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Politik

ISAF-Kommandeur kritisiert die Bundeswehr

Der Oberbefehlshaber der NATO in Afghanistan, Stanley McChrystal, hat die Bundeswehr aufgefordert, mehr Risiken einzugehen. Truppen, die sich in Feldlagern und Panzerfahrzeugen verschanzen, seien "irrelevant".

General Stanley McChrystal (Foto: AP)

General Stanley McChrystal

Der Druck auf die Bundeswehr im Norden Afghanistans wächst: Nach der harten Kritik des Gouverneurs der Provinz Kundus, der den Einsatz als "wirkungslos" bezeichnet hatte, hat nun auch der ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal eine neue Strategie gefordert. "Die Taliban haben die dortigen Zustände genutzt, um sich auszubreiten. Sie wollen den Eindruck vermitteln, dass ihre Bewegung im ganzen Land aktiv sein kann", sagte der US-General der "Bild"-Zeitung (Mittwochsausgabe, 20.01.2010).

Den Aufständischen gehe es darum, die Sicherheitskräfte von der Bevölkerung zu trennen, sagte McChrystal weiter. Sie schafften eine Situation, "dass die Sicherheitskräfte in ihren Feldlagern bleiben, ihre gepanzerten Fahrzeuge nicht mehr verlassen, kaum noch Kontakt zur Bevölkerung haben. Dann mögen die Sicherheitskräfte noch vor Ort sein - aber sie sind irrelevant, wenn die Aufständischen das schaffen, haben sie ihre Mission erfüllt".

"Entscheidend für die Stabilität"

Ein Gegensteuern berge zwar Risiken, doch wie alle internationalen Truppen in Afghanistan müssten auch die deutschen Truppen damit leben. "Vielleicht müssen sie sogar die Art und Weise ändern, wie sie bisher vorgegangen sind", sagte der Vier-Sterne-General. Der Norden, wo sich die Bundeswehr seit 2003 engagiert, sei entscheidend für die Stabilität Afghanistans.

McChrystal mit dem deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (M.) (Archivfoto vom 13.11.2009, dpa)

McChrystal mit dem deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (M., Archivfoto vom 13.11.2009)

McChrystal bekräftigte, dass er plane, amerikanische Truppen in den Norden Afghanistans zu schicken. Die US-Soldaten sollten aber dem dortigen deutschen Regionalkommandeur unterstellt werden. "Sie sollen in erster Linie bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte helfen. Sie sollen die Deutschen nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen und unterstützen", erläuterte McChrystal. Auf der Sicherheitskonferenz in München will er den Deutschen für die "großartige Zusammenarbeit und ihre Anstrengungen in Afghanistan" danken. "Dann werde ich zum Ausdruck bringen, wie wichtig der Norden ist."

"Unsere Freunde retten uns nicht"

Ein bewaffneter Soldat patrouilliert am Bundeswehr-Feldlager in Kundus (Foto: dpa)

Patrouille am Bundeswehr-Feldlager in Kundus

Zuvor hatte bereits der Gouverneur der Unruheprovinz Kundus den dortigen Einsatz der Bundeswehr als "wirkungslos" kritisiert. Angesichts der schlechten Sicherheitslage in der Region forderte Gouverneur Mohammad Omar Ende am Freitag (15.01.2010) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa mehr US-Engagement in Kundus. "Wir haben einen Feind und wissen, dass er uns töten will", sagte er mit Blick auf die Taliban. "Unsere (deutschen) Freunde beobachten das und retten uns nicht. Nun müssen wir unsere anderen (amerikanischen) Freunde bitten, uns zu retten." Der Sprecher der Bundeswehr in Kundus, Jürgen Mertins, hatte entgegnet, die Bundeswehr habe in den vergangenen Monaten "eine ganze Reihe von Operationen" durchgeführt. "Wir meinen, dass sich die Sicherheitslage im Raum Kundus dadurch deutlich verbessert hat."

Derzeit sind rund 4200 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Sie agieren vorwiegend im Norden. Die Region galt verglichen mit dem umkämpften Süden Afghanistans lange als erheblich ruhiger. Mittlerweile kommt es auch im Norden immer wieder zu schweren Anschlägen der radikal-islamischen Taliban.

Autor: Dеnnis Stutе (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Frank Wörner

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