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Wirtschaft

Billiger produzieren in der Ukraine

Seit den umstrittenen Stichwahlen wird die politische Lage in der Ukraine immer chaotischer. Auch die deutsche Wirtschaft ist besorgt - die Ukraine gilt als wichtiger Investitionsstandort.

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Ukraine: beliebter Standort für deutsche Unternehmen

Rund 400 Millionen US-Dollar haben deutsche Unternehmen nach Regierungsangaben schon in der Ukraine investiert. Mehr als 1000 Firmen aus Deutschland sind bereits in dem ex-sowjetischen Land vertreten.

80 Prozent Arbeitslosigkeit

In Novuj Rosdil sitzen knapp fünfzig Frauen in weißen Schürzen an den Werkbänken einer kleinen Fabrik, gut zwei Autostunden von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt. Sie arbeiten für den deutschen Automobilzulieferer ODW-Elektrik, schneiden Kabel zurecht, montieren Stecker und Schalter - Akkordarbeit per Hand.

Ljuba war früher als Konstrukteurin in einem Betrieb beschäftigt. Ihre jetzige Arbeit ist weit unter ihrem Niveau, aber sie war jahrelang arbeitslos und ist jetzt froh über diese wenig prestigeträchtige Arbeit. Seit das Schwefelwerk geschlossen wurde, beträgt die Arbeitslosenquote rund um die Stadt Novuj Rosdil rund 80 Prozent - darunter viele Frauen. Wer Glück hat, bekommt einen Job in der neuen Fabrik, auch an diesem Tag stehen 25 Frauen vor der Tür und warten auf ihr Vorstellungsgespräch. Wer vor Ort keine Arbeit findet, geht in die Länder der Europäischen Union und arbeitet dort schwarz oder als Putzfrau.

Deutsche Firmen als Hoffnungsträger

Die Ansiedlung von deutschen Firmen wird daher in der Ukraine als Chance gesehen, für hiesige Verhältnisse zahlt ODW gut. Dabei sind die Lohnkosten gut 30 Prozent niedriger als in den neuen EU-Beitrittsländern, sagt Michael Traud, Produktionsleiter im ukrainischen Werk. Für die deutschen Unternehmen ein entscheidender Grund, um sich anzusiedeln.

Traud war vorher in Ungarn, wo das Unternehmen ebenfalls Kabelsätze für Autobauer in Deutschland produziert. Doch dort steigen mittlerweile die Löhne. Um konkurrenzfähig zu sein zu können, bleibe nur der Gang weiter nach Osten, sagt auch Werner Geillinger, Chef von Leoni, dem derzeit größten deutschen Automobil-Zulieferer in der Ukraine, der vor allem für General Motors arbeitet.

Hohes Wirtschaftswachstum im Osten Europas

Metro Bilanz

Metro denkt über Investionen in der Ukraine nach

Die Ukraine scheint mit einem Wirtschaftswachstum von gut 13 Prozent im ersten Halbjahr 2004 und steigender Kaufkraft für immer mehr Unternehmen interessant, knapp 1000 deutsche Firmen sind schon da. Und auch Handelsketten wie HIT oder Metro wollen in den Markt einsteigen.

Doch die Firmen klagen auch über die Risiken: zuviel Bürokratie, unterschiedliche Standards, eine willkürliche Auslegung von Steuergesetzen sowie die schlechte Infrastruktur werden als die größten Probleme genannt. Nicht jeder Mittelständler kann, wie die Leoni AG, den Präsidenten als Paten für die Investition gewinnen. Und dann, so sagen die Firmenchefs, gehe vieles nur mit kleinen Geschenken an die Administration. Bei einem Durchschnittsverdienst von knapp 100 Euro ist das normal - auch wenn Karin Rau, Vertreterin der deutschen Wirtschaft in der Ukraine, davor warnt, sich auf korrupte Beamte einzulassen. Sie sieht eher die ukrainische Regierung in der Pflicht, das Land für Investitionen attraktiver zu machen. Vor den Präsidentschaftswahlen sei da aber wenig passiert, sagt Rau. Bis sich die ukrainische Regierung aber um diese Themen kümmern kann, muss erstmal geklärt werden, wer überhaupt die Wahlen gewonnen hat.

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