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Wirtschaft

Brexit: Schwarzer Freitag an den Börsen

Der Brexit ist also beschlossen und die Finanz- und Börsenplätze reagieren im Ausnahmemodus. Börsen in Frankfurt und London starten tief im Minus. Historisches Tief auch beim Pfund. Bankwerte sacken weg.

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Böses Erwachen für Londoner Börsenhändler

Die Börsen haben kaum geöffnet, da gibt's keinen Zweifel mehr: die unmittelbaren Folgen des Brexit schmecken nach Katastrophe. Der Dax in Frankfurt startet mit einem Minus von 9,94 Prozent - ein Absturz wie seit 2008 nicht mehr. Die Londoner Börse sackt um 7,5 Prozent weg. In Paris: minus acht Prozent beim CAC-40-Index. An den Börsen in Wien und Lissabon waren es je rund zehn Prozent.

An den Devisenmärkten hatten die Händler um 4.10 Uhr ihr Urteil gefällt: der Brexit schien bereits so gut wie sicher - das Pfund stürzte ab auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren. Die britische Währung fiel zwischenzeitlich unter 1,33 Dollar und war damit rund elf Prozent billiger als am frühen Morgen, als das Pfund zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte.

Die Bank von England teilte mit, man sei in engem Kontakt mit den Banken. Der japanische Finanzminister Taro Aso zeigte sich bereit, energisch am Markt zu intervenieren, um zu heftigen Kursschwankungen zu begegnen. "Wir sind extrem besorgt wegen der Risiken für die globale Wirtschaft und die Finanz- und Devisenmärkte", sagte Aso in Tokio.

Acht Prozent Minus

Extrem nervös auch die Aktienmärkte in Ostasien und Australien. Nach Gewinnen zu Handelsbeginn drehten die Börsen in der Region ins Minus, holten wieder auf, und sackten daraufhin wieder kräftig ab. Lagen die Brexit-Gegner in der Stimmauszählung vorn, ging es mit den Kursen nach oben. Hatten wiederum die Brexit-Befürworter die Nase vorn, rauschten die Kurse nach unten.

Dann aber wird die Tendenz klarer. Der Nikkei-Index in Tokio verlor erst langsam, dann aber schießt er nach unten: Zum Handelsschluß hat das Minus fast acht Prozent erreicht. Schlussstand: 14.952 Punkte.

An der Börse in Sydney liegt das Minus bei fast vier Prozent. Der südkoreanische Kospi-Index notierte ebenfalls rund drei Prozent niedriger. Nach einer Berg- und Talfahrt sackte der australische ASX 200 um 3,6 Prozent auf 5092 Punkte ab.

Vor einem "Schock"

Die Zeichen stehen auf Sturm. Die Investmentbank Morgan Stanley rechnet damit, dass Aktienwerte in Europa im Vergleich zu den Schlusskursen von Donnerstagabend um 15 bis 20 Prozent einbrechen können. "Das ist absolut außerordentlich", sagte Devisenspezialist John Wraith von der UBS Investment Bank. "Ein 'Schock' ist noch ein zu schwaches Wort dafür."

Da sich viele Marktteilnehmer in den vergangenen Handelstagen auf einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union eingerichtet hatten, sind die Ausschläge ungewöhnlich hoch. Deutlich genug auch die Reaktion an den Rohstoff-Märkten: Nach den ersten frühen Anzeichen eines Brexit sackte im asiatischen Handel der Ölpreis um gut sechs Prozent weg. Das für Europa wichtige Brent-Öl notierte bei 47,77 Dollar pro Fass.

Bankaktien sacken weg

Mit besonderer Wucht bekommen gleich die Banken die Reaktion der Märkte zu spüren: In Frankfurt schossen zum Handelsbeginn die Commerzbank und die Deutsche Bank um 17 Prozent in die Tiefe. Der Vorsprung der EU-Gegner beim Referendum ließ britische Banken schon an der Börse in Hongkong wegbrechen: Standard Chartered verloren am Freitag mehr als zwölf Prozent, HSBC geben gut elf Prozent nach. Die beiden Geldhäuser werden auch an der Börse in London gehandelt.

ar/zdh/ul (ap, rtr, afp)

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