1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Bundesanwaltschaft: Flugzeuganschlag vereitelt

Deutsche Ermittler haben nach eigenen Angaben einen Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug verhindert. Fünf von sechs Beschuldigten sind wieder auf freiem Fuß.

Ein Flugzeug beim Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf (Archivbild)

Bundesanwaltschaft: Anschlag auf Vehrkehrsflugzeug vereitelt (Archivbild)

Die Ermittlungsbehörden in Deutschland haben offenbar einen Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug schon in einer frühen Planungsphase vereitelt. Wie die Bundesanwaltschaft am Montag (20.11.2006) in Karlsruhe mitteilte, wurden am Freitag sechs Verdächtige vorläufig festgenommen und insgesamt neun Wohnungen in Rheinland-Pfalz und Hessen durchsucht. Die mutmaßlichen Terroristen hatten offenbar eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al auf dem Frankfurter Flughafen im Visier, wie am Montag aus Sicherheitskreisen verlautete.Gegen die Betroffenen seien allerdings keine Haftbefehle beantragt worden, weil sich deren Planungen noch in einem sehr frühen Stadium befunden hätten.

Laut Bundesanwaltschaft soll sich ein Flughafenmitarbeiter gegenüber den Beschuldigten bereit erklärt haben, gegen Bezahlung einen Koffer oder eine Tasche mit Sprengstoff in ein Verkehrsflugzeug zu schmuggeln. Daraufhin sei aus dem Kreis der Beschuldigten Kontakt mit bislang unbekannten Hintermännern einer terroristischen Gruppierung aufgenommen und über solch eine Bezahlung diskutiert worden. Eine endgültige Einigung über die Höhe der versprochenen Entlohnung sei allerdings nicht getroffen worden.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, es werde nicht ausgeschlossen, dass der Anschlag während der Fußball-Weltmeisterschaft geplant gewesen sei. Nach Informationen des "Tagesspiegels" stammt die Mehrheit der Tatverdächtigen aus Jordanien. Es soll sich um Männer palästinensischer Herkunft handeln. Auch die anderen Tatverdächtigen stammten aus arabischen Ländern, berichtete die "Berliner Zeitung".

Alle Beschuldigten wieder frei

Die Beschuldigten waren am Freitag vorläufig festgenommen worden und kamen bis auf einen am Samstag wieder auf freien Fuß. Der sechste Verdächtige bleibt wegen einer anderen Sache in Haft. Die Durchsuchungen am Freitag dienten der Behörde zufolge dazu, Beweismaterial über den Stand der Planungen, der Hintermänner und die den Auftrag erteilende terroristische Gruppierung zu gewinnen. Ob die Ermittlungen gegen die Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung einen islamistischen Hintergrund haben, wollte die Bundsanwaltschaft zunächst nicht mitteilen.

Generalbundesanwältin Monika Harms

Generalbundesanwältin Monika Harms (Archivbild)

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, der Fall zeige, dass die Sicherheitsbehörden offenbar "sehr nah dran" seien. Deutschland sei nach wie vor "Teil eines Gefahrenraumes", es müsse immer wieder mit konkreten Anschlagsplanungen gerechnet werden. Dabei verwies der Sprecher auf bereits vereitelte Anschlagsversuche wie die versuchten Kofferbomben-Anschläge von Köln. Auch Generalbundesanwältin Monika Harms hatte vor wenigen Tagen gewarnt, die Ruhe in Deutschland könne "trügerisch sein".

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Hahn

Zwei der Verdächtigen wurden in Mainz gefasst. "Es waren keine
Menschen in Gefahr", sagte Landesinnenminister Karl-Peter Bruch im
SWR über die Durchsuchungen am Freitag. "Die Polizei hat bewiesen, dass sie sehr gut aufgestellt ist." Bruch kündigte an, die Polizei am rheinland-pfälzischen Flughafen Hahn zu verstärken.

Die Bundesrepublik gerät nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden wegen seiner außenpolitischen Engagements stärker ins Visier islamistischer Terroristen. "Deutschland rückte und rückt auf Grund seines markanten außen- und sicherheitspolitischen Profils verstärkt ins Zielspektrum terroristischer Anschläge", sagte etwa Ernst Uhrlau, Chef des Bundesnachrichtendienstes, in der Woche zuvor.

Spekulationen über Anschläge zur Weihnachtszeit

Nach Bombendrohungen am 11. August 2006 blieben Flugzeuge in London Heathrow am Boden

Nach Bombendrohungen am 11. August 2006 blieben Flugzeuge in London Heathrow am Boden

Erst im August hatten britische Behörden nach eigenen Angaben ein Terror-Komplott am Londoner Flughafen Heathrow aufgedeckt. Dabei sollten Anschläge mit flüssigem Sprengstoff auf Transatlantikflüge verübt werden. Die Bestimmungen für die Mitnahme von Handgepäck wurden daraufhin in Europa massiv verschärft. In Deutschland gibt es schon seit Jahren besondere Sicherheitsvorkehrungen für Flüge in die USA und nach Israel.

Eine Woche zuvor hatte der US-Fernsehsender CBS News berichtet, das Terrornetzwerk El Kaida beabsichtige in der Weihnachtszeit Anschläge auf Fluglinien und Bahnnetze in Europa. Danach soll es Pläne zur Wiederholung der im August vereitelten Anschläge am Londoner Flughafen Heathrow geben. (rri)

Die Redaktion empfiehlt