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Aktuell Welt

Bo Xilai wettert weiter gegen Zeugen

In China sorgt der Prozess um den Ex-Politstar Bo Xilai für Aufsehen: Demos vor dem Gericht, Aufmarsch dutzender Polizisten und eine echte Seifenoper auf der Anklagebank.

Korruptionsverfahren oder Rosenkrieg vor dem Scheidungsanwalt? Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Bo Xilai attackierte der gefallene chinesische Politiker verbal seine Ehefrau Gu Kilai. Sie sei "verrückt", sagte der 64-jährige Bo, nach Gus Videoaussage. Die Behörden hätten seine Ehefrau dafür unter Druck gesetzt.

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Prozessauftakt gegen Chinas Ex-Politstar Bo Xilai (22.08.2013)

Die selbst wegen Mordes verurteilte Anwältin bestätigte in dem Video, dass ihr Ehemann über Bestechungszahlungen eines Geschäftmannes informiert war. Auf Nachfrage gab sie zu, dass sie ihn persönlich über die Zahlungen und Geschenke des Geschäftsmannes Xu Ming in Kenntnis gesetzt hatte. Bo erwiderte daraufhin, seine Frau sei geistig instabil.

Vom Hoffnungsträger zum Angeklagten

Dem 64-jährigen früheren Politbüromitglied werden Korruption, Veruntreuung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Das Verfahren gegen ihn war ausgelöst worden durch den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood. Der Freund der Familie war 2011 in einem Hotelzimmer der Metropole Chongqing, wo Bo Vorsitzender der regierenden Kommunistischen Partei war, vergiftet aufgefunden worden. Seine Frau Gu Kailai wurde später wegen des Mordes verurteilt.

Der Prozess sorgt in China für großes Interesse. Die Videoaussage Gu Kailais, die im Internet veröffentlicht worden war, wurde innerhalb kürzester Zeit mehr als eine Million Mal angeklickt. Schon am ersten Verhandlungstag kam es vor dem Gerichtsgebäude in Jinan in der Provinz Shandong zu Demonstrationen. Die Polizei nahm mehrere Anhänger Bos fest. Der frühere Politiker hatte sich zum Prozessauftakt vehement gegen belastende Zeugenaussagen zur Wehr gesetzt.

Der charismatische und ehrgeizige Bo galt lange als aufstrebender Politiker und Kandidat für höchste Führungsposten der Kommunistischen Partei. Beobachter erwarten einen kurzen Schauprozess, mit dem die Staatsführung ein Exempel für ihren verschärften Kampf gegen Korruption statuieren will. Der Prozess soll am Samstag fortgeführt, das Urteil vermutlich im September verkündet werden. Bo drohen zwischen 15 Jahren und lebenslanger Haft.

nis/sti (afp, rtr, dpa)

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