1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Bieterkampf um US-Mobilfunkkonzern

Das weltweite Übernahmekarussell dreht sich weiter. Im Visier ist dieses Mal der US-Mobilfunkbetreiber AT&T Wireless. In den Kampf um die Nummer Drei in den USA könnten gleich mehrere internationale Konzerne einsteigen.

default

Ein Konzern sucht einen Käufer

Offiziell hüllen sich die möglichen Kaufinteressenten in Schweigen. Bis zum Ablauf der Gebotsfrist am Freitag (13.2.2004) will sich kein Mobilfunkanbieter über seine Absichten äußern. Nur T-Mobile, die auch auf dem US-Markt aktive Handy-Tochter der Deutschen Telekom AG, hat bislang abgewunken. "Es gibt keinen Grund für uns, jetzt - vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Bieterwettbewerbs - ein Übernahmenangebot für AT&T Wireless abzugeben", betonte T-Mobile-Chef Rene Obermann in einem Interview Anfang Februar. Sein Unternehmen wolle in den USA erst einmal alleine weitermachen.

Dagegen wird dem weltgrößten Mobilfunkbetreiber, der britischen Vodafone, ein großes Interesse an einem Kauf von AT&T Wireless nachgesagt. Als mögliche weitere Bieter gelten der japanische Konzern NTT DoCoMo, der bereits 16 Prozent an AT&T Wireless hält sowie die US-Anbieter Cingular und Nextel. Der Konkurrent Cingular, Nummer Zwei in den USA, hat nach Medienberichten bereits vor wenigen Wochen eine Bar-Offerte in Höhe von 30 Milliarden Dollar vorgelegt.

Große Chance für Vodafone?

Für Vodafone böte der Deal die Chance, endlich groß in den USA einzusteigen. Die Vision von Vodafone-Chef Arun Sarin ist es offenbar, mit AT&T Wireless eine ähnliche Expansion jenseits des Atlantik zu schaffen, wie sie seinem Vorgänger Chris Gent mit der Übernahme der deutschen Mannesmann AG in Europa gelang.

Vodafone ist zwar mit einer 45-prozentigen Beteiligung am größten US-Mobilfunkanbieter Verizon bereits in den USA engagiert, mit dieser Partnerschaft aber unzufrieden. Denn Verizon hat es bisher verhindert, dass die britische Marke auf dem Handy-Markt zwischen New York und San Francisco auftaucht. Und die US-Partner brüskierten Vodafone auch mit der Entscheidung, in den in den USA verbreiteten Mobilfunkstandard CDMA zu investieren. Vodafone setzt dagegen überwiegend den EU-Standard GSM ein. Da AT&T derzeit seine Netze auf GSM umstellt, wäre der Deal auch von daher für Vodafone sinnvoll.

Zurückhaltung bei japanischem Anbieter

Vodafone erklärte bislang nur, dass die Entwicklungen im US-Mobilfunkmarkt sehr genau beobachtet würden. "Es wird geprüft, ob eine mögliche Transaktion mit AT&T Wireless im Interesse der Anteilseigner ist", hieß es in einer Vodafone-Pressemitteilung weiter. Dagegen berichteten die Zeitungen "Financial Times" und das "Wall Street Journal" am Donnerstag übereinstimmend, Vodafone-Chef Sarin wolle dem Verwaltungsrat die Abgabe eines Kaufgebots und damit einen Bieterkampf mit Cingular empfehlen.

Dagegen wird der größte japanische Mobilfunkbetreiber NTT DoCoMo nach Presseberichten möglicherweise nicht für AT&T Wireless mitbieten. Japanische Zeitungen berichteten am Freitag (13.2.2004), dass sich die Führung von NTT DoCoMo bereits gegen die Teilnahme am Bieterverfahren entschieden habe.

AT&T Wireless hatte im Januar mitgeteilt, dass es im Auktionsverfahren zum Verkauf steht. AT&T Wireless mit seinen rund 22 Millionen Kunden schrieb zwar zuletzt Verluste, ist aber dennoch eine attraktives Übernahmeziel, da es über die meisten Geschäftskunden unter allen US-Mobilfunkanbietern verfügt.

Attraktiver US-Markt

Der US-Mobilfunkmarkt hat im Vergleich zu Europa noch großes Wachstumspotenzial, da erst knapp die Hälfte der Bevölkerung ein Mobiltelefon hat. Derzeit befindet sich die Branche allerdings in einer schwierigen Phase. Die bisher sechs landesweiten Anbieter liefern sich einen extrem harten Wettbewerb, der zuletzt durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen verschärft wurde.

Handy-Nutzer können demnach jetzt ihre Nummer behalten, wenn sie den Anbieter wechseln. Dadurch wird die Suche nach den günstigsten Angeboten weiter angeheizt. Die sinkenden Preise und hohen Werbekosten machen allen Unternehmen zu schaffen, weshalb Branchenanalysten eine Konsolidierung der Branche vorhersagen. (mik)

Die Redaktion empfiehlt