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Europa

Britische Litwinenko-Ermittler reisen nach Moskau

Britische Ermittler sind nach Moskau gereist, um Zeugen zum Giftmord an dem Ex-Spion Alexander Litwinenko zu vernehmen. Die russische Regierung reagiert zunehmend gereizt.

Das Londoner University College Hospital, in dem Mario Scaramella behandelt wird

Das Londoner University College Hospital, in dem Mario Scaramella behandelt wird

Eineinhalb Wochen nach dem Tod des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko am Donnerstag (23.11.2006) richten sich die Ermittlungen zunehmend auf Russland. Ein britisches Polizeiteam wird in Moskau Schlüsselfiguren der Affäre vernehmen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnt vor "Politisierung"

Nach Informationen der BBC flog das britische Ermittlerteam aus neun Beamten bereits am Montagnachmittag (04.12.2006) nach Moskau. Die Polizisten wollen mehrere russiche Zeugen befragen. Dazu gehört auch der Geschäftsmann und ehemalige Geheimdienstler Andrej Lugowoj, mit dem sich Litwinenko am Tag des mutmaßlichen Giftanschlags getroffen hatte. Bei dem Gespräch in einer Londoner Hotelbar am 1. November waren auch zwei weitere Russen anwesend. Alle drei bestreiten bislang jede Verwicklung in einen Anschlag.

Suche nach den Auftraggebern

Ein Auftrag aus dem Kreml oder von anderen hochrangigen russischen Stellen wird inzwischen für weniger wahrscheinlich gehalten. Noch auf dem Sterbebett hatte Litwinenko selbst den Kreml für seinen Tod verantwortlich gemacht. Auch die Obduktion könnte weiteren Aufschluss für Scotland Yard bringen. Sie fand bereits am vergangenen Freitag in London statt, bislang wurde offiziell aber noch nichts bekannt.

Weitere Einblicke könnten die Ermittler auch vom Italiener Mario Scaramella erhalten, in dessen Urin ebenfalls Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden waren. In einem Telefoninterview des italienischen Fernsehens RAI kündigte Scaramella an, auszupacken. Er hatte sich ebenfalls am 1. November mit Litwinenko getroffen – und dabei anscheinend auch mit dem tödlichen Polonium 210 vergiftet. Scaramella steht derzeit in einer Londoner Klinik unter Quarantäne, zeigt aber bislang keine Vergiftungssymptome.

Angespannte britisch-russische Beziehung

Unterdessen warnte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag vor Schaden in den Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien, falls der Fall weiter "politisiert" werde. Die "Kampagne" über eine angebliche Verwicklung russischer Behörden in den Tod des Ex-Spions sei "inakzeptabel", sagte Lawrow am Montag laut den Nachrichtenagenturen Interfax und ITAR-TASS.

Für den britischen Innenminister John Reid, der in Brüssel seine EU-Kollegen über den Fall informierte, sind die Ermittlungen in Moskau "natürlich". Die Untersuchungen des Falls würden durchgeführt, unabhängig davon, ob sie zu diplomatischen Peinlichkeiten führen könnten.

Weitergehende Forderungen

Der vergiftete Litwinenko im Krankenhaus

Der vergiftete Litwinenko im November 2006: "Verantwortung beim Kreml"

Von Vertrauten Litwinenkos wurden zudem Forderungen an die britischen Ermittler laut. Sie sollten in Russland auch den früheren Geheimdienstoffizier Michail Trepaschkin befragen, der momentan wegen Geheimnisverrats inhaftiert ist. Am Freitag (01.12.2006) hatte Trepaschkin in einem Brief behauptet, der russische Geheimdienst FSB habe eine spezielle Agentengruppe gebildet, mit dem Ziel, Litwinenko und andere Kritiker der Regierung Putins zu töten.

Walter Litwinenko, Vater des vergifteten Ex-Spions, erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Kreml. "Es gab einen Befehl direkt von oben, meinen Sohn zu töten", sagte er der russischen Zeitung "Kommersant" (Montagsausgabe).

Herkunft des Poloniums immer noch unklar

Dass das Polonium aus Russland kommt, schloss die russische Atombehörde Rosatom mittlerweile aus. "Die Produktion erfolgt unter schärfster Kontrolle. In Russland kann davon nichts verschwinden", zitierte die Agentur Interfax einen namentlich nicht genannten Repräsentanten der Behörde. Ein Großteil der Substanz werde in die USA und nach Großbritannien exportiert. "Was weiter damit geschieht, können wir von hier aus nicht mehr kontrollieren", sagte der Rosatom-Vertreter. (maj)

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