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Europa

Brexit-Überlebenstipps für Briten in Europa

Der drohende Brexit verunsichert die 1,2 Millionen Briten, die in der EU leben. Wie geht es jetzt für sie weiter?

Nachdem die Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt hat, macht sich eine Gruppe besonders Sorgen um ihre Zukunft: Die 1,2 Millionen Menschen mit britischem Pass, die zurzeit in anderen EU-Mitgliedsstaaten leben. Die Politiker auf der Insel haben das nicht vergessen.

Am Mittwoch stand Premierminister David Cameron wie gewohnt den Parlamentsmitgliedern im Unterhaus Frage und Antwort. Ein Abgeordneter der Konservativen wollte wissen, was mit den Expats passieren würde, also Briten, die im Ausland leben, "von denen viele älter und gebrechlich sind und von britischen Renten leben".

Der Abgeordnete wollte wissen, ob Cameron zusichern könne, dass die Interessen dieser Menschen geschützt werden. So richtig versprechen wollte der Premierminister nichts. Er wies darauf hin, dass sich kein Aufenthaltsstatus ändern würde, bis Großbritannien offiziell die EU verlassen habe. Dann verwies er seinen "ehrenwerten Freund" weiter an eine Verwaltungseinheit, die sich in Zukunft um diese Details kümmern werde.

Cameron blieb kaum etwas anderes übrig. Auch er weiß nicht, wie es nach der Brexit-Entscheidung weitergeht. Bei allen bürokratischen Angelegenheiten hängt viel von den Verhandlungen ab, die das Vereinigte Königreich mit der EU führen wird. Die Verhandlungen werden etwa zwei Jahre dauern - und erst dann überhaupt beginnen, wenn Großbritannien offiziell Artikel 50 des Vertrags von Lissabon aktiviert.

Verschiedene Länder, verschiedene Probleme

Premierminister David Cameron im Parlament. (Foto: REUTERS/UK Parliament)

Cameron weiß auch nicht, wie es für britische Expats weitergeht

In unterschiedlichen EU-Staaten haben die britischen Expats jeweils einen unterschiedlichen Aufenthaltsstatus. Mit Abstand die meisten Briten leben in Spanien - etwa 380.000, gefolgt von etwa 250.000 in Irland. Aber die meisten Briten in Spanien sind Renter, die die meiste Zeit ihres Lebens in Großbritannien gearbeitet haben. Damit befinden sie sich in einer riskanten Position, sagt Jon Worth, ein britischer Berater und politischer Blogger, der in Deutschland lebt.

Die rund 105.000 Briten in der Bundesrepublik werden es vermutlich leichter haben.

"Je besser man in dem Land, wo man lebt, integriert ist, desto sicherer sieht die Zukunft aus", sagte Worth der DW. "Die meisten in Briten in Deutschland sind im arbeitsfähigen Alter, mehr als in Frankreich oder Spanien zum Beispiel. Und sie sind wirtschaftlich produktiv. Ich glaube, dass die deutsche Regierung den Briten im Land vermutlich nicht besonders böswillig gegenüber steht."

Rentner haben während ihres Arbeitslebens nicht zwingend in die Kasse des Landes eingezahlt, in dem sie ihren Lebensabend verbringen. Deswegen könnten die Veränderungen, die sich durch neue Deals zwischen Großbritannien und den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ergeben, gravierende Folgen für sie haben. Wie diese Veränderungen aussehen, kommt stark darauf an, wie Großbritannien Deutsche, Spanier und andere EU-Ausländer behandeln wird, die sich im Vereinigten Königreich niederlassen.

"Die Frage ist, wie Großbritannien die Verhandlungen mit dem Rest der EU angeht", sagte Worth. "Versucht es, eine Vereinbarung mit der gesamten EU zu treffen, oder verhandelt es mit jedem Mitgliedsstaat einzeln? Wir wissen das nicht, weil es keinen Plan gibt."

Solidarität mit den "Remainern"

Überall in Europa schießen jetzt Solidaritätskampagnen aus dem Boden. Eine der ungewöhnlichsten ist "Romanians adopt Remainians", oder "Rumänen adoptieren Remain-Wähler".

In der augenzwinkernden Kampagne heißt es: "Die guten Menschen, die Remain gewählt haben und unsere europäische Werte teilen, verdienen es, zu unserer Familie zu gehören. Lasst uns jetzt dafür sorgen, dass jeder 'Remainian' von einem Rumänen adoptiert wird."

Zusammenschnitt vieler Fotos der #hugabrit Kampagne. (Bild: #hugabrit)

Die Kampagne #hugabrit rief dazu auf, Europa-freundliche Briten zu umarmen

In Berlin bietet die Initiative Citizens for Europe (Bürger für Europa) Rechtsbeihilfe an. Hier finden Menschen Hilfe, die die Staatsbürgerschaft oder zumindest eine Aufenthaltsgenehmigung in einem EU-Land beantragen möchten.

Der einfachste Weg ist es, sich um die Staatsbürgerschaft des Landes zu bewerben, in dem man lebt. Das Problem dabei ist, dass einige EU-Mitgliedsstaaten bestimmte Regeln für ihre Bürger aufgestellt haben. Belgier, Griechen und Luxemburger beispielsweise müssen wählen gehen.

An einer deutschen Staatsbürgerschaft dagegen gibt es "praktisch gesehen keine offensichtlichen Nachteile", sagt Worth. "Ich würde dringend empfehlen, die Bewerbung bis Juli 2018 abzugeben", dem frühesten Datum, an dem Großbritannien offiziell aus der EU austreten könnte. "Wenn das irgendwie geht, sollte man es tun."

Deutsches Recht besagt, dass man mindestens acht Jahre im Land gelebt haben muss, wenn man einen deutschen Pass will - sechs Jahre, wenn man bestimmte "Integrationsmaßnahmen" ergriffen hat. Außerdem müssen Bewerber ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen und Deutsch sprechen.

Der Prozess verkompliziert sich für diejenigen, die ihre britische Staatsbürgerschaft behalten möchten. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist ein Politikum für sich.

"Deutsch und ein anderer EU-Pass ist erlaubt", sagt Worth. "Aber wenn Großbritannien die EU verlässt, fällt es dann auch noch unter diese Regel? Wissen wir nicht. Aber wer einmal die doppelte Staatsbürgerschaft hat, dem kann sie nicht mehr aberkannt werden. Deswegen ist es wichtig, sich darum zu kümmern, bevor Großbritannien offiziell aus der EU austritt."

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