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Kultur

Brandrodungen nehmen Malaysia den Atem

Durch Brandrodungen in Indonesien können sich die Menschen in Teilen Malaysias nur noch mit Mundschutz auf die Straße wagen. Die Regierung hat wegen der Rauchschwaden für die betroffene Region den Notstand ausgerufen.

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Kuala Lumpurs Skyline vor der Luftverschmutzung (l.) und danach

Das Wahrzeichen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, die Spitzen der Petronas-Türme, die als zweithöchste Gebäude der Welt gelten, sind vom Boden aus kaum noch zu sehen. Die dichten Rauchschwaden, die von der indonesischen Insel Sumatra und Kalimantan im indonesischen Teil von Borneo herüberziehen, sind die Folge von unkontrollierten Waldbränden. Diese wurden von der dortigen Bevölkerung absichtlich gelegt.

"Die Feuer kommen aus der Plantagenwirtschaft und durch den Brandrodungsfeldbau", erklärt Howard Loewen vom Asien-Institut der Universität Hamburg. "Wir haben insbesondere auf Kalimantan eine blühende Plantagenwirtschaft, wo Ölpalmen und Nutzholzpflanzen angebaut werden. Und um diese Plantagen zu vergrößern, wird häufig die Brandrodung benutzt." Noch mehr Feuern würden von Wanderarbeitern gelegt, sagt Loewen.

Malaysia: Kinder tragen Atemmasken in Kuala Lumpur aufgrund von Rauch

In Kuala Lumpur muss man Atemmasken tragen

Brandrodung durch Wanderarbeiter

Die Wanderarbeiter nutzen die Waldgebiete, um durch Brandrodung Felder für die Selbstversorgung nutzbar zu machen. Dabei geraten die Feuer in der gegenwärtigen Trockenzeit schnell außer Kontrolle. Zwar sind Hunderte von indonesischen Feuerwehrleuten im Einsatz, doch gegen die knapp 100 verschiedenen Brandherde sind auch sie machtlos.

So ziehen weiterhin dichte Rauchschwaden über die Straße von Malakka Richtung Malaysien. Der Betrieb auf Malaysias internationalen Flughäfen wurde bereits aufgrund schlechter Sicht unterbrochen, auch die wichtigen Seerouten auf der viel befahrenen Straße von Malakka sind durch den dichten gelben Nebel betroffen.

Waldbrand in Indonesien, Malaysia

Tropfen auf den brennenden Wald: Brandbekämpfung in Indonesien

Der jetzt aufgrund der hohen Luftverschmutzung in den Regionen um Kuala Lumpur ausgerufene Notstand gestattet es nur noch Lebensmittelgeschäften zu öffnen. Alle anderen Geschäfte und Betriebe sind geschlossen, ebenso die Schulen. Die Bevölkerung ist aufgefordert, zuhause zu bleiben und wenn, dann nur mit Atemschutz die Straße zu betreten.

Die Fälle von Atembeschwerden haben sich mehr als verdoppelt. Der wirtschaftliche Schaden ist bisher kaum einschätzbar, doch dürfte er sich auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen, schätzt Loewen: "Die Folgen sind natürlich auch anderweitig fatal - gesundheitlich fatal für die Menschen, aber auch ökonomisch: Investoren schrecken vor geplanten Investitionen zurück und der gesamte Wirtschaftsverkehr ist dadurch belastet."

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Milliarden-Schäden

Die gegenwärtige Situation erinnert viele Beobachter an die Jahre 1997 und 1998, als ganz Südostasien ebenfalls unter einer durch Waldbrände verursachten Rauchdecke verschwand. Der volkswirtschaftliche Folgeschaden dürfte damals bis zu zehn Milliarden US-Dollar erreicht haben. Zwar gibt es auf der regionalen Ebene seit September 2003 ein Abkommen über grenzüberschreitende Luftverschmutzung, mit dem sich die Staaten in dieser Region zum ersten Mal des Problems angenommen haben. Doch die Umsetzung sei schwierig, erklärt Loewen: "Wie viele andere Abkommen in der Region Südostasien hat auch dieses Abkommen wenig Wirkkraft, weil es Staaten nicht dazu zwingen kann, sich an bestimmte Auflagen zu halten."

Dabei ist gemeinsames Handeln dringend erforderlich, denn die dichten Rauchwolken über Indonesien und Malaysia sind nur das Symptom einer noch viel schlimmeren Umweltkatastrophe: Dem rasanten und unwiderruflichen Verschwinden der Urwälder auf Borneo und Sumatra mit ungeahnten Folgen für Umwelt und Klima.