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Deutschland

Beust feuert seinen Stellvertreter Schill

Hamburgs Regierender Bürgermeister Beust machte am Dienstag (19.8.) kurzen Prozess und gab dem Innensenator Ronald Schill den Laufpass. Schill hatte Beust zufolge mit Veröffentlichungen aus dessen Privatleben gedroht.

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Schill kleinlaut, aber nicht reuig

Nach gewonnener "Schlammschlacht" im Hamburger Rathaus ging Ole von Beust zum politischen Alltagsgeschäft über. Entspannt setzte sich der CDU-Bürgermeister am Mittwochmorgen (20.8.2003) an den Schreibtisch, um sich auf ein Treffen der Unions-Regierungschefs mit CDU-Chefin Angela Merkel vorzubereiten. "Von seiner gestrigen Aufgewühltheit war nichts mehr zu bemerken", sagte ein Mitarbeiter. Verflogen schienen Beusts Wut und Enttäuschung über seinen früheren Innensenator Ronald Schill.

Koalition in Gefahr?

Dabei hatte Beust am Dienstagmorgen (19.8.2003) die wohl einschneidendste Entscheidung seines bisherigen politischen Lebens getroffen, indem er Schill nach dessen angeblichen Drohungen erst aus seinem Büro und kurz darauf aus dem Amt warf. Er setzte somit die Koalition mit Schill-Partei und FDP aufs Spiel. Applaus erhielt er nicht nur aus den eigenen Reihen. Auch nach Ansicht der Opposition hatte Beust keine andere Möglichkeit. Schill hatte Beust eine Liebesbeziehung zu Justizsenator Roger Kusch (CDU) unterstellt.

Schnell und konsequent

Der 46 Jahre alte Bürgermeister zeigte, dass er schnelle Entscheidungen treffen kann. Bisher war er vor allem für seine freundliche und zuvorkommende Art bekannt. Vor seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren beschrieben ihn die Medien deswegen auch immer wieder als "Sonnyboy von der Elbe". Bei den Hamburgern hat sich das Bild jedoch schon länger verschoben. Immer mehr Wähler trauen ihm laut Umfragen Führungsstärke und Sachkompetenz zu. Über die Grenzen Hamburgs hinaus ist Beust wenig präsent. Bundespolitisch zeigt er keinerlei Ambitionen. "Ich bin Hamburger Bürgermeister", wiederholt er beständig auf Nachfragen. Zwar hat er jetzt die Koordination unter den Unions-Ministerpräsidenten bei der Reformdiskussion übernommen. Doch auch dazu musste ihn dem Vernehmen nach Parteichefin Merkel erst drängen.

Schill "charakterlich nicht geeignet"

Als Hamburger Bürgermeister sieht er sich eher als Steuermann hinter den Kulissen: "Richtlinienkompetenz heißt für mich, dass ich nach Innen steuere". Das Bündnis mit Schill, das die CDU vor zwei Jahren nach 44 Jahren Abstinenz in Hamburg wieder an die Macht brachte, ging Beust nicht ohne Bauchschmerzen ein. Bis Dienstag konnte er die Ausfälle seines Stellvertreters aber stets eindämmen, so etwa nach Schills populistischer Rede vor einem Jahr im Bundestag. Dabei ging er immer bedacht vor und besprach sich vor jeder Entscheidung intensiv mit Vertrauten. Am Dienstagmorgen handelte er dagegen innerhalb weniger Minuten - ganz nach dem Prinzip Spontanität, das er einmal als seine größte Stärke beschrieb.

Sachlich gab es für ihn nichts mehr abzuwägen: "Ich lasse mich nicht erpressen", erklärte Beust. Kurz und bündig stellte er fest, Schill sei "charakterlich nicht geeignet, das Amt des Innensenators weiterzuführen". Seine Entscheidung stieß auf Zustimmung der Parteien. Allerdings muss er sich jetzt die Frage gefallen lassen: "Warum hat er für seine Diagnose zwei Jahre gebraucht", wie SPD-Landeschef Olaf Scholz formulierte. Weniger Probleme bereitet dem eingefleischten Junggesellen nach eigenen Worten dagegen, dass seine Homosexualität nun kein "offenes Geheimniss mehr ist". Offiziell "outen" will er sich aber auch weiter nicht: "Ich finde, was jemand im Bett macht, ist seine Privatangelegenheit", sagte er.

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