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Kultur

Boxlegende Max Schmeling ist tot

Deutschlands populärster Boxer Max Schmeling ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Legendär wurde Schmeling nach seinem WM-Sieg 1930 gegen Jack Sharkey und einem K.o.-Sieg gegen den "Braunen Bomber" Joe Louis 1936.

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Max Schmeling und der Amerikaner Jack Sharkey kämpfen um den WM-Titel (12.6.1930)

Schmeling starb bereits am Mittwoch (2.2.2005) und wurde am Freitag im engen Freundeskreis in seiner Heimatgemeinde Hollenstedt bei Hamburg beigesetzt. Eine offizielle Trauerfeier mit Bundespräsident Horst Köhler soll noch im Februar im Hamburger Michel stattfinden.

Die Sportlegende war Deutschlands einziger Boxweltmeister im Schwergewicht. Den WM-Titel erwarb er erstmals am 12. Juni 1930 in einem Kampf gegen den Amerikaner Jack Sharkey. Nach einer erfolgreichen Titelverteidigung in Cleveland am 3. Juli 1931 durch technischen K.o. in der 15. Runde gegen Young Stribling (USA) musste er am 21. Juni 1932 in New York nach einer Punktniederlage gegen Sharkey die WM-Krone wieder abgeben.

Der Kampf gegen Louis

Max Schmeling gestorben

In der 12. Runde besiegt Max Schmeling seinen Gegner Jack Sharkey durch ein K.o. (12.6.1930)

Seine weltweite Berühmtheit verdankte Schmeling aber vor allem dem ersten von zwei Kämpfen gegen den als unschlagbar geltenden "Braunen Bomber" Joe Louis. Den Amerikaner bezwang er in einem Kampf am 19. Juni 1936 im New Yorker Yankee Stadium vor 42.000 Zuschauern auf spektakuläre Weise in der 12. Runde durch K.o. Die Boxnation USA war schockiert. Während in Deutschland unglaublicher Jubel über den Triumph Schmelings ausbrach, hing Schmeling in den USA fortan das Image des "Ugly Germans" an. Erst nach einem Wiedersehen und der Aussöhnung mit Joe Louis 1954 wurde Schmeling in der USA rehabilitiert.

Distanz zu den Nationalsozialisten

Die Nationalsozialisten missbrauchten die Erfolge Max Schmelings für Propagandazwecke und feierten dessen Sieg über Louis 1936 als Beweis "arischer Überlegenheit". In den Kinos wurde der Kampf unter dem Titel "Max Schmelings Sieg - ein deutscher Sieg" aufgeführt.

Zu einer Neuauflage des Kampfes gegen Joe Louis kam es am 22. Juni 1938. Der Kampf endete mit in einer deutlichen Niederlage für Schmeling, der schon in der Eröffnungsrunde durch ein K.o. zu Boden ging. Jahre später beurteilte Schmeling diese Niederlage gelassen: "Ein Sieg über Joe Louis hätte mich vielleicht zum Parade-Arier des Dritten Reichs gemacht", schrieb er in seinen Erinnerungen" (1977). Schmeling war stets um Distanz zu den NS-Größen bemüht. Der von der Reichssportkammer geforderten Trennung von seinem jüdischen Manager Joe Jacobs widersetzte er sich. In der Reichspogromnacht 1938 ("Reichskristallnacht") versteckte er die Kinder eines jüdischen Freundes.

Vorbild in Anstand und Fairness

Schmeling war bereits zu Lebzeiten zur Legende geworden. In insgesamt 70 Profikämpfen errang er 56 Siege (davon 39 durch K.o), musste zehn Niederlagen einstecken und erboxte vier Unentschieden.

In den letzten Jahren hatte er sein Anwesen vor den Toren Hamburgs kaum noch verlassen. Sein Freundeskreis hielt aber ständigen Kontakt, und fast bis zuletzt verfolgte "Maxe" mit wachem Interesse das Geschehen in der Welt.

Max Schmeling gestorben

Max Schmeling vor einem Gemälde des WM-Kampfes mit Jack Sharkey

Auf den Tod Schmelings reagierte die deutsche Öffentlichkeit mit Betroffenheit. "Max Schmeling war für Generationen von Menschen ein Idol", erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Zeit seines Lebens zählte er zu den bekanntesten und beliebtesten Sportlern in unserem Land." Nicht allein wegen seiner einzigartigen Erfolge im Boxsport, sondern vor allem der Mensch und Privatmann Max Schmeling sei über die Grenzen Deutschlands hinaus hoch geschätzt und geachtet.

Auch Bundespräsident Horst Köhler lobte den Ausnahmesportler für Anstand und Fairness, Menschlichkeit und Bescheidenheit. Mit "Maxe" Schmeling stirbt nicht zuletzt ein Vorbild für den "sauberen" Sport. (pep)

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  • Datum 04.02.2005
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6CbH
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