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Afrika

Brasilien investiert in Afrika

Afrika und Südamerika - beide Kontinente hatten lange Zeit nur wenig Kontakt. Doch Brasilien hat inzwischen seine Chancen in Afrika entdeckt, sowohl was Handel und Investitionen als auch Politik und Diplomatie betrifft.

Die Präsenz brasilianischer Unternehmen in Afrika ist nicht mehr zu übersehen. Allein in Mosambik hat der brasilianische Bergbaukonzern Vale bisher mehr als 1,7 Milliarden Dollar, umgerechnet 1,3 Milliarden Euro, investiert, um in der Provinz Tete Kohle zu fördern. In Angola fördert die halbstaatliche Petrobras Erdöl, die Privatfima Odebrecht baut Straßen und Bürogebäude.

Auch der brasilianische Handel mit Afrika hat sich sprunghaft entwickelt. Von 2006 bis 2011 verdoppelte sich das bilaterale Handelsvolumen von 13 auf 25 Milliarden Dollar. Beim zweiten Blick fällt aber auf, dass auch andere Weltregionen ähnlich stark am steigenden brasilianischen Handel teilhaben konnten. Außerdem konzentriert sich die brasilianische Wirtschaftspräsenz in Afrika auf das wirtschaftliche Schwergewicht Nigeria und die portugiesischsprachigen Länder Angola und Mosambik.

Brasiliens Präsident da Silva mit Angolas Präsident dos Santos in Brasilien 2010. (Foto: AP Photo/Eraldo Peres)

Händedruck mit Effekt: Brasiliens Präsident da Silva mit Angolas Präsident dos Santos

Bisher wenig staatliche Mittel

Für mehr Handel und Investitionen in Afrika wäre zusätzliche staatliche Förderung nötig, meint der deutsche Sozialwissenschaftler Gerhard Seibert, der in Lissabon am Zentrum für Afrikastudien des Uni-Instituts ISCTE forscht: "Wir wissen ja, dass es beim Beispiel China auch vor allem staatliche Betriebe sind, die mit Unterstützung der Exportbank exportieren und investieren. Da haben Brasilien und Lateinamerika noch Nachholbedarf und Entwicklungspotential."

Das sieht auch der Präsident der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social), Luciano Coutinho, so. Für ihn ist die Finanzierung entscheidend, um die Wirtschaftskooperation voranzubringen. Daher möchte er sich bei der brasilianischen Regierung für mehr Kreditlinien einsetzen.

Brasilien ist ein beliebter Partner

Nicht immer ist der Handel Brasiliens mit Afrika unumstritten. So werden die Exporte von billigen, tiefgefrorenen Hähnchenteilen aus Brasilien dafür verantwortlich gemacht, dass lokale Hühnchenfarmer in Afrika vom Markt verdrängt werden.

Dennoch genießt die Kooperation mit Brasilien ein hohes Ansehen in der Region. Das geht auch auf die brasilianische Entwicklungshilfe zurück, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Das Profil der Entwicklungszusammenarbeit unterscheide sich dabei deutlich von der europäischer Hilfe, sagt Afrika-Forscher Gerhard Seibert. So gebe Brasilien keine Finanzhilfe und trage auch nichts zum Haushalt der Partnerländer bei. Große Infrastrukturprojekte, wie sie die Chinesen in Afrika umsetzen, würden durch Brasilien auch nicht finanziert.

Brasilien engagiere sich in der "Tropenmedizin, im tropischem Landbau und auch im Erziehungs- und Sozialwesen mit Programmen, die auch in Brasilien ziemlichen Erfolg gehabt haben", so Seibert. Das südamerikanische Land konzentriere seine Hilfe ganz gezielt auf Bereiche, die von den afrikanischen Partnern nachgefragt seien und bei denen die Brasilianer einen Wissensvorteil hätten, sagt Gerhard Seibert.

Capoeiratänzer in São Tomé e Príncipe (Foto: Agência Brasileira de Cooperação)

Brasilien fördert auch soziale Projekte in Afrika

Außerdem vermarktet Brasilien seine Zusammenarbeit gut. So werden in São Tomé und Príncipe beispielsweise Kurse im afro-brasilianischer Kampftanz Capoeira für sozial benachteiligte Jugendliche gefördert. Brasilien gibt sich als selbstbewußter und gezielt auf die Wünsche der Afrikaner eingehender Partner. Die bisher im Bereich Entwicklungszusammenarbeit investierten Summen seien allerdings recht gering, gibt Gerhard Seibert zu bedenken.


Savanne und Cerrado – ähnliche Klimazonen

In welchen Bereichen die Afrikaner von den Südamerikanern lernen könnten, hatte der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva auf einer Reise nach Kenia im Jahr 2010 klar gemacht: "Die afrikanische Savanne hat das gleiche landwirtschaftliche Potential wie der Cerrado Brasiliens. Die brasilianischen Unternehmer wissen, dass diejenigen, die vor 40 Jahren mit dem Auto durch den Cerrado fuhren, gesagt haben: 'Dieses Land taugt nichts, hier wachsen ja nicht einmal Bäume'. Aber mit etwas Technologie haben wir den Cerrado in die größte Kornkammer der Welt verwandelt. Die afrikanische Savanne könnte das Gleiche werden."

Umweltschützern dürfte allerdings bei Lulas Gedanken nicht wohl sein, wurden doch tausende Quadratkilometer biologisch vielfältiger Landschaften in Brasilien für Soja-Monokulturen untergepflügt.

Gerhard Seibert, Zentrum für Afrikanische Studien, Lissabon (Foto: Edlena Barros)

Gerhard Seibert vom Zentrum für Afrikanische Studien, Lissabon

Botschaften eröffnen und oft nach Afrika reisen

"Es gibt möglicherweise keinen anderen Staatschef, der während seiner Regierungszeit so oft afrikanische Länder besucht hat. Geschweige denn ein brasilianischer Präsident, der das jemals gemacht hätte." Für Gerhard Seibert ist der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva dafür verantwortlich, dass sich beide Kontinente näher gekommen sind. Innerhalb von acht Jahren sei er zwölf Mal in Afrika gewesen und habe dabei 31 Länder besucht. Außerdem habe Brasilien mittlerweile 37 Botschaften in Afrika. Bei seinem Amtsantritt seien es nur 17 Botschaften gewesen.

Damit spielen die Brasilianer diplomatisch inzwischen in einer Liga mit Ländern wie Deutschland. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn auch Brasilien bewirbt sich wie Deutschland um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Da sind gute Kontakte nach Afrika wichtig, um Mehrheiten für eine solche Reform der Vereinten Nationen zu erreichen.

Allerdings haben die Beziehungen zwischen Südamerika und Afrika zumindest politisch einen kleinen Rückschlag erlitten. Das dritte für den 15. und 16. Mai 2012 in Äquatorial-Guinea geplante bilaterale Gipfeltreffen wurde ohne Angabe von Gründen kurzfristig auf einen bisher unbestimmten Zeitpunkt verschoben.

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