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Europa

EU-Parlament billigt Galileo

Letzte Hürde genommen: Das Europaparlament gab grünes Licht für den Aufbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo. Die Aufträge werden neu ausgeschrieben und deutsche Unternehmen rechnen sich Chancen aus.

Eine Grafik illustriert das SatellitennavigationssystemGalileo, das mit 30 Satelliten ein weltumspannendes Netz zur Steuerung des Verkehrs knuepfen soll (ESA)

30 Satelliten sollen im Weltall einmal das Galileo-System bilden

Monatelang machte das milliardenschwere europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo vor allem Negativschlagzeilen. Doch nun hat das Prestigeprojekt die letzte Hürde genommen: Mit sehr großer Mehrheit hat das Europaparlament am Mittwoch (23.04.2008) dem größten Industrieprojekt Europas zugestimmt.

Grafik des ersten Galileo-Satelliten GIOVE-A

GIOVE-A, der erste Galileo-Satellit, umkreist bereits die Erde

Damit machten die Abgeordneten auch den Weg für die Ausschreibungen frei. Die EU-Kommission habe die Veröffentlichung der ersten Ausschreibungen noch vor der Sommerpause zugesagt, sagte der SPD-Abgeordnete Norbert Ganter. Bereits im Herbst sollen die ersten Aufträge vergeben werden. Zum Teil müssen die Aufträge neu vergeben werden, weil sich die Europäische Union mit dem ursprünglich ausgewählten Industriekonsortium zerstritten hatte. Als Konsequenz aus diesem Zwist soll der Aufbau des Systems nun komplett mit öffentlichem Geld bezahlt werden. Die EU plant dafür und für den Testbetrieb bis zum Jahr 2013 rund 3,4 Milliarden Euro ein.

Die EU erhofft sich von Galileo eine größere Unabhängigkeit von den USA. Bisher ist allein das amerikanische Navigationssystem GPS (Global Positioning System) kommerziell verfügbar. Es wird aber vom US-Verteidigungsministerium betrieben, das die zivile Nutzung jederzeit einschränken kann. Galileo soll dagegen vom Militär unabhängig sein.

Galileo soll "Leuchtturmprojekt für Europa" werden

Ein Blick ins Plenum des Europaparlaments in Straßburg. (dpa)

Das Europaparlament ebnete den Weg für Galileo

Die Vorsitzende des Industrieausschusses im Europaparlament, Angelika Niebler, lobte Galileo als "Leuchtturmprojekt für Europa": "Europa macht jetzt Nägel mit Köpfen", sagte sie. Bei der Auftragsvergabe müsse es nun "eine faire Aufteilung" zwischen den Mitgliedsstaaten geben, so die CSU-Politikerin weiter. Kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland - etwa Zulieferer von Komponenten, Software-Programmen oder Steuerungssystemen - hätten dabei gute Chancen. Die Industrie dürfe nun aber keine Zeit verlieren, mahnte sie.

Präzisere Ortsbestimmung als bei GPS angepeilt

Für das europäische Navigationssystem sollen 30 Satelliten in den Weltraum geschossen werden. Einer befindet sich bereits im All, am Sonntag (27.04.08) soll ein zweiter folgen. Er heißt GIOVE-B und wird vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gebracht.

Die Satellitenkette soll eine präzisere Ortsbestimmung ermöglichen als derzeit das amerikanischen Konkurrenz-System GPS. Die auf den Meter genauen Positionsmeldungen von Galileo sollen im Seeverkehr, auf der Straße und der Schiene, aber auch beispielsweise für Rettungsdienste, die Fischerei und die Landwirtschaft ganz neue Anwendungen ermöglichen. Vermutlich gebe es auch andere Anwendungen, die heute noch gar nicht absehbar seien, sagte Niebler. Schließlich habe vor einigen Jahren auch niemand geahnt, was heute alles mit einem Handy gemacht werden könne.

Auch deutsche Unternehmen warten auf Aufträge

Deutschland erhofft sich Aufträge zum Bau der Satelliten und für einen Teil der Bodenkontrolle. Darum wollen sich das zum europäischen Raumfahrtkonzern EADS gehörende Unternehmen Astrium in Ottobrunn sowie die Bremer OHB-Gruppe bewerben. Dass aber gleichzeitig zwei deutsche Bewerber zum Zug kommen, bezweifeln Experten.

"Für Bremen ist das eine große Chance, sich als zentraler Standort der europäischen Luft- und Raumfahrt zu positionieren", meinte die Bremer Europa-Abgeordnete der Grünen, Helga Trüpel. Astrium war bereits am Bau des Testsatelliten GIOVE-B beteiligt und hat einen Auftrag über vier der insgesamt 30 weiteren Aufträge an Land gezogen. Das Unternehmen betreibt Standorte auch in Frankreich, Spanien und Großbritannien. (kle)

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