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Kultur

Brandstiftung ist das Hauptproblem in Portugal

Verheerende Waldbrände wüten in Portugal und anderen Teilen Südeuropas. DW-WORLD sprach mit Johann G. Goldammer, Professor für Feuerökologie an der Universität Freiburg, über Ursachen und Hintergründe.

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DW-WORLD: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Waldbrände in Portugal schlimmer sind als die in Spanien oder Griechenland?

Johann G. Goldammer: Dass die wesentlich schlimmer sind, kann man so nicht sagen. Wenn wir rekapitulieren, was in den letzten Tagen und auch vor einigen Wochen in Spanien los war - die Anzahl der Toten, die Heftigkeit der Brände dort -, dann ist das durchaus vergleichbar. Die Feuer haben dazu geführt, dass es viele Unfälle und auch viele Opfer gab. Die Feuer haben sich teilweise an Dörfer und Siedlungen heran gefressen, so dass es eine ganze Menge Schäden gegeben hat. Im übrigen Mittelmeerraum ist es vergleichbar ruhig.

Wie sehen die Wälder in Portugal aus? Macht die Waldstruktur besondere Probleme?

Waldbrände in Portugal

Mit Eimern kämpfen die Menschen gegen das Feuer.

Hier brennt ganz normales Wald- und Buschland. Das brennt während der trockenen Sommerzeit überall im Mittelmeerraum. Das Hauptproblem sind dabei die Feuer, die absichtlich gelegt werden. Der andere Grund liegt in der Vegetationsstruktur: Die hochintensiv bewirtschafteten Plantagen, die für die Zellstoffproduktion aufgeforstet wurden, sind hoch entzündlich. Die Intensität der Bewirtschaftung richtet sich hier ausschließlich auf die Maximierung des Holzertrages. Das hat dazu geführt, dass man die Pflege, also zum Beispiel das Unterholz zu entfernen, vernachlässigt hat. Das ist ein Phänomen, das es in vielen anderen Ländern der Welt auch gibt, wo solche Plantagen aufgebaut werden.

Würden Sie sagen, dass es auch am Umweltbewusstsein der Bevölkerung mangelt?

Ich würde zunächst das Augenmerk auf den Investor und auf die Betriebe richten, die die Aufforstungen machen. Die scheinen sich nicht nach den fachlich notwendigen Grundsätzen der Bewirtschaftung solcher Wälder zu richten. In den öffentlichen Wäldern sieht es dagegen so aus, dass diese inzwischen nicht mehr so intensiv genutzt werden wie früher. In den Wäldern befindet sich dann viel Buschwerk - und damit viel Brennmaterial in Form von abgestorbenen Ästen und Zweigen, kleineren Bäumen und Büschen.

Waldbrände in Portugal weiten sich aus

Nahezu 150.000 Hektar hat das Feuer bereits verbrannt.

Das ist eine Folge des Exodus der ländlichen Bevölkerung in die Städte. Die Dörfer in den südeuropäischen Ländern vergreisen zunehmend. Die pflanzliche Biomasse wird nicht mehr so intensiv genutzt wie vor 20 oder 30 Jahren. Damals wurden auch kleine Stückchen Holz genutzt zum Heizen und Kochen. Heute verwildert die Landschaft und wird immer anfälliger für Feuer. Zwar hat es Portugal und Spanien schon immer Feuer gegeben, aber heutzutage sind die Feuer von einer Intensität und Heftigkeit, die man vor 30, 40 Jahren nicht gekannt hat.

Es wurden Vorwürfe laut, die Zerstückelung der Ländereien und chaotisch geführte Grundbücher seien ein Teil des Problems. Wie sehen Sie das?

Sobald irgendwelche Unklarheiten im Hinblick auf Eigentum und die Verantwortung dafür bestehen, dann gibt es Probleme. Verantwortung heißt, dass es Vorschriften gibt: Ein Landeigentümer hat Vorkehrungen zu treffen, um Feuerschutz zu gewährleisten. Wenn sich nicht klar festnageln lässt, wer der verantwortliche Eigentümer ist, dann entsteht eine Grauzone des Nichtstuns.

Ist die Dürre Schuld an den Bränden oder die Bevölkerung, die zu nachlässig mit dem Wald umgeht? Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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