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Deutschland

Bundestag gedenkt der Holocaust-Opfer

Am internationalen Holocaust-Gedenktag hat der Bundestag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Mit dem Holocaust-Überlebenden Zoni Weisz war erstmals ein Vertreter der Sinti und Roma als Gastredner geladen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert sprechen im Bundestag in Berlin mit Zoni Weisz (Foto: dapd)

Zoni Weisz (r.) mit Kanzlerin Merkel und Bundestagspräsident Lammert

Zoni Weisz im Bundestag (Foto: dpa)

Zoni Weisz schilderte den Leidensweg seiner Familie

In einer sehr persönlichen Ansprache schilderte der Niederländer Zoni Weisz am Donnerstag (27.01.2011) den Leidensweg seiner Familie. Im Mai 1944 verhafteten die Nazis alle Sinti und Roma in den Niederlanden. Auch Weiszs Eltern, seine beiden Schwestern und sein neun Monate alter Bruder wurden verhaftet, deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Weisz war damals sieben Jahre alt und überlebte, weil ihm und seiner Tante die Flucht mit Hilfe eines Polizisten gelang.

In seiner Rede vor dem Bundestag forderte er mehr Rechte für seine Volksgruppe der Sinti und Roma ein. "Es kann und darf nicht sein, dass ein Volk, das durch die Jahrhunderte hindurch diskriminiert und verfolgt worden ist, heute - im 21. Jahrhundert - immer noch ausgeschlossen und jeder ehrlichen Chance auf eine bessere Zukunft beraubt wird", sagte der 73-Jährige während der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Völkermord an Sinti und Roma sei heute ein "vergessener Holocaust". Eine halbe Million Mitglieder der Volksgruppe waren durch die Nazis ermordet worden.

Menschenunwürdige Behandlung

Blick in den Bundestag bei der Rede von Zoni Weisz (Foto: dpa)

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

Der Niederländer beklagte, dass die Gesellschaft nichts oder fast nicht aus dem Holocaust gelernt habe, sonst würde sie seiner Ansicht nach heute verantwortungsvoller mit den Sinti und Roma umgehen. Er wies darauf hin, dass es sich bei den rund zwölf Millionen Menschen um die wahrscheinlich größte ethnische Minderheit in Europa handele.

Weisz fügte hinzu, es sei "menschenunwürdig", wie die Sinti und Roma noch immer behandelt würden, insbesondere in vielen osteuropäischen Ländern wie etwa Rumänien und Bulgarien. Ähnliches gelte auch für Frankreich und Italien. Und mit Blick auf Schilder mit der Aufschrift "Für Zigeuner verboten" in Ungarn fügte er hinzu: "Die Geschichte wiederholt sich." Die EU müsse die betreffenden Regierungen weiterhin darauf ansprechen.

"Zeichen der Versöhnung"

Zuvor hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert bei der Gedenkveranstaltung daran erinnert, dass sich noch heute viele Sinti und Roma stigmatisiert fühlten, "auch in Deutschland". Die größte sei zugleich die wohl auch am meisten diskriminierte Minderheit Europas. Weil die Deutschen nur wenig über die Kultur und den Alltag von Sinti und Roma wüssten, seien Klischees und Vorurteile weit verbreitet.

Der CDU-Politiker betonte zudem die Verantwortung Deutschlands für die Opfer des Nationalsozialismus. "Wir Nachgeborene haben versprochen und bekräftigen, dass wir die Schrecken der Geschichte nicht vergessen werden, dass wir die Erinnerung an sie bewahren und die Lehren aus ihr auch in Zukunft ziehen werden", sagte er. Man gedenke der ermordeten Juden, Sinti und Roma, Behinderten sowie der politisch und religiös Verfolgten. Den Auftritt Weiszs wertete der Bundestagspräsident als "Zeichen der Versöhnung".

Besucher laufen durch das Holocaust-Mahnmal in Berlin (Foto: AP)

Am Abend vor der Gedenkveranstaltung besichtigen Besucher das Berliner Holocaust-Mahnmal

Seit 1996 wird in Deutschland am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. An diesem Tag hatten sowjetische Soldaten im Jahr 1945 das Vernichtungslager Auschwitz befreit. An der Gedenkveranstaltung im Bundestag nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsidentin Hannelore Kraft und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, teil.

Bundespräsident Christian Wulff hält bei den Gedenkfeierlichkeiten in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen am Nachmittag eine Rede. Zusammen mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski traf er dort im Vorfeld mit ehemaligen Häftlingen zusammen.

Autorin: Pia Gram (dpa, dapd, epd)
Redaktion: Thomas Grimmer

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