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Europa

Britische Polizei verhindert Terroranschläge auf Flugzeuge

Die britische Polizei hat nach eigener Darstellung eine Serie von Terroranschlägen großen Ausmaßes vereitelt. Nach der Festnahme von 21 Verdächtigen beginnen Spekulationen um den Hintergrund des Attentatversuchs.

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Der Flugverkehr in Heathrow ist unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder freigegeben

Knapp fünf Jahre nach den Attentaten des 11. September planten Terroristen in London nach Angaben der Polizei, Sprengstoff im Handgepäck an Bord von mehreren Flugzeugen mit Ziel USA zu schmuggeln und laut Vizepolizeichef Paul Stephenson einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß" zu verüben. Die Sicherheitsmaßnahmen im Luftverkehr wurden drastisch verschärft, was europaweit zu Behinderungen führte.

Terroranschläge auf Flugzeuge in London verhindert Polizei

Verschärfte Sicherkeitskontrollen in ganz London

Inzwischen ist der Flughafen Heathrow wieder für den Verkehr freigegeben worden. Es gebe für innereuropäische Flüge von und nach Heathrow keine Beschränkungen mehr, teilte die britische Flughafen-Betreibergesellschaft BAA am Donnerstagabend mit. Auch für Langstrecken gebe es keine Einschränkungen; die Fluggäste müssten sich aber auf lange Wartezeiten einstellen.

Handschrift von El-Kaida?

Der britische Innenminister John Reid erklärte, Terroristen hätten geplant, mehrere Flugzeuge durch Explosionen zum Absturz zu bringen. Die Polizei zeigte sich zuversichtlich, die Hauptverdächtigen des Komplotts gefasst zu haben, das nach US-Einschätzung die Handschrift von El-Kaida trägt. An dem Terrorplan seien bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen, hieß es. Sie hätten noch nicht in den Flugzeugen gesessen, seien dem Abflug aber sehr nahe gekommen.

"Dies sollten simultane Anschläge auf mehrere Ziele sein, gerichtet gegen Flugzeuge mit dem Ziel Vereinigte Staaten", sagte ein Sprecher der britischen Polizei. Aus amerikanischen Sicherheitskreisen verlautete, Ziele seien Maschinen der US-Fluggesellschaften United, American und Continental gewesen. Die Sprengsätze sollten demnach an Bord zusammengesetzt werden.

Verdächtige schon lange im Visier der Ermittler

Der Chef der Anti-Terror-Einheit der Londoner Polizei, Peter Clarke, erklärte, gegen die Verdächtigen sei seit Monaten ermittelt worden. "Der mutmaßliche Plan hat globale Dimensionen", sagte er. Die Polizei durchsuchte Gebäude im Großraum London sowie in Birmingham. Die Verdächtigen kamen laut Polizei aus Großbritannien, obwohl zunächst unklar war, ob sie alle britische Staatsbürger sind. Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy sagte, die Terroristen seien offenbar pakistanischer Herkunft.

Anzeigentafel Flughafen Frankfurt Terror London

Hunderte von Flügen wurden - wie hier in Frankfurt - annuliert

Das Terrorwarnsystem in Großbritannien zeigte die höchste Alarmstufe "kritisch", auf größeren Bahnhöfen patrouillierten Polizisten. Auf dem Londoner Flughafen Heathrow, dem größten Europas, wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft. British Airways (BA) strich weltweit mehr als 300 Flüge, auch EasyJet sagte alle Verbindungen nach London ab. Laptops, Handys und iPods wurden aus dem Handgepäck verbannt.

In den Wartehallen bildeten sich lange Schlangen. BA kündigte an, dass die Mitnahme von Handgepäck bei einem Start von britischen Flughäfen nicht mehr erlaubt sei. Die Passagiere dürften nur noch Reisedokumente, Brillen und einige wenige andere Wertsachen mit an Bord nehmen. Die Fluggesellschaft warnte vor größeren Verspätungen und appellierte an ihre Fluggäste, zunächst nicht nach London zu fliegen, wenn es nicht unbedingt notwendig sei.

Möglicherweise Flüssigsprengstoff

US-Präsident George W. Bush sagte in einer kurzen Ansprache, der Terrorplan erinnere daran, "dass sich dieses Land im Krieg gegen islamische Faschisten" befinde. Die USA seien heute sicherer als vor dem 11. September 2001.

In den Vereinigten Staaten wurde zum ersten Mal die höchste Terrorwarnstufe "rot" für alle Flüge von Großbritannien in die USA ausgerufen. Für alle anderen Flüge galt die zweithöchste Warnstufe "orange". Heimatschutzminister Michael Chertoff erklärte, man könne nicht sicher sein, dass die Bedrohung durch die Terroristen vollkommen ausgeschaltet worden sei. Hinter dem Terrorplan könne das Netzwerk El-Kaida stehen.

Auch die US-Behörden untersagten Passagieren, Flüssigkeiten und Gele an Bord zu nehmen, darunter Zahnpasta, Sonnencreme und Make-up. Auch auf US-Flughäfen bildeten sich lange Schlangen. Chertoff erklärte, möglicherweise hätten die Anschläge mit Flüssigsprengstoff ausgeführt werden sollen. Ein ähnliches Verbot hatten die US-Behörden 1995 ausgesprochen. Damals wurde in Manila der Plan von Ramsi Jussef aufgedeckt, US-Maschinen über dem Pazifik mit Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen.

Auch Deutschland verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Deutschland Sicherheit Terror Britische Polizei verhindert Anschläge auf Flugzeuge

Deutsche Polizisten in Alarmbereitschaft

Das Bundesinnenministerium hat als erste Konsequenz aus dem Terroralarm die Vorkehrungen für die Luftsicherheit in Deutschland nochmals erhöht. Sofort nach Bekanntwerden seien erste Maßnahmen ergriffen worden, sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, der dpa. Nach ersten Erkenntnissen weist keine Spur von den festgenommenen mutmaßlichen Tätern nach Deutschland. Die britischen Behörden hätten mitgeteilt, dass es keine Beziehung der Tätergruppe nach Deutschland gebe, sagte Hanning. Dennoch beeinflusse der Terroralarm Deutschland. Das deutsche Luftsicherheitskonzept sei aber so ausgelegt, dass fortwährend alle Erfahrungen verarbeitet würden. (je)

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  • Datum 10.08.2006
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