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Asien

Birma entdeckt den Dokumentarfilm

Seit dem politischen Wandel ist in Birma viel los. Jenseits der politischen Großereignisse dokumentieren einheimische Filmmacher das gesellschaftliche Leben. Eine Filmschule aus Berlin unterstützt sie dabei.

***Achtung: Nur zur mit YFS abgesprochenen Berichterstattung verwenden!*** Regisseur Thu Thu Shein A Million Threads (15’20”) 2006 Synopsis Every year on a full moon night in November, thirty women gather at Shwe Phone Pwint Pagoda in the Pazundaung district of Myanmar’s former capital Yangon to take part in a competition known as Matho Thingan. Their task is to weave the finest robes for the temple’s Buddha images. All robes must be finished by dawn otherwise they are considered ‘stale’.

Filmszene A Million Threads

Daw Ni Lang lebt, arbeitet und lacht in Yangon, der gößten Stadt von Myanmar. Die kräftig zupackende Frau scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Aber wenn sie über ihre Kinder spricht, steigen ihr Tränen in die Augen. Sie hat fünf Kinder, von denen vier nicht mehr in Myanmar leben.

Aus dem Einzelschicksal einer Familie im südostasiaischen Land machte der myanmarische Regisseur Zaw Naing Oo einen Film, der eine universale Geschichte erzählt: allein lebende Eltern, deren Kinder von zu Hause fortgegangen sind, um zu arbeiten. Zugleich zeigt der Film aber die besondere Situation Myanmars. Die Kinder sind ausgewandert, da die Militärregierung die Schulen und Universitäten geschlossen hat. Ihnen blieb nur der Weg ins Ausland, um ihre Ausbildung abzuschließen.

Es gelingt dem Filmemacher Oo, mit bewegenden Bildern die tiefgreifenden Veränderungen im Alltag der Menschen zu schildern, die in einer Militärdiktatur leben. Er gehört zu einer wachsenden Gruppe von Dokumentarfilmern aus Myanmar.

Lebensspuren finden und festhalten

***ACHTUNG: Bild darf nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die YFS verwendet werden!*** Lindsey Merrison; Direktorin der Yangon Film School e.V. aus Berlin (c) Lindsey Merrison eingestellt im Juli 2012

Lindsey Merrison, Direktorin der Yangon Film School e.V. Berlin

Dass in Myanmar Dokumentarfilme gedreht werden, macht die Yangon Film School e.V. (YFS) möglich. Die Schule wurde 2005 von der passionierten Filmemacherin und Dokumentarfilmerin Lindsey Merrison gegründet. Merrison glaubt zwar nicht daran, dass der Film als künstlerische und gesellschaftskritische Darstellungsform eine Gesellschaft insgesamt ändern kann. Aber der Dokumentarfilm kann natürlich "die Meinung der Menschen ändern oder Aufklärungsarbeit leisten", so Merrison.

Dabei gehe es nicht darum, eine bestimmte These zu illustrieren oder eine politische Agenda zu verfolgen, sondern es gehe um Geschichten: "Der Dokumentarfilmer geht hinaus und begibt sich auf eine Suche. Man sucht nach Spuren, ohne vorher zu wissen, worum es geht."

Irreale Anfänge in Rangun

Myanmar ist reich an Geschichten und es gibt genug talentierte Filmschaffende. Allerdings fehlt es oft an technischen Voraussetzungen und handwerklichem Knowhow, um die Geschichten angemessen umzusetzen.

Diese Erkenntnis machte Merrison 2004 während der Arbeit an einem eigenen Film in Myanmar. Sie erzählt im Gespräch mit der DW, wie neugierig die Menschen während der Dreharbeiten damals waren. Sie wollten mehr erfahren über Dokumentarfilme und wie man sie macht.

Daraufhin gründete Merrison 2005 die YFS. Sie aktivierte ihr Netzwerk von Filmemachern aus der ganzen Welt, um Tutoren und Ausbilder zu finden, die ihr Wissen an die Schüler weitergeben wollten. Das war Jahre vor Beginn der Öffnung Myanmars. Die bürokratischen Hürden schienen schier unüberwindlich. Mit Hartnäckigkeit und Engagement gelang es schließlich doch: "Aber es war irreal, als wir das gemacht haben, für Tutoren gleichermaßen wie für die Teilnehmer", erzählt Merrison. "Keiner konnte glauben, dass wir für drei Wochen unter einem Dach von morgens bis abends Filme sichten, besprechen und machen würden."

Die Eltern telefonieren mit einem Kind, das seit Jahren nicht mehr in Myanmar lebt.

Filmszene aus dem Film "Empty Nest" von Zaw Naing Oo.

Wichtig war Merrison, nicht mit dem Gestus einer Kulturkolonialistin aufzutreten, wie sie im Gespräch betont. "Wir sind sicherlich keine Kulturimperialisten, die gekommen sind, um den Birmanen zu zeigen, wie es richtig gemacht wird." Sie erweckt vielmehr den Eindruck einer Art Hebamme, die den myanmarischen Filmemachern hilft, ihre eigenen Ideen zur Welt zu bringen. Auch auf diese Weise kann sie Spuren hinterlassen: "Ich würde aber lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht irgendwas hinterlassen wollte."

Die Zukunft des Films in Myanmar

Mit Hilfe des Goethe-Instituts, der Europäischen Union und verschiedener Stiftungen ist die YFS inzwischen zu einer wichtigen Größe in der myanmarischen Filmszene geworden. "Wir haben das Verständnis für den Dokumentarfilm im Land kreiert", sagt Merrison und fährt fort: "Für uns ist er ein Sprungbrett. Aus dem Dokumentarfilm können viele andere Sachen wachsen. Es kann Richtung Journalismus oder Spielfilm gehen."

Die Schüler der ersten Generation arbeiten heute zum Teil als selbstständige Tutoren. Das zeigt, dass es der YFS gelungen ist, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Ihre Dokumentarfilme sind mehrfach auf internationalen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet worden. Merrision wünscht sich, dass man in Zukunft "viel mehr Filme von Birmanen über Birma in Birma" sehen kann.

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