnte Asylbewerber ihren Antrag erneut stellen können, könne das zu spät sein. Im vergangenen November wurde Jawada Wafa, ein ehemaliger Übersetzer der Bundeswehr, tot in der Provinz Kundus gefunden. Unmittelbar vor seiner Ermordung durch die Taliban hatte er die Genehmigung seines Asylantrags erhalten.

"Die Extremisten verbreiten hartnäckig ihre Propaganda", sagte ein früherer Kollege von Palwasha, der aus Angst vor einem Angriff nicht genannt werden will. "Sie erzählen den Leuten, dass die Mitarbeiter der Ausländer das Christentum einführen wollen und gegen den Islam sind." Sein Vertrag mit der Bundeswehr wurde nicht verlängert und sein Antrag auf Einreise nach Deutschland abgelehnt. Er wolle erneut einen Antrag stellen, da sich die Lage verschlechtere, so der Ex-Kollege der ermordeten Palwasha Tokhi.

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