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Zivile Opfer im Irak

Blutiges Jahr im Irak

2016 war wieder ein Jahr der Gewalt für den Irak. Nach dem Bericht einer Nichtregierungsorganisation wurden dort tausende Zivilisten getötet. Die Menschen in den vom IS kontrollierten Gebieten leiden besonders.

Es war ein blutiger Abschluss eines blutigen Jahres: Bei einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt im Stadtviertel al-Sinek in Bagdad wurden an Silvester 27 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Seit der US-Invasion 2003 kommt der Irak nicht zur Ruhe. Die Gewalt war auch im Jahr 2016 alltäglich. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 16.361 Zivilisten in dem Land getötet. Das geht aus einem Bericht des Projekts "Iraq Body Count" (IBC) hervor. Zwar ist die Zahl der getöteten Zivilisten im Vergleich zu den Vorjahren (2015: 17.578; 2014: 20.218) leicht zurückgegangen. Im Vergleich zu der Zeit vor 2013, als jährlich zwischen 4000 und 5000 Zivilisten getötet wurden, liegt sie jedoch weiter auf hohem Niveau. "Im Durchschnitt wurden pro Monat mehr als 1300 Zivilisten getötet, Ausnahme ist der September mit einem Tiefststand von 935, auf den jedoch unmittelbar der Höchststand von mehr als doppelt so vielen Opfern im Oktober folgte (1969)", heißt es in dem Bericht. Über drei Viertel der Opfer waren demnach männlich. Jeweils etwas mehr als ein Zehntel waren Frauen und Kinder.

Infografik getötete Zivilisten in Irak 2014-2016 DEUTSCH

Gewalthochburg Mossul

Die Gewalt ist geografisch ungleich verteilt. Knapp die Hälfte der zivilen Opfer, 7431 Menschen, wurde in der Provinz Ninive getötet, in der auch die Millionenstadt Mossul liegt. "Besonders Mossul (und Umgebung) erlebt den bislang höchsten dort gemessenen Grad an Gewalt", schreiben die Autoren in dem Bericht. Die irakische Armee führt seit Oktober eine Offensive zu Rückeroberung der Millionenstadt, die seit Sommer 2014 unter Kontrolle des IS steht. Laut UNHCR begeht der IS aus Vergeltung in der Stadt und im Umland schwerste Verbrechen und verwendet Zivilisten als menschliche Schutzschilde.

In der Hauptstadt Bagdad wurden 3714 Zivilisten getötet. Darauf folgen die Provinz Anbar (1742) und Tameem (1085). Vergleichsweise sicher sind die Provinzen im Süden des Landes sowie die von den Kurden gehaltenen Gebiete im Norden.

Todesursache Hinrichtung

Der IS hat im vergangenen Jahr weite Teile des von ihm kontrollierten Gebietes im Irak verloren. Die irakischen Streitkräfte haben die Dschihadisten mit Hilfe schiitischer Milizen und US-Luftunterstützung aus vielen Städten vertrieben. Dennoch ist der IS für rund zwei Drittel der getöteten Zivilisten verantwortlich. Etwa 2000 Zivilisten kamen durch Luftangriffe der US-geführten Koalition gegen den IS ums Leben, gut 500 mehr als im Vorjahr. Bei rund 4400 zivilen Opfern ließ sich laut IBC nicht feststellen, wer für den Tod verantwortlich war.

Besonders blutige Anschläge lenken immer wieder die Aufmerksamkeit auf den Irak. Besonders schockierend war der Anschlag auf das belebte Einkaufsviertel Karrada in Bagdad Anfang Juli, bei dem 324 Menschen ihr Leben verloren. Es war der schlimmste Anschlag in der Geschichte der Hauptstadt. Der Großteil der im vergangenen Jahr getöteten Zivilisten, nämlich 7170, wurde jedoch nicht durch Anschläge getötet, sondern durch Hinrichtungen, davon wurden 6363 Menschen vom IS exekutiert. Auch in den beiden Vorjahren waren Hinrichtungen die häufigste Todesart. Besonders erschreckend: Unter den Hingerichteten sind mehr als 200 Kinder. Knapp 5200 Iraker wurden bei Anschlägen getötet. Die Anzahl der Selbstmordanschläge verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 1664. Rund 2900 Zivilisten starben durch Luftangriffe und Beschuss.

Irak Bagdad Anschlag Karrada Einkaufszentrum (Getty Images/AFP/S. Arar)

Der Anschlag im Einkaufsviertel Karrada im Juli war der schwerste in der Geschichte Bagdads

Arbeitsweise des IBC

Das IBC wurde von den Aktivisten John Sloboda und Hamit Dardagan gegründet. Es besteht aus Freiwilligen in den Großbritannien und den USA. Die Zahlen im Bericht sind keine Schätzungen, sondern eine Sammlung dokumentierter Fälle. Die Organisation bezieht ihre Daten aus der Berichterstattung in den Medien, von NGOs und Augenzeugen, sowie offiziellen Statistiken und Verlautbarungen der Behörden. Auf ihrer Webseite veröffentlichen die Aktivisten alle Daten, die in die Zählung mit einfließen. Der IBC-Bericht gilt somit als verlässlichster Datensatz über zivile Opfer im Irak.

Die Vereinten Nationen geben die Zahl der getöteten Zivilisten im vergangenen Jahr mit 6878 an, weisen aber darauf hin, dass die Opfer in den Monaten Mai, Juli, August und Dezember in der Provinz Anbar nicht mit ihn die Statistik eingeflossen sind. Hinzu kommt, dass die UN die Daten, die ihrer Statistik zugrunde liegen, nicht veröffentlichen.

 

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