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Afrika

Bischof Doeme: "Wir sind Zielscheibe von Boko Haram"

Nigerias Militär scheint den Vormarsch von Boko Haram vorerst gestoppt zu haben. Die Regierung müsse endlich auch die Unterstützer des Terrors bestrafen, fordert Oliver Dashe Doeme, der katholische Bischof von Maiduguri.

DW: Herr Dashe Doeme, wie erleben Sie derzeit die Lage in Maiduguri?

Oliver Dashe Doeme: Es ist inzwischen etwas ruhiger geworden. Bis vor kurzem herrschten hier Angst und Unsicherheit, denn es kursierten Gerüchte, dass Boko Haram kurz vor der Einnahme der Stadt stehe. Aber die jüngsten Meldungen aus Konduga (Anm. d. Redaktion: Stadt, etwa 40 Kilometer südöstlich von Maiduguri) haben geholfen, die Menschen zu beruhigen. Dort haben Militärs es geschafft, den Vormarsch von Boko Haram zu stoppen, sie haben auch einige Kämpfer getötet und Waffen beschlagnahmt. Nach diesen Erfolgen hat sich das Leben wieder weitgehend normalisiert.

Wie sehr beeinflusst die Angst vor dem Terror denn den Alltag der Menschen in Maiduguri?

Diese Krise legt das politische, soziale, religiöse und wirtschaftliche Leben lahm. Viele Menschen sind wegen der Anschläge von Boko Haram schon aus der Stadt geflohen und suchen Schutz in anderen Orten, die sicherer sind - und diese Flüchtlinge sind Händler, die das wirtschaftliche Leben in Maiduguri sehr stark geprägt haben. Bestimmte Dinge, die man vorher problemlos bekommen hat, kann man hier jetzt einfach nicht mehr kaufen. Boko Haram hat die Wirtschaft in Maiduguri kaputtgemacht.

Es gibt Berichte, die behaupten, Sie und ihre Mitarbeiter hätten Maiduguri längst verlassen, in eine sicherere Gegend. Wo halten Sie sich derzeit auf?

Oliver Dashe Doeme, Bischof von Maiduguri, Nigeria (Foto. U. Shehu/DW)

Bischof Oliver Dashe Doeme

Ich habe Maiduguri nicht verlassen, ich bin nach wie vor in der Stadt. Im August war ich in den USA, als ich zurückkam, bin ich nach Yola gereist um die Flüchtlinge zu sehen, die sich aus dem Norden dorthin gerettet haben. Ich wollte ihnen Mut machen und ihnen Hoffnung geben. Ich habe zuerst einige Priester getroffen und dann die Menschen in der Stadt. Natürlich haben sie sich gefreut, ihren geistlichen Führer zu sehen. In der vergangenen Woche bin ich dann zurück nach Maiduguri gekommen. Ich habe mich also nicht aus der Stadt zurückgezogen. Einige meiner Priester haben Zuflucht in Yola gefunden, mit Erlaubnis des Bischofs dort.

Welche Folgen hat die Gewalt in der Region auf ihre Diözese?

Wenn es um den Verlust an Leben, Eigentum und Gebäuden geht, hat die Kirche in jeder Hinsicht erheblich gelitten. Das ist wirklich verheerend für uns. Die Diözese Maiduguri ist von der Fläche her die größte in Nigeria und umfasst die Bundesstaaten Borno, Yobe und den Norden von Adamawa. Anschläge gab es ja nicht nur in Maiduguri Stadt oder in Damaturu, auch viele Dörfer in der Region wurden angegriffen. Unsere Kirchen dort, die Katholiken sind zur Zielscheibe von Boko Haram geworden. Gott unterstützt uns - und das ist der Grund, weshalb wir überleben, auch wenn schon viele von uns umgebracht worden sind.

Sie haben vor Kurzem der nigerianischen Regierung vorgeworfen, nicht genug zu unternehmen, um die Sicherheitslage im Land zu verbessern. Was genau kritisieren sie?

Die Regierung muss das Militär endlich mit den nötigen Waffen ausstatten, damit sie den hochgerüsteten Terroristen effektiv entgegentreten können. Die Boko Haram Kämpfer sind gut ausgebildet, haben viele Waffen und deshalb sind sie oft überlegen, wenn es zu Auseinandersetzungen mit dem Militär kommt. Die Soldaten treten dann einfach den Rückzug an, sie rennen regelrecht weg vor Boko Haram.

Gerade erst fand eine Konferenz der katholischen Bischöfe in Nigeria statt. Was haben Sie dort diskutiert?

Wir haben viele Dinge besprochen, aber ein Hauptthema war die Sicherheitslage in unserem Land. Es geht ja um viele Morde, besonders an Christen, aber auch an Muslimen. Die Bombenanschläge sind willkürlich, und unter den Opfern sind immer wieder auch Muslime. Die Bischöfe fordern also von der Regierung, dass Menschenleben und Besitz besser geschützt werden. Und die Regierung muss sicherstellen, dass diejenigen bestraft werden, die den Terror unterstützen und finanzieren. Boko Haram bekommt seine Waffen doch nicht vom Himmel. Es gibt Leute, die sie liefern. Die muss die Regierung ausfindig machen und zur Verantwortung ziehen. Und eines der größten Probleme dieses Landes ist die Korruption: Leute geben ohne Rücksicht Geld aus, das eigentlich der Öffentlichkeit gehört - und niemand fragt danach oder fordert Rechenschaft. Das muss aufhören.

Oliver Dashe Doeme ist seit 2009 katholischer Bischof von Maiduguri, und verantwortlich für die Bundestaaten Borno, Yobe und den Norden von Adamawa. In der vom Islam geprägten Region leben nach Angaben der Diözese rund 120.000 Katholiken.

Das Interview führte Ahmed Salisu (DW Haussa).

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