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Geschichte

Bildergeschichten: Freiheit!

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1945: Martin Niemöller erlebt das Ende des "Dritten Reichs".

Er hat die Barbarei überstanden: der evangelische Theologe Martin Niemöller. Nur wenige Tage zuvor war er noch ein KZ-Häftling, jetzt ist er frei, trägt einen ordentlichen Anzug, genießt eine Pfeife und wohl auch das Gespräch mit einem Offizier der US-Armee. Der 53-Jährige war eine herausragende Figur im kirchlichen Widerstand gegen die NS-Diktatur. Allzu viele Protestanten haben den Nazis zugejubelt und sich unter dem Namen "Deutsche Christen" dem System angedient – herausragenden Einzelpersonen wie Martin Niemöller verdanken die evangelischen Kirchen in Deutschland, das es nach 1945 für sie überhaupt einen moralischen Neuanfang geben kann.

Dabei war der Weg Niemöllers in ein Kirchenamt alles andere als vorhersehbar. Der Seeoffizier zieht 1914 als U-Boot-Kommandant in den Ersten Weltkrieg. In seiner autobiographischen Erzählung "Vom U-Boot zur Kanzel" (die zahlreiche Auflagen erlebt) beschreibt er diese Zeit nahezu als Abenteuerroman. Moralische Bedenken gegen die Kriegsführung sind ihm fremd, die Revolution von 1918 verachtet er so sehr, dass er auswandern will – von einer Zukunft als Schafszüchter in Argentinien ist die Rede. Doch dann nimmt Niemöller 1919 sein Theologie-Studium auf, weil der Glaube "neue, freie und starke Menschen macht", die sein Vaterland doch in dieser Situation so dringend brauche.

1931 nimmt Niemöller eine Pfarrerstelle in Berlin-Dahlem an. Eigentlich ist der nationalkonservative Pfarrer kein Gegner der Nazis (er wählt sogar seit 1924 die NSDAP), wehrt sich dann aber standhaft gegen die Bildung der sogenannten "Reichskirche". Stattdessen gründet er 1933 den "Pfarrernotbund" und wird zur zentralen Figur der oppositionellen "Bekennenden Kirche". Der Diktatur ist er Symbol des Widerstandes, 1937 wird er schließlich verhaftet. "Wir haben jetzt das Schwein", schreibt Propagandaminister Goebbels in seinem Tagebuch, "und lassen es nicht mehr los". Tatsächlich wird der Geistliche als SS-Sonderhäftling im KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau eingesperrt. Auf einem Hinrichtungstransport nach Südtirol wird er schließlich befreit.

In der Bundesrepublik steigt Niemöller zu einer moralischen Instanz auf – und ist ein unbequemer politischer Kopf. Er lehnt die junge Bundesrepublik als zu katholisch und zu westlich gebunden ab ("im Vatikan gezeugt und in Washington geboren") und engagiert sich in der pazifistischen "Ohne-mich-Bewegung" für Frieden und Abrüstung, dann bis zu seinem Tod in der Friedensbewegung. Martin Niemöller stirbt am 6. März 1984 im Alter von 92 Jahren.

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