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Wirtschaft

Beim Stresstest fallen acht Banken durch

Bei der Prüfung von Europas Banken sind acht Institute aus Spanien, Griechenland und Österreich gescheitert. Um dem verschuldeten Griechenland zu helfen, treffen sich die Euro-Länder nächste Woche zu einem Sondergipfel.

Frankfurter Banken-Skyline (Foto: dpa)

Harte Prüfung für deutsche und europäische Banken

Wie die Europäische Bankenaufsicht (EBA) am Freitag (15.07.2011) in London bekanntgab, benötigen die beim Stresstest durchgefallenen acht Kreditinstitute - unter ihnen allein fünf aus Spanien - etwa 2,5 Milliarden Euro Kapital, um sich zu stärken und die Anforderungen demnächst zu bestehen. Von den insgesamt 91 getesteten Banken bewegten sich 16 Institute, wie es weiter hieß, im Bereich einer Kernkapitalquote von nur fünf bis sechs Prozent. Damit schafften sie die Ziellinie nur knapp.

Die EBA forderte bei ihrem zweiten großen Stresstest seit 2010, dass die Banken in einem Schock-Szenario mit einer zwei Jahre andauernden Rezession, einbrechenden Aktienkursen und steigenden Zinsen auf eine harte Kernkapitalquote von fünf Prozent kommen und damit ihre Widerstandsfähigkeit in einer Krise beweisen. Im vergangenen Jahr war die Hürde mit sechs Prozent höher, damals durften die Teilnehmer aber auch noch auf Hybridkapital bauen. Das ist eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital, wie beispielsweise Genussscheine, nachrangige Anleihen und die besonders in Deutschland verbreiteten Stillen Einlagen. Diesmal wurden ausschließlich Aktionärskapital und Rücklagen der Banken als Eigenkapital gewertet.

Zu dünner Puffer

Regenschirm als Schutzsymbol über Bank-Hochhäusern. (Foto: dpa)

Wer kommt durch - und wer braucht Schutz ?

Die deutschen Kreditinstitute hätten die Prüfung weitgehend bestanden, wie die Deutsche Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin in Frankfurt am Main mitteilten. Allein die Landesbank Hessen-Thüringen hätte nach den Spielregeln der EBA einen zu dünnen Puffer für Krisenzeiten und wäre damit der einzige deutsche Durchfaller gewesen. Der Grund: Die EBA wollte überraschend Stille Einlagen bei der Helaba nicht als hartes Kernkapital anerkennen. Die Bank protestierte gegen die kurzfristige Änderung der Vorgaben und veröffentlichte ihre Daten kurzerhand selbst.

Im Schnitt kamen die deutschen Teilnehmer im härtesten Krisenszenario auf eine harte Kernkapitalquote von 7,5 Prozent, immerhin 3,8 Prozentpunkte niedriger als Ende 2010. Vor allem der Bestand an Verbriefungen litt unter den verschärften Bedingungen. Die Verluste aus Staatsanleihen-Beständen hielten sich dagegen in Grenzen.

Frisches Kapital für spanische Sparkassen

Bundesbank-Vize-Präsidentin Lautenschläger und Bafin-Direktor Röseler (Foto: AP)

Bundesbank-Vize-Präsidentin Lautenschläger und Bafin-Direktor Röseler gaben die Ergebnisse bekannt

Schon kurz vor Bekanntgabe der Ergebnisse zogen die durchgefallenen Teilnehmer Konsequenzen. Die Österreichische Volksbanken AG verkauft ihre Osteuropa-Tochter VBI an die russische Sberbank. Die griechische EFG Eurobank spricht über den Verkauf ihrer türkischen Tochter, und die Piraeus Bank will ihr Geschäft in Ägypten an Standard Chartered veräußern. Nach Angaben der spanischen Zentralbank sollen vier Sparkassen frisches Kapital vom Staat erhalten.

Kritiker bemängeln, dass der Stresstest die Schuldenkrise in Südeuropa und eine Staatspleite Griechenlands unzureichend ins Kalkül zog. Die Teilnehmer müssen nur 15 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen abschreiben, in der Realität notieren sie bis zu 50 Prozent unter dem Buchwert. Vor allem deutsche und französische Banken sitzen derzeit auf großen Posten griechischer Bonds.

Euro-Sondergipfel zur Schldenkrise

Schriftzug Helaba

Viel Stress mit dem Test: die Hessisch-Thüringische Landesbank

Angesichts der Schuldenkrise in Griechenland treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder am kommenden Donnerstag zu einem Sondergipfel in Brüssel. "Ich habe beschlossen, für kommenden Donnerstag ein Treffen einzuberufen", teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Freitagabend mit. Das Krisentreffen hatte ursprünglich schon diese Woche stattfinden sollen. Doch die deutsche Regierung war gegen ein Treffen, solange die Details für ein zweites Hilfspaket für Griechenland noch nicht ausgehandelt sind.

Autor: Gerd Winkelmann (dapd, dpa, afp, rtr)

Redaktion: Martin Schrader, Dirk Eckert

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