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Politik

Bremer bauen erste Galileo-Satelliten

Für das europäische Prestigeobjekt Galileo, pannengeplagt und oft schon totgesagt, ist der Startschuss gefallen: Die ersten Satelliten werden in Bremen bei der Firma OHB gebaut, entschied die EU-Kommission.

Grafik Satellitensystem Galileo (Archiv)

Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo: bald "Made in Germany"

Zuletzt trug der kleinere Bewerber den Sieg davon: Die ersten Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo werden in Bremen bei der Technologiefirma OHB gebaut. Die Bremer setzten sich bei dem Großauftrag unter anderem gegen die weit potentere deutsche EADS-Tochter Astrium durch.

Zentrale der OHB in Bremen (Foto: AP)

Spezialist für Raumfahrt- und Satellitentechnik: OHB, hier der Hauptsitz in Bremen

Der Raumfahrtspezialist OHB erhielt am Donnerstag (07.01.2010) von der EU-Kommission den Zuschlag für die Produktion der ersten 14 Satelliten. Bei der zweiten Tranche könnte auch der Konkurrent EADS-Astrium zum Zug kommen. Bei Industrie und Regierung in Deutschland machte sich Jubel breit. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sprach von einem Beweis für die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Deutsche Unternehmen vorn

Auf die OHB entfällt mit 566 Millionen Euro der bisher höchste Auftragswert des Milliardenprojekts. Es ist zugleich der größte Einzelauftrag in der Geschichte des Bremer Unternehmens. Vorstandschef Marco Fuchs gab sich zuversichtlich, das gigantische Satelliten-Projekt stemmen und dabei auch Gewinn machen zu können: "Wir sind ein Familienunternehmen, wir verwetten nicht Haus und Hof für so einen Auftrag." Erwartet werden zahlreiche neue Arbeitsplätze.

Mit der Systemunterstützung für Galileo wurde die italienische Firma ThalesAleniaSpace betraut. Arianespace aus Frankreich soll mit Sojus-Trägerraketen von Französisch-Guayana aus die Satelliten ins All schießen. Der erste Abschuss ist für Oktober 2012 geplant. OHB muss von 2012 bis 2014 liefern. Der Konkurrent EADS ist bereits an diesem Auftrag indirekt beteiligt, denn 40 Prozent des Volumens entfallen auf die britische EADS-Tochter SSTL, mit der die Bremer kooperieren.

Galileo immer teurer - späterer Gewinn ungewiss

Tajani vor Weltkugel (Foto: dpa)

Erleichtert präsentierte EU-Kommissar Tajani Details der Arbeitsteilung bei Galileo

Das Navigationssystem soll vom All aus metergenaue Ortsbestimmungen auf der Erde für Verkehr und Landwirtschaft ermöglichen. Die EU und die Europäische Weltraumorganisation ESA wollen damit die Dominanz des US-amerikanischen Dienstes GPS brechen. Galileo werde aber nicht nur mit GPS, sondern auch mit den Systemen Russlands und Chinas vernetzt, wie EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani in Brüssel erläuterte.

Das Ziel der EU ist ambitioniert, ob Galileo aber jemals Geld einbringen wird, gilt als höchst ungewiss. Der Kommissar räumte ein, dass Galileo insgesamt mehr kosten könnte als die bisher veranschlagten 3,4 Milliarden Euro aus EU-Mitteln. "Um ehrlich zu sein - wir können in der Zukunft Probleme bekommen, im Moment halten wir das Budget aber ein", sagte Tajani. Die Trägerraketen seien der größte Unsicherheitsfaktor, unter anderem wegen der Treibstoffkosten.

Chinesen und Russen schon dabei

Galileo hing wegen des Streits um die Finanzierung lange Zeit in der Luft und war erst in die Gänge gekommen, als die 27 EU-Staaten sich dazu durchrangen, das Megaprojekt mit Steuerzahlergeld zu stemmen und nicht mehr auf private Investoren zu hoffen.

Längst ist die Konkurrenz aus China ("Compass") und Russland ("Glonass") im Rennen, und auch die USA wollen eine modernisierte Version für GPS. Der Kampf um die Frequenzen könnte hart werden.

Autor: Siegfried Scheithauer (rtr, afp, apd, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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