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Geschichte

Bildergeschichten: Auf dem Feld der Ehre

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1864: Ferdinand Lassalle stirbt beim Duell

Es gibt bekanntlich Männer, die tun für Frauen so ziemlich alles. Dass sie für die Angebetete allerdings zur Waffe greifen und mögliche Konkurrenten über den Haufen schießen, ist zum Glück aus der Mode gekommen. Im 19. Jahrhundert war das noch anders, ein Duell um eine Frau durchaus eine bürgerliche Praxis. Diese nachträglich angefertigte Illustration zeigt das traurige Ende eines solchen Zweikampfes, der am 28. August 1864 nahe Genf ausgetragen wurde. Von einer Kugel getroffen, sinkt der deutsche Arbeiterführer Ferdinand Lassalle nieder – drei Tage später ist er tot.

So stirbt die große Hoffnung der deutschen Arbeiterbewegung mit 39 Jahren. Erst im Jahr zuvor war Lassalle zum ersten Präsidenten des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" gewählt worden. Er gab der deutschen Arbeiterbewegung ein reformerisches, kein revolutionäres Programm, wofür er heftige Kritik von Marx und Engels erntete. Von der politischen Arbeit erschöpft, trat er im Sommer 1864 einen Kuraufenthalt in der Schweiz an. Dort verliebte er sich in die 18-jährige Helene von Dönniges, deren Vater die Beziehung aber ablehnte. Der Streit eskalierte – und ließ sich nach den Konventionen der Zeit nur mit einem Duell lösen. Dazu schickte der Brautvater den von ihm auserkorenen Verlobten des Mädchens – und der streckte Lassalle mit einem Pistolenschuss nieder.

Die Ehre war zu diesem Zeitpunkt ein hohes Gut. Eine Beleidigung der eigenen Person – oder eben einer Frau, die man unter der eigenen Obhut glaubte – verlangte in der bürgerlichen Wertewelt nach Satisfaktion. Ein solcher Zweikampf, gerne in den frühen Morgenstunden ausgetragen, endete oft genug allerdings ohne oder nur mit geringen Verletzungen. Denn dass sich jemand überhaupt dem Duell stellte, galt als Beweis ehrenhaften Verhaltens. Doch es gab auch Todesopfer, was in der Öffentlichkeit immer wieder heftige Debatten um den Sinn und letztlich das Verbot solcher Kämpfe provozierte.

Es waren wohl nicht nur die gesetzlichen Verbote solcher Duelle, die ein Umdenken bewirkten: Auch Gefühle wie die Vorstellungen von Ehre oder Scham haben als geschichtliche Phänomene ihre Konjunkturen. Der gesellschaftliche Stellenwert der Ehre hat sich gewandelt, das Ehrgefühl der Groß- und Urgroßeltern ist uns heute fremd. Doch das bedeutet zugleich, dass auch die Zukunft wieder andere Ehrbegriffe und neue Praktiken der Satisfaktion hervorbringen kann. Somit ist das bürgerliche Duell nicht nur Geschichte – sondern zugleich Warnung vor möglichen neuen Ehrenhändeln.

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