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Europa

Britisches Unterhaus billigt Forschung mit Tier-Mensch-Embryonen

Das britische Parlament hat ein Gesetz für zwei umstrittene Forschungsansätze gebilligt: die Produktion von Tier-Mensch-Embryonen und die Erzeugung von "Retter-Geschwistern". Die Verfahren sind in Deutschland verboten.

Aus einem Embryonen-Gehirn gewonnene Stammzellen, Quelle: AP

Aus einem Embryonen-Gehirn gewonnene Stammzellen

Nach monatelanger Debatte hat das britische Unterhaus ein weitreichendes Embryonengesetz verabschiedet, das die Züchtung von Mensch-Tier-Embryonen für die medizinische Forschung erlaubt. 355 Abgeordnete votierten bei der Abstimmung am Mittwoch (23.10.2008) für den umstrittenen Text, 129 Abgeordnete stimmten gegen das von Konservativen und Kirchen heftig kritisierte Gesetzeswerk. Dieses erlaubt auch so genannte Rettungsgeschwister - künstlich gezeugte Kinder, die dank ähnlichen Erbmaterials einem kranken Bruder oder einer kranken Schwester helfen können. Wenn das Oberhaus dem Gesetz zustimmt, könnte es noch im November in Kraft treten.

Hoffnung auf medizinische Fortschritte

Gordon Brown, QUelle:AP

Gordon Brown

"Das Gesetz verbindet Wissenschaft mit einem ethischen Rahmen", sagte der britische Premierminister Gordon Brown, ein entschiedener Befürworter. Sein Sohn Fraser leidet unter Mukoviszidose, einer Krankheit, die eines Tages von der Embryonenforschung profitieren könnte. Wissenschaftler erhoffen sich von den Mensch-Tier-Embryonen, so genannten Chimären, außerdem Fortschritte bei Therapiemethoden für Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson.

Auch Gesundheitsministerin Dawn Primarolo warb vor der Debatte am Mittwoch für den Gesetzentwurf und betonte, 350.000 Menschen in Großbritannien litten an Alzheimer. Jede Woche werden der Ministerin zufolge fünf Kinder mit Mukoviszidose geboren, drei junge Menschen sterben an der Krankheit. Außerdem sei jedes siebte Paar in Großbritannien bei einem Kinderwunsch auf Unterstützung durch künstliche Befruchtung angewiesen. "Mit all diesen Themen befasst sich dieses Gesetz", sagte Primarolo.

Ethischer Grundsatzstreit

Das Verfahrens ist ethisch hoch umstritten. Vertreter der Kirche und Abtreibungsgegner fürchten, eine Lockerung der Gesetze zum Umgang mit Embryonen könne zu genetischer Manipulation am Menschen führen. Die Befürworter argumentieren dagegen, dass menschliche Eizellen für die Forschung immer knapper und teurer würden. Es sei schwer, genügend Frauen zum Spenden von Eizellen zu finden.

Die zuständige britische Aufsichtsbehörde hatte bereits im September 2007 ihre grundsätzliche Zustimmung gegeben und Forschern Sondergenehmigungen für Experimente erteilt. Die geplanten Gesetzesänderungen sind die ersten in der britischen Embryonenforschung seit fast 20 Jahren.

Zerstörung vorgeschrieben

Dem Gesetz zufolge müssen die Chimären nach spätestens zwei Wochen zerstört werden und dürfen nicht in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden. Britischen Forschern war es Anfang April erstmals gelungen, Chimären-Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen zu erzeugen.

Bei der Herstellung von Chimären wird menschliches Erbgut in Eizellen von Tieren eingeführt. Der daraus entstehende Embryo kann dann zur Stammzellenforschung verwendet werden. In den Naturwissenschaften werden Lebewesen als Chimären oder Hybriden bezeichnet, die das Erbgut von mindestens zwei verschiedenen Arten in sich tragen. Ein bekanntes Beispiel stellt die Mitte der 1980er Jahre von US-Wissenschaftlern gezüchtete "Schiege" dar, ein Mischwesen aus Schaf und Ziege. Berühmtheit erlangte auch die Maus mit dem menschlichen Ohr auf dem Rücken. (stu)

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