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Politik & Gesellschaft

Bilder oder Zerrbilder? Muslime und Medien

Muslime werfen den deutschen Medien häufig vor, allzu klischeehaft über den Islam zu berichten. Häufig gebe es bei der Berichterstattung eine Vermischung von politischen, sozialen und religiösen Themen.

Doppelbild: Muslim und Christ beim Gebet (Fotos: AP)

Muslim und Christ - jeweils beim Gebet

Themen wie Burka-Verbot, Ehrenmorde oder Terroranschläge tauchen regelmäßig in den Medien auf. Auch wenn dabei über Einzelschicksale berichtet wird, sind entsprechende Beiträge oft mit dem Etikett "Islam" versehen. Zudem leiden viele Muslime in Deutschland vor allem nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 darunter, verstärkt mit Gewalt, Bedrohung und Menschenrechtsverletzungen im Namen des Islam in Verbindung gebracht zu werden. Sabine Schiffer, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung in Erlangen, mahnt dazu einen verantwortungsvolleren Umgang der Medien mit symbolträchtigen Bildern an. "Zum Beispiel sollen bei der Berichterstattung Bilder von Muslimen in Gebetshaltung oder kopftuchtragenden Frauen nicht in einem problematischen Kontext gebracht werden."

So erregte 2007 zum Beispiel das Titelbild eines renommierten deutschen Wochenmagazins nicht nur muslimische Gemüter: Auf dem Cover der Zeitschrift prangten Halbmond und Stern über dem Brandenburger Tor und der Titel dazu lautete: "Mekka Deutschland - Die stille Islamisierung".

Muslimischer Alltag unbekannt

Aiman A.Mazyek (Foto: DW)

Aiman A. Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Zerrbilder oder Feindbilder über Muslime können auch leicht entstehen, wenn die Bevölkerung nicht genug über die Realität muslimischen Lebens und über den Islam weiß. Nur wenigen Deutschen ist der Alltag in einer der 2600 Moscheegemeinden bekannt. "Die Medien berichten, wenn überhaupt, nur wenig über den Alltag der Muslime", sagt Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, warnt aber davor, alle Hinweise auf Missstände im Islam als Zerrbilder abzutun. "Ehrenmorde, Zwangsheiraten, all das gibt es ja. Wichtig ist die differenzierte Betrachtung all dieser Dinge, um sich so eine Meinung zu bilden."

Christlich-jüdischer Dialog als Vorbild?

Markus Dröge, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, plädiert dafür, den Muslimen gleiche Rechte wie den christlichen Kirchen einzuräumen. So könne Islamfeindlichkeit verhindert werden. "Muslimischer Religionsunterricht und muslimische Wohlfahrtseinrichtungen könnten das Bild vom Islam positiv prägen", so der Bischof.

Markus Dröge (Foto: EKD)

Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg

Ganz besonders hebt Dröge den gewachsenen christlichen-jüdischen Dialog hervor: Nach Nationsozialismus und Holocaust entstanden in Deutschland über 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit cirka 20.000 Mitgliedern. Sie alle fördern die Aussöhnung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen. Ein gemeinsames Vorgehen gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus ist inzwischen selbstverständlich.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting setzt sich in der Hauptstadt aktiv für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein. Dazu gehört der Moscheebesuch genauso wie die Kontaktaufnahme mit Jugendlichen in multikulturellen Stadtvierteln. Er glaubt, dass die Muslime es gerade deshalb so schwer haben, weil viele von ihnen gläubig sind und regelmäßig die Moscheen besuchen.

"Wir, die nicht mehr so gläubig sind, werden uns wohl an diese Situation gewöhnen müssen", sagt Körting. So kann es seiner Meinung nach wieder zu mehr Verständigung kommen - und vielleicht wäre diese Situation auch von Vorteil für die Akzeptanz der christlichen Kirchen.

Autorin: Christina Beyert
Redaktion: Klaus Krämer, Hartmut Lüning