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Deutschland

Bundeswehr wirbt in Schulen um Nachwuchs

Der Geburtenrückgang bereitet der Bundeswehr Sorgen – schon bald wird ihr der Nachwuchs fehlen. Besonders in Schulen will sie deshalb verstärkt um junge Menschen werben. Doch das weckt mitunter Argwohn.

Soldaten der Bundeswehr beim Fünfkampf (Foto: dpa)

Oberleutnant Norman von Palubitzki lässt seinen Blick über die 25 Schüler in der Aula des Sally-Bein Gymnasiums im brandenburgischen Städtchen Beelitz wandern. Seine Uniform sitzt tadellos, eine graue Jacke mit rosa Kragenspiegeln. Die rechte Hand hat der 1,95 Meter große Offizier leger in der Tasche seiner schwarzen Hose. "Ich bin seit 1999 bei der Bundeswehr und bin jetzt Wehrdienstberatungsoffizier", leitet er seinen Vortrag ein. "Ich erkläre tagein, tagaus jungen Menschen die Bundeswehr."

Wehrdienstberatungsoffizier Oberleutnant Norman von Palubitzki (Foto: DW)

Wehrdienstberatungsoffizier Oberleutnant Norman von Palubitzki

Im Jahr hält von Palubitzki rund 200 Vorträge in Schulen. Mit dem Daumen der linken Hand drückt er auf die Fernsteuerung des Projektors. Auf der Stirnwand erscheint eine zerfurchte Winterlandschaft mit drei Panzern. Er zeigt auf einen davon. "Das ist ein Kampfpanzer, 62 Tonnen schwer, 1500 PS, mit dem zärtlichen Verbrauch von 4 Litern – auf einem Kilometer." Die Stimme des Offiziers bekommt einen fast schwärmerischen Ton. "Das ist meine Bundeswehr", sagt der Mann von der Panzertruppe. Die Schüler kichern, aber von Palubitzki lässt sich nicht beirren und zählt die Möglichkeiten und Perspektiven einer Laufbahn bei der Truppe auf. Seine 17- und 18-jährigen Zuhörer folgen ihm aufmerksam. Sie sind in der Oberstufe und müssen sich bald auf dem Arbeitsmarkt umsehen.

Vielfältige Karrierechancen

Die Bundeswehr ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland – rund 100.000 Beschäftigte im zivilen Bereich und 250.000 Soldaten stehen in ihrem Dienst. Die Karrieren sind vielfältig. Angeboten werden 50 Ausbildungsberufe und 20 Studienfächer. Oben rechts im Klassenzimmer sitzt Tobias Krumpmann. "Da kann man viel erreichen, die wollen dir einen guten Start ins Leben geben", sagt der junge Mann mit den kurzen Haaren. Für eine Karriere als Soldat braucht er kein Spitzenabitur und muss kein Leistungssportler sein. "Einer mit einem tollen Abitur, der aber umfällt, wenn man ihm den Rucksack aufsetzt", erklärt der Oberleutnant, "nützt uns genauso wenig wie ein 2,20 Meter Hüne, der seinen Namen nicht schreiben kann. Wir brauchen die Mischung!"

Bundeswehr Soldat in Afghanistan (Foto: dpa)

Bundeswehr-Soldat in Afghanistan

Bislang gibt es mehr Bewerber als Stellen. "Noch kann sich die Bundeswehr die Besten holen", sagt von Palubitzki. Aber er weiß, dass es bald schwieriger wird, denn die Zahl der Schulabgänger sinkt in den nächsten Jahren drastisch, besonders in den neuen Bundesländern. Deswegen soll im Rahmen der Vorträge mit Nachdruck ein positives Soldatenbild vermittelt werden. Von Palubitzki selbst ist das beste Beispiel dafür. Er steht im Mittelgang zwischen den Schülern und erzählt von seinem Werdegang. Grundausbildung, Studium an der Bundeswehruniversität in Hamburg. Abschluss: Diplomwirtschaftsingenieur. Eine steile Karriere. "Nichts Ungewöhnliches", sagt der 28-jährige Offizier. Seine Botschaft: Soldat sein macht Spaß und bringt einen weiter.

Unterstützung von der Schulleitung

Die Leitung des Beelitzer Gymnasiums sieht die Bundeswehr gerne in ihrer Schule. Es gibt nicht allzu viele Jobmöglichkeiten hier in der Gegend, auch wenn sie besser dasteht als viele andere Regionen in den neuen Bundesländern. "Die Bundeswehr bietet viele attraktive Berufe an und bezahlt gut", sagt Schulleiter Jürgen Schwartz. In anderen Schulen löst die Bundeswehr im Klassenzimmer Argwohn aus. Manche wollen die Wehrdienstberater nicht. Und im brandenburgischen Landtag kritisiert die Partei Die Linke besorgt eine deutliche Zunahme der Werbeveranstaltungen.

Eine Soldatenkarriere kann heute auch Auslandseinsätze mit sich bringen und dadurch sogar abrupt mit dem Tode enden. Im ersten Stock der Beelitzer Schule atmet Schulleiter Schwartz hörbar aus, als er auf die Gefahren des Dienstes angesprochen wird. "Man verdrängt diese schlechte Seite der Bundeswehr", sagt er schließlich und fügt rasch hinzu, "die Bundeswehr ist notwendig."

Reisebüro Bundeswehr

Soldaten der Bundeswehr auf ihren Einsatzfahrzeugen (Foto: dpa)

Wer viel reisen will, soll die Bundeswehr beitreten, sagen die Werber

Im Zusammenhang mit der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann bei der Bundeswehr, spricht von Palubitzki auch über den Auslandseinsatz. Der sei - "mal ganz vereinfacht formuliert"- unterm Strich auch nichts großartig anderes als eine größere Reise. "Eine bestimmte Anzahl Personen muss zu einem bestimmten Zeitpunkt, zusammen mit dem Gepäck zu einem bestimmten Punkt und das nach Möglichkeit ohne großartige Verspätung." Einen Moment lacht von Palubitzki mit den Schülern über seinen Vergleich. Dann steht er ganz gerade und schaut ernst. "Der Auslandseinsatz ist nicht ungefährlich, das muss man wissen. Das sind so Sachen, die gehören einfach zum Berufsbild des Soldaten!"

Sehr viel weiter vertieft von Palubitzki das Thema nicht. Er will über die Möglichkeiten der Bundeswehr informieren, aber die Schüler nicht abschrecken. "Man sollte ein Fan von Deutschland sein", sagt er den Schülern am Ende seines Vortrags, "wenn man Soldat oder Soldatin wird und im schlimmsten Fall Deutschland mit seinem Leben verteidigt." Palubitzki packt seinen Laserbeamer wieder ein und verteilt noch ein paar Informationsbroschüren. Vier oder fünf Schüler finden die Angebote der Bundeswehr ganz interessant. Der Oberleutnant wird sie vielleicht bei einem Beratungsgespräch in seinem Potsdamer Büro wieder sehen. Die meisten anderen sehen für sich keine Zukunft bei der Truppe – so wie Mathes Gutsche. "Ich hab nichts gegen die Bundeswehr", sagt der Schüler, "aber eigentlich bin ich gegen Gewalt."

Autor: Heiner Kiesel
Redaktion: Manfred Götzke

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