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Kultur

Biennale Berlin: Europas Kunststadt zeigt sich

Berlin war vor knapp hundert Jahren das Zentrum der europäischen Kunstszene. An diese Tradition knüpft die Stadt, die mittlerweile als Europas Galeristen-Hauptstadt gilt, heute an. Das zeigt auch die Berlin Biennale.

Auguststrape Ekce Oranienburger Straße mit Straßenschild. Foto: Jens Kalaene +++(c) dpa - Report+++

Hier beginnt die Berliner Galerie-Meile: Ecke Oranienburger- und Auguststraße im Bezirk Mitte

Neue Nationalgalerie . Foto: Jens Kalaene +++(c) dpa - Report+++

Die Neue Nationalgalerie gehört erstmals zu den Ausstellungsorten der Berlin Biennale

Einen Tag- und Nacht-Kunstmarathon versprechen die Veranstalter der 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst vom 5. April bis zum 15. Juni in der deutschen Hauptstadt. Der tagsüber stattfindende Teil der Biennale präsentiert an vier Stationen vornehmlich Neuproduktionen von 50 Künstlern und Künstlerinnen aus aller Welt. In der Nacht setzt sich die Ausstellung in Form von 63 Veranstaltungen an Orten in der ganzen Stadt fort. Begleitet werden die Ausstellungen von Konzerten, Filmvorführungen, Performances, Referaten und Workshops.

Die Biennale dürfte auch einem breiteren Publikum verdeutlichen, was in der Kunstszene längst als einhelliges Urteil gilt: Berlin ist in den vergangenen fünf Jahren zu Europas Galerie- und Künstler-Hauptstadt gereift. Der Bundesverband Deutscher Galerien (BVDG) beziffert die Zahl der Galerien in Berlin auf 350. Andere Kunstkenner schätzen ihre Zahl sogar auf 400 bis 500. Das sind mehr als in New York, wo die "Frankfurter Allgemeine" voriges Jahr etwa dreihundert Galerien zählte.

Tim Eitel . Foto: Marijan Murat dpa/lsw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Maler und Vertreter der Leipziger Schule Tim Eitel hat seinen Arbeitsplatz nach Berlin verlegt

Preiswerte Kunst-Metropole

"Berlin hat eine große Metropolen-Ausstrahlung, die sich nicht nur auf die Kunst bezieht", sagt der Galerist und BVDG-Vorsitzende Klaus Gerrit Friese. "Wo sich zentrale Ereignisse abspielen - egal ob gesellschaftlich, politisch, künstlerisch - sind natürlich auch viele internationale und viele wichtige Künstler." In deren Sog seien auch die unzähligen Galeristen nach Berlin gekommen.

Es gibt aber auch noch einen weiteren Grund für die Attraktivität der Stadt in der internationalen Kunstszene, meint der Galerist und Kunsthistoriker Martin Mertens: "Es sind sehr viele internationale Künstler nach Berlin gezogen, weil man im europäischen Vergleich hier preiswert leben kann. Wohnungen sind günstig, Ateliers sind günstig." Für seine Galerie-Räume in der Brunnenstraße, wo etwa zwanzig weitere Galerien sich angesiedelt haben, zahlt Mertens 400 Euro Miete im Monat. "Das kriege ich in Paris, Hamburg oder London nicht", erzählt er.

Lange Tradition

Ganz neu ist diese Rolle für Berlin nicht. Galerist Thomas Schulte wies in der "International Herald Tribune" auf die Tradition Berlins als Schmelztiegel internationaler Künstler hin, die man bis in die 1920er-Jahre zurück datieren könne. Sie sei auch durch die zentrale Lage der Stadt in Europa begründet gewesen. Diese Tradition sei zwar durch NS-Zeit, Krieg und deutsche Teilung brutal unterbrochen worden. Seit dem Fall der Mauer 1989 knüpfe die Stadt aber erfolgreich an diese künstlerische Tradition an.

Bleibt jedoch eine Frage offen: Wie (über-) leben Kunsthändler in einer Stadt, die gemessen an westdeutschen und europäischen Standards als arm gilt und der es an einer kaufkräftigen Kundschaft mangelt? Es gebe zwar viele, die noch nichts verkaufen, erklärt Friese. Das spiele aber derzeit kaum eine Rolle. Wichtiger seien im Moment die Faszination und Bewegung in der Kunstlandschaft. "Außerdem hoffen alle, dass sich eine ähnlich gut strukturierte Sammlerschaft wie im Rheinland entwickelt. Warten wir noch fünf Jahre, dann sehen wir auch bei den Zahlen mehr."

Einfluss großer Sammler

So lange müsse man vielleicht gar nicht warten, meint Mertens, der bereits jetzt Zeichen für eine erstarkende Kaufkraft in der Kunstszene ausmacht. Wichtigstes Beispiel sind nach seiner Meinung die vielen ganz großen Sammler, die nach Berlin ziehen und ihre Sammlungen öffentlich präsentieren, darunter Namen wie Boros, das Ehepaar Hoffmann, Haubrock und Schürmann. Auch "Die Zeit" schrieb zwei Tage vor Beginn der Biennale unter dem Titel "Jeder baut sich sein Museum" von der neuen Macht, die diese Sammler vor allem in Berlin haben. Dort könne man beobachten, wie sie die deutsche Kultur verwandelten.

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