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Nahost

Besatzungssoldaten in Angst

Fast täglich werden US-Soldaten Opfer von Anschlägen im Irak. Die Furcht, in einen endlosen Widerstandskampf verstrickt zu werden, wächst. Im britischen Besatzungsgebiet stellt sich die Situation entspannter dar.

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Unter dem Helm liegen die Nerven blank

Die immer häufigeren Anschläge auf US-amerikanische Besatzungstruppen verschlechtern die Moral der rund 150.000 im Irak stationierten US-Soldaten zunehmend. Hinzu kommen die dauernde Hitze und Erschöpfung für jene, die nun schon seit Monaten fernab von zu Hause leben. Lebensbedingungen, die bei den meist sehr jungen Männern und Frauen Angst und Stress schüren.

Die US-Soldaten sehen sich anonymen Gefahren ausgesetzt, die für sie nicht erkennbar sind", analysiert Reinhard Mutz die Situation in Irak. "Das wiederum steigert ihre Nervosität. Und ihre Aggressivität", führt der Direktor des Hamburger Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik weiter aus. Solche Gefahren scheinen an jeder Ecke zu lauern: Widerstandskämpfer attackieren Transportfahrzeuge und Patrouillen mit Granaten oder Panzerfäusten, in jedem Haus kann ein Scharfschütze hocken.

Der Krieg ist nicht vorbei

Die planlosen US-Truppen verbarrikadieren sich in ihren Camps, während draußen das Chaos ausbricht. Wenn sie sich einmal heraustrauen, liegen ihre Nerven so blank, dass es zu Zwischenfällen wie in der irakischen Stadt Tikrit kommt. Dort haben US-Soldaten nach Angaben des örtlichen Krankenhaus-Leiters am Freitag (8.8.2003) auf einem Markt mehrere Menschen erschossen.

Irak: Anschalg auf die jordanische Botschaft

Anschlag auf die jordanische Botschaft

Einen Qualitätssprung in der Herausforderung gegen die USA sehen Experten in dem jüngsten Bombenanschlag, bei dem eine Autobombe vor der jordanischen Botschaft mehrere Tote und Verletzte forderte. Der Anschlag wird als Beweis dafür gewertet, dass die Rebellen ihre Aktionen koordinieren und die Initiative übernehmen. Insbesondere die US-amerikanischen Besatzungstruppen stehen offenbar nicht mehr einem kleinen, mehr oder weniger spontanen Widerstandskampf gegenüber, sondern befinden sich in einer nahezu kriegerischen Auseinandersetzung.

Besatzungsmächte unterscheiden sich nicht

Besonders im Inneren des Irak, in der Region um Bagdad, Tikrit und Falludscha, die auch als "sunnitisches Dreieck" bezeichnet wird, wächst die Spannung zunehmend, während in den von britischen Besatzungstruppen kontrollierten Gebieten so gut wie keine Opfer auf militärischer Seite zu beklagen sind. "Das liegt jedoch keinesfalls daran, dass die Briten mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Bevölkerung hätten oder größere Erfolge bei der Wiederherstellung von Infrastrukturen vorweisen könnten", glaubt Buchautor und Irak-Experte Joachim Guillard.

Auch Reinhard Mutz führt die ruhigere Situation im Süden nicht auf einen unterschiedlichen Umgang der beiden Besatzungsmächte mit der Bevölkerung zurück. "Die Wiederaufbau-Bemühungen von Briten und US-Amerikanern unterscheiden sich nicht", meint Mutz, "weder hinsichtlich der Schaffung politischer Strukturen, noch bei der Wiederherstellung technischer Infrastruktur." Dass die US-Truppen vergleichsweise erfolgloser sind, führt Mutz darauf zurück, dass es die US-Besatzer mit dem weniger kooperationsbereiten Teil der irakischen Bevölkerung zu tun haben.

Politische Schwäche oder Ruhe vor dem Sturm?

Unerwartete Begegnung

Südiraker begegnen Besatzern zur Zeit noch unkritisch

Die britischen Besatzer treffen hingegen im Süden des Iraks auf eine Bevölkerung, die den Aliierten wesentlich weniger kritisch gegenübersteht als die Angehörigen der übrigen religiösen Gruppen. "Ambitionen auf eine aktive politische Teilhabe auf staatlicher Ebene sind aus dem schiitischen Religions- und Weltverständnis heraus nicht so ausgereift, wie das beispielsweise bei Kurden und Sunniten der Fall ist", gibt Reinhard Mutz zu bedenken. Zudem sei die größte Bevölkerungsgruppe im Land sich darüber uneinig, wie sie sich ihre politische Beteiligung in dem Land vorstellt.

"Die Situation im Südirak könnte jedoch auch so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm darstellen", warnt Joachim Guillard. Lokale Autoritäten, so räumt er ein, könnten zur Zeit zwar die Ruhe in den meisten schiitischen Gebieten gewährleisten. "Doch auch hier gibt es schon jetzt Gebiete, in die sich die Besatzungskräfte nicht hineinwagen, und auch hier steht die Forderung nach einer stärkeren politischen Beteiligung der Bevölkerung im Raum." Sollten die Besatzungsmächte dieser Forderung nicht bald stattgeben, könnten sich auch in den schiitischen Gebieten schon bald massive Widerstände formieren.

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